Es bleibt ein Aufregerthema: die Preisexplosion beim Mittagessen an den vier offenen/gebundenen Ganztagsschulen, die viele Eltern nach der Neuausschreibung der Mittagsverpflegung durch die Stadt Kulmbach ab September wohl richtig im Geldbeutel trifft. "Wer kann sich das noch leisten?", fragt Mutter Bianka Junker-Höhl, deren Söhne die Max-Hundt-Schule besuchen. Diese wird nach derzeitigem Stand nicht mehr von der Gaststätte "Sternstunden" bekocht, sondern von der Awo, die die Ausschreibung - wie auch an der Melkendorfer Schule - gewonnen hat. Das Mittagessen geht ab dem neuen Schuljahr gehörig ins Geld. Bianka Junker-Höhl wird künftig 5,83 statt bis dato 3,90 Euro zahlen. Eine Preissteigerung um 80 Cent müssen die Eltern in Kauf nehmen, deren Kinder die Obere Schule und die Hans-Edelmann-Schule besuchen. Dorthin liefert die "Menüfaktur" der Diakonie. Die Mahlzeit kostet dann 4,50 statt 3,70 Euro.

Sieger sind nicht glücklich

Wer jetzt glaubt, die Sieger der Ausschreibung sehen sich als große Gewinner, der täuscht sich. Denn nicht nur die Stadt, auch die Diakonie, allen voran aber die Awo, spüren mächtigen Gegenwind. Als Hauptgrund für den Preissprung sehen die Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch (Diakonie) und Elisabeth Weith (Awo) die ungewöhnlichen Ausschreibungskriterien. Die Lieferverträge sollen nämlich nicht wie sonst oft üblich über ein oder zwei, sondern über fünf Jahre gehen. "Ein Zeitraum, der sich nur schwer kalkulieren lässt", sagt Kuch. Keiner könne sagen, wie sich Preise für Lebensmittel und Strom entwickeln, inwieweit Tarifabschlüsse die Personalkosten beeinflussen werden.

"Haben ohnehin knapp kalkuliert"

Die längere Bindung habe die Kosten für das Mittagessen in die Höhe getrieben. "Es kann sein, dass die Kinder von heute die Preissteigerung von morgen mit bezahlen", sagt Kuch, der am Tag nach der hitzigen Debatte im Stadtrat von der Stadt gefragt worden ist, ob der Preis nachträglich gesenkt werden könne. "Dafür bleibt uns aber keine Luft. Wir haben ohnehin knapp kalkuliert", stellt der Geschäftsführer der Diakonie fest, die mit der "Menüfaktur" tagtäglich 3000 Essen an 30 Abnehmer - Schulen, Kindergärten, Wohngruppen und Heime - liefert. Eine offizielle Ausschreibung sei die Ausnahme, so Kuch. "Bis dato hat es das bei uns nur bei der JVA in Kronach gegeben."

Die Glaskugel

Einen Nachlass wird auch die Awo nicht gewähren, bei der das Essen fast zwei Euro teurer wird. Dafür gebe es keinen Spielraum, sagt Geschäftsführerin Elisabeth Weith. Auch sie macht vor allem die Fünf-Jahres-Bindung für den großen Preissprung verantwortlich. "Keiner kann in die Glaskugel schauen. Keiner weiß, wie sich der Markt entwickelt. Gehen die Schülerzahlen zurück, kann das Ganze auch zu unseren Ungunsten ausgehen", sagt Weith, die nun die Stadt in der Pflicht sieht.

Diese musste die Ausschreibung aus rechtlichen Gründen vornehmen, wie Pressesprecher Jonas Gleich mitteilt. Warum der Vertrag über fünf Jahre gehen muss? "Das ist ein in diesem Bereich durchaus üblicher Zeitraum", betont Gleich. Wie die Stadt nach der doch heftigen Kritik weiter vorgehen wird? Man sei mit den Schulen, den Eltern und den Anbietern im Gespräch. "Sollte es etwas Neues geben, werden wir zu allererst den Stadtrat informieren."

Ist das rechtlich möglich

Wie die Stadt die Kuh vom Eis bringen könnte? Für Awo und Diakonie steht fest: Sollte es rechtlich möglich sein, muss die komplette Ausschreibung aufgehoben werden. Sollte die Lieferung neu ausgeschrieben werden, müssten laut Elisabeth Weith die Kriterien geändert werden. Vor allem auf eines müsse dann geachtet werden: auf eine kürzere Laufzeit.

"Schule soll entscheiden"

Den Sinn einer Ausschreibung zweifelt Karl-Heinz Kuch an, der grundsätzlich dafür ist, dass die Entscheidung über den Lieferanten an der jeweiligen Schule getroffen werden sollte. "Schule, Eltern und Kinder wissen doch am besten, ob sie mit der Verpflegung zufrieden sind." Kuch regt an, "Qualitätszirkel" zu bilden, um Jahr für Jahr nach Optimierungen zu suchen. Er wünscht sich, dass die Mittagsverpflegung im September so weiter läuft wie im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr.

Wer einen Blick auf die Kinderhorte wirft, die von der Menüfaktur beliefert werden, sieht, dass es keine Mehrkosten geben muss. Dort musste keine Ausschreibung vorgenommen werden, dort bleibt der Preis gleich. Das Mittagessen kostet laut Kuch weiterhin 3,70 Euro.

Mit einem Preis von unter vier Euro könnte sich auch Bianka Junker-Höhl anfreunden. Vor allem für Familien, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, wäre das ein Signal, sagt die Mutter von Max-Hundt-Schülern.

Es gibt Geld vom Staat

Dabei erhalten sozial schwächer Gestellte unter gewissen Voraussetzungen Geld vom Staat für die Mittagsverpflegung über das "Bildungs- und Teilhabepaket". "Der Leistungsbezug ist gekoppelt an den Bezug von Hartz IV, Sozialhilfe oder Wohngeld. Wer eine solche Basisleistung bezieht, kann einen entsprechenden Antrag stellen, wenn die Kinder in der Berechnung berücksichtigt sind", sagt Bernhard Rief vom Landratsamt. Gestellt werden müsse dieser Antrag bei der jeweiligen Leistungsbehörde. Rief: "Das ist bei Hartz IV der Jobcenter, bei Wohngeld und Sozialhilfe das Landratsamt."