An den Machtverhältnissen im Kulmbacher Stadtrat ändert sich nicht viel, doch bei der Zusammensetzung des Gremiums gibt es trotzdem Überraschungen - Erfolge, mit denen einige Kandidaten nicht im Traum gerechnet hätten.

Das gilt zumindest für drei Bewerber der CSU, die auf hin teren Listenplätzen kandidiert hatten, um die politische Linie von Oberbürgermeister Henry Schramm zu unterstützen, bisher aber politisch kaum in Erscheinung getreten sind: Markus Ewald, Leitender Arzt am Klinikum, kandidierte auf Platz 22 und wurde von den Wählern nach vorne auf Rang acht katapultiert, Benno Pieger, Bezirkskaminkehrermeister und langjähriger Vorsitzender der Kulmbacher Feuerwehr, verbesserte sich von 18 auf neun, Dieter Hägele, ehemaliger Leitender Arzt am Klinikum und engagierter Vorsitzender des Hospizvereins, startete auf Listenplatz 24 und ist in der Endwertung Zehnter.

Kreative
Lösungen finden

"Ich freue mich, dass mir so viele Kulmbacher dieses Amt zutrauen", sagte Markus Ewald, überrascht von seinem Ergebnis. Was hat ihn motiviert, ein Stadtratsmandat anzustreben? "Ich halte den Kurs von OB Henry Schramm für richtig, wichtige Aufgaben abzuarbeiten, ohne neue Schulden zu machen. Um auch mit wenig eigenen Mitteln etwas bewegen zu können, muss man kreativ sein und sich etwas einfallen lassen. Das möchte ich unterstützen." Das Gute an Zahlen sei, dass man sie überprüfen könne, wirtschaftliches Handeln sei messbar, so der 48-Jährige.

Wirtschaft, Familien, Senioren

Benno Pieger kann kaum glauben, dass er 3566 Stimmen bekommen hat. "Ich hatte nie und nimmer mit meiner Wahl gerechnet. Doch jetzt werde ich natürlich meine Bürgerpflicht erfüllen, denn das Vertrauen der Wähler freut mich sehr", sagt der 59-Jährige. Sein besonderes Interesse gilt der Wirtschaftspolitik. "Mir gefällt, wie sich unsere Stadt in den letzten Jahren entwickelt hat. Ich möchte dazu beitragen, dass es so weiter geht."

Der älteste Neuling ist der 72-jährige Dieter Hägele. "Ich möchte das Vorwärtskommen unserer Stadt unterstützen." Was ist da aus seiner Sicht zu tun? Wir müssen etwas für junge Leute und junge Familien tun, und da sind wir schon ganz gut aufgestellt. Aber was die Senioren betrifft - da gibt es noch Potenzial." Hägele hält es für wichtig, die gesellschaftliche Stellung der Senioren aufzuwerten. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung können sie noch viel leisten, aber man muss diese Unterstützung auch wollen."

Für mehr Bürgerfreundlichkeit

Vom eigenen Erfolg überrascht wurden auch die beiden neuen künftigen SPD-Stadträte. Der Bestatter Michael Stübinger kandidierte auf Platz 15 und landete auf Platz sieben. Sein großes Ziel für die Arbeit im Rathaus ist es, die Bürgerfreundlichkeit und Bürgernähe zu verbessern. "Da ist in den vergangenen Jahren vieles zu kompliziert geworden." Außerdem will sich der 54-Jährige für die aus seiner Sicht von der Stadtpolitik vernachlässigten Ortsteile Oberzettlitz und Unterzettlitz stark machen.

Matthias Meußgeyer, Sozialpädagoge beim Kreisjugendamt und erfolgreicher Lohengrin-Kegler, kandidierte schon zum zweiten Mal auf der SPD-Liste für den Stadtrat, und dieses Mal hatte der 45-Jährige Erfolg. Er bekam so viele Stimmen, dass er sich von Listenplatz 14 auf Rang neun verbesserte. "Ich finde meine neue Aufgabe sehr spannend und bin neugierig , was auf mich zukommt. Es wird sicher viel Arbeit geben, aber ich freue mich darauf."

Kommunalpolitisch ist Ralf Hartnack schon ein recht erfahrener Mann, doch bisher hat der Vorsitzende der Wählergemeinschaft den Sprung ins Stadtparlament nicht geschafft. Der 38-jährige Ingenieur möchte sein Fachwissen in die Stadtpolitik einbringen. "Mein Lieblingsthema ist eine Fachhochschule für Kulmbach, und dafür werde ich mich nach Kräften einsetzen."

Im Gegensatz zu Hartnack ist Rainer Ludwig, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach, politisch bisher nicht aktiv gewesen und erst kürzlich Mitglied der WGK geworden. Viele Kulmbacher kennen den 52-Jährigen als freiberuflichen Radiomoderator.

Arbeiten, leben und sich wohlfühlen in Kulmbach - dieses Motto der Wählergemeinschaft hat er verinnerlicht. "Mit gesundem Menschenverstand kann man viel bewegen. Mein Wahlergebnis sehe ich als großen Sympathiebeweis und Ansporn für meine neue Aufgabe."

"Eine gestärkte Mehrheit"

Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem neu formierten Stadtrat - nicht nur mit den Mitgliedern seiner eigenen Fraktion. "Für uns ist die Stadtratswahl sehr gut gelaufen. Wir haben gemeinsam mit der WGK eine klare und sogar um einen Sitz gestärkte Mehrheit. Das ist eine gute Basis, um die begonnene politische Arbeit fortzusetzen."

Er strebe jedoch an, bei den Entscheidungen alle Mitglieder des Gremiums einzubinden. "Wir haben große Aufgaben zu bewältigen, auch in finanzieller Hinsicht. Da sollte es immer nur um die Sache gehen und nicht um parteipolitische Fragen. Ich wünsche mir, dass das in den nächsten sechs Jahren gelingt."