Es waren hitzige Diskussionen, die in den sozialen Medien geführt wurden, als am Wochenende durchgesickert war, dass das Spartan Race, das wegen Corona schon 2020 ausgefallen war, auch in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Die Entscheidung des Kulmbacher Stadtrats, der sich in nicht öffentlicher Sitzung dafür ausgesprochen hatte, das für Oktober geplante Event abzusagen, wurde heftig kritisiert. 19 Stadtratsmitglieder hatten für die Absage gestimmt, nur zehn wollten am Termin festhalten.

"Hätte der Branche gut getan"

Enttäuscht waren nicht nur Sportler, die auf den anspruchsvollen Hindernislauf gehen wollen, sondern auch Hoteliers und Gastronomen, die nach vielen Monaten Lockdown auf ein Großevent und dringend benötigte Einnahmen gehofft hatten. "Das Rennen hätte der Branche gut getan", sagen der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, Stephan Ertl, und Ulrike Berger, die das "Hotel Kronprinz" führt. Bergers Hotel ist über das Veranstaltungswochenende ausgebucht, doch muss sie sich nun wie ihre Kollegen auf Stornierungen einstellen. Überrascht hat die "Kronprinz"-Chefin die Nachricht, dass Kulmbach sich nicht nur für ein Rennen, sondern ganz vom Spartan Race zurückziehen werde.

Falschmeldung

Das war aber eine Falschmeldung, wie Christian Stephan von der Münchner Eventagentur "Plan B", die das "Trifecta"-Wochenende ausrichtet, auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Über fünf Jahre soll das Spektakel in Kulmbach über die Bühne gehen. "Und daran wird sich nichts ändern", versichert Stephan, der auf eine Vereinbarung mit der Kommune verweist. Seine Enttäuschung über die Absage kann er aber nicht verhehlen. "Wir hatten bis Donnerstag darauf gehofft, dass die Stadt an der Veranstaltung, die in einer wirtschaftlich schweren Zeit auch für uns sehr wichtig ist, festhält." 1400 Starter seien gemeldet gewesen. "Es wären sicherlich über 3000 geworden", so Stephan, der den politischen Beschluss bedauert, ihn aber akzeptiert. Aus städtischer Sicht könne er den Rückzug sogar verstehen. "Die Stadt will eine tolle Premiere, die wohl eher beim neuen Termin 18./19. Juni 2022 als im Oktober möglich sein wird." Nicht nur das Wetter, auch Corona hätte die Läufer noch ausbremsen können.

So viel kostet die Veranstaltung

Ob die Stadt, die für fünf Jahre eine Lizenzgebühr von insgesamt 500 000 Euro zahlt und mit jährlichen Nebenkosten von 40 000 Euro rechnet, die Absage teuer zu stehen kommt? Aus Gründen der vertraglichen Verschwiegenheitspflicht will sich die Kommune dazu nicht äußern. Wie zu erfahren war, wird aber eine Vertragsstrafe in Höhe von 25 000 Euro fällig.

Die nimmt die Stadt in Kauf. "Die Pandemieunsicherheit und damit zusammenhängend die niedrigen Teilnehmerzahlen waren letztlich ausschlaggebend für die Mehrheit der Stadtratsmitglieder, gegen eine Umsetzung in diesem Jahr zu votieren", sagt OB Ingo Lehmann (SPD). Es habe zu viele Unwägbarkeiten gegeben. Sollten die Infektionszahlen deutlich steigen, könnte es sein, dass die Veranstaltung ohnehin abgesagt werden müsse. Sollten Gastronomie und Hotellerie wieder schließen müssen, würde das eine Durchführung erschweren. Die Zahl der Anmeldungen liege zudem mit 1350 weit unter dem Vorjahreswert.

Die Absage ist für Gastronomen, Hoteliers und Caterer, die auf ein für sie wirtschaftlich erfolgreiches Spektakel im Oktober gehofft hatten, ein Rückschlag. Doch die meisten bringen für die städtische Entscheidung Verständnis auf. "Ich bin froh, dass die Veranstaltung nicht komplett abgesagt, sondern ,nur' verlegt wird", stellt die Chefin des Hotel "Kronprinz", Ulrike Berger, fest. Sie ist überzeugt, dass die Veranstaltung auch im Juni für volle Hotels und Gaststätten sorgen wird.

Sportler sagt: "Die beste Entscheidung"

Und was sagen die Athleten? "Die Absage war die beste Entscheidung", erklärt Ralf Müller, der das "CrossFit" leitet und sich wie einige Mitglieder auch selbst für das Spartan Race angemeldet hat. Er habe sich aber schon überlegt, ob er unter den Rahmenbedingungen, die im Oktober wohl gelten würden, überhaupt antreten soll. "Ich habe gehört, dass auf dem Marktplatz beispielsweise keine Zuschauer stehen dürften. Unter solchen Gegebenheiten macht ein Rennen keinen Spaß", sagt Müller, der weiß, dass es in Kulmbach etliche Kritiker gibt, denen man Futter gegeben hätte, wäre die Premiere ein Reinfall geworden. Die Verlegung auf Juni 2022 biete die Chance, das Trifecta-Wochenende unter möglicherweise anderen Voraussetzungen zu einem tollen Event zu machen.

Kein finanzieller Nachteil

Den Teilnehmern, die sich für Oktober angemeldet haben, soll kein finanzieller Nachteil entstehen. 2020 waren viele Spartaner sauer, weil all die, die den Startplatz auf 2021 hatten umschreiben lassen, nur einen 70-Prozent-Gutschein erhalten hatten und den Rest neu überweisen mussten. "Das war unglücklich und hat für Unruhe gesorgt", sagt Christian Stephan von der Münchner Agentur "Plan B". Diesmal würden die Tickets auf Juni 2022 umgebucht. Jeder Starter könne sich aber auch auf ein anderes Rennen ummelden oder sich auf Wunsch die Startgebühr zurückerstatten lassen.