Trotz unterschiedlicher Ansichten über die künftige Erschließung der Plassenburg bleiben die Stadt Kulmbach und die Schlösserverwaltung, die Hausherrin auf der Burg ist, im Gespräch. Das ist die gute Nachricht.

Weniger gut ist, was sich aus einem Schreiben von Bernd Schreiber, dem Präsidenten der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, wie die Behörde offiziell heißt, an Oberbürgermeister Ingo Lehmann herauslesen lässt: Wirklich groß ist die Schnittmenge der jeweiligen Vorstellungen nicht. In jenem Schreiben, das uns vorliegt, geht Präsident Schreiber auf diverse Vorschläge ein, die als Alternative zu einer Trasse durch den Buchwald ins Gespräch gebracht worden waren.

Worum geht es?

Seit langem wird darüber diskutiert, wie man die Plassenburg besser erschließen und damit mehr Besucher auf die Burg locken kann. Die Schlösserverwaltung setzt dabei entschieden auf den sogenannten Individualverkehr. Das heißt, die Besucher sollen mit dem eigenen Auto auf die Plassenburg fahren können. Eine Fachfirma hat mehrere denkbare Auffahrts-Varianten geprüft. Für die Schlösserverwaltung steht fest: Einzig eine neu zu bauende Straße, die vom Ködnitzer Ortsteil Leithen durch den Buchwald zu einem Parkplatz auf der Plassenburg führt, wäre machbar. Gegen diesen Vorschlag regt sich Widerstand - unter anderem bei der Stadt Kulmbach, der Gemeinde Ködnitz und dem Denkmalrat.

Sind Stadt Kulmbach und Schlösserverwaltung im Gespräch?

Anfang März gab es ein als "Burggipfel" bezeichnetes Gespräch zwischen allen Beteiligten, die dabei ihren jeweiligen Standpunkt erläutert haben. Einige Tage später hat OB Lehmann an den Präsidenten der Schlösserverwaltung geschrieben, und ihm zwei Alternativ-Vorschläge zur Buchwald-Trasse mitgeliefert mit der Bitte, diese auf Machbarkeit zu überprüfen.

Einer der Vorschläge ist eine Seilbahn vom Mönchshofgelände auf die Burg. Ins Gespräch gebracht haben ihn Sigrid Daum-Sauermann, Marion Resch-Heckel und Bernd Sauermann. Wie reagiert die Schlösserverwaltung?

Der neue Vorschlag für eine Aufstiegshilfe sei interessant, so Präsident Schreiber, der darauf verweist, dass vor 26 Jahren eine Standseilbahn, für die schon Genehmigung und Finanzierung vorlagen, von der Stadt nicht realisiert worden sei. Man sei in dieser Sache gesprächsbereit. Allerdings liege der Part der Erstellung einer Machbarkeitsstudie und damit verbunden auch der Finanzierung einer solchen Maßnahme bei der Stadt Kulmbach - "da es sich hierbei um ein Vorhaben des öffentlichen Personennahverkehrs handelt".

Ein weiterer Vorschlag stammt von der Initiative "Liebenswertes Kulmbach": ein Erlebnispfad zur Burg in Verbindung mit einem Bähnchen, ähnlich dem Veste-Express in Coburg, als Burgzubringer. Wie bewertet die Schlösserverwaltung den Vorschlag, so ein Bähnchen einzusetzen?

Präsident Schreiber macht deutlich, dass beide Elemente dieses Vorschlags unmittelbar den Grundbesitz der Schlösserverwaltung betreffen. Es stehe außer Frage, dass eine Wegebahn gerade für Familien mit Kindern die Auffahrt zur Burg als eigene Attraktion gestalten könne. Die Schlösserverwaltung sei in dieser Frage völlig offen, wenn die Stadt ein solches Verkehrsmittel einrichten wolle. Diese Auskunft lässt Interpretationsspielraum - zum Beispiel dahingehend, dass die Stadt bei einer Umsetzung des Vorschlags alleine für die Finanzierung sorgen müsste.

Was hält die Schlösserverwaltung von dem Vorschlag eines Erlebnispfades?

Auch hier klingt die Antwort zunächst positiv. Der Serpentinenweg, der teilweise parallel zur Fahrstraße verläuft, sei einer der schönsten Fußwege zur Burg. Für ein Gespräch über einen Erlebnispfad stehe man der Stadt gerne zur Verfügung. Allerdings mit einer Einschränkung: "Wie in all unseren historischen Anlagen versuchen wir auch hier, das Erlebnis der Situation vor Ort in den Vordergrund zu stellen und Beschilderungen nach Möglichkeit zu vermeiden", heißt es wörtlich in dem Schreiben. Spieleinrichtungen sehe man aus Gründen der Verkehrssicherung grundsätzlich als problematisch an. Präsident Schreiber: "Am geeignetsten erscheinen mir daher digitale Lösungen, die wir gerne gemeinsam entwickeln können." - Keine guten Aussichten also, einen solchen Erlebnispfad realisieren zu können.

Wie geht es jetzt weiter?

Grundsätzlich zeigt sich die Schlösserverwaltung bereit, den angestoßenen Dialog fortzusetzen. Wie hat die Stadt Kulmbach auf das Schreiben reagiert? "Auch wenn keine konkrete Zusage darin enthalten war, freut es mich, dass die Bayerische Schlösserverwaltung weiterhin daran interessiert ist, mit allen Verantwortlichen eine gute Lösung und innovative Ideen für eine Attraktivierung unserer Plassenburg zu erarbeiten", so Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok auf Anfrage. "Mir persönlich ist es ein großes Anliegen, dass wir nach wie vor mit der Schlösserverwaltung im Austausch bleiben und den Dialog mit allen Beteiligten und Ideengebern fortsetzen." Der erste Burggipfel habe gezeigt, dass diese Plattform eine gute Möglichkeit für weitere Überlegungen und ein Fundament für die künftige Zusammenarbeit sei.