Das Karussell dreht sich nicht. Auch die Kinder-Eisenbahn steht still. Die beiden Fahrgeschäfte sind nicht auf einer Kirchweih oder auf einem Jahrmarkt aufgestellt, sondern auf einem Abstellplatz geparkt. Und das schon seit Monaten. "Ich habe in diesem Jahr nicht einen Euro Umsatz gemacht", sagt Jürgen Wiesel aus Thurnau, einer der letzten Schausteller im Landkreis Kulmbach.

Wichtige Einnahmequelle

Wie Gastwirten und Hoteliers setzt die Corona-Krise auch den Schaustellen gehörig zu. "Wir sind erschüttert", hat der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbunds, Lorenz Kalb, in diesen Tagen erklärt, nachdem auch der Nürnberger Christkindlesmarkt abgesagt worden war. Weihnachts- und Adventsmärkte wären eine wichtige Einnahmequelle für die Schaustellerfamilien, die in diesem Jahr Riesenverluste geschrieben hätten. Der Verband hat einen Hilferuf gestartet, fordert von der Politik dringend Unterstützung.

Fixkosten bleiben

Denn die Fixkosten bleiben in der Krise bestehen, und sie sind auch für einen kleinen Schausteller-Betrieb eine enorme finanzielle Belastung, wie Jürgen Wiesel betont. Er beziffert seine Kosten auf monatlich 2500 Euro, "denn neben der Hallenmiete für Fahrgeschäfte und Buden muss ich beispielsweise ja auch meine Versicherungen weiter bedienen". Bei null Einnahmen ("Es wurde in diesem Jahr jede Kerwa, jeder Jahrmarkt abgesagt") sei das auf Dauer nicht zu leisten. Auch von seinen Festzelten ("Ich habe sechs mit einer Zeltfläche von insgesamt 4500 Quadratmetern") hat er 2020 noch kein einziges verliehen.

Karrussell: "Nicht zu stemmen"

Die Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft hat er fast aufgegeben. Dabei spielt er mit dem Gedanken, in der Adventszeit dem Abgebot der Stadt Kulmbach zu folgen, die Schaustellern und Budenbetreibern, in der Innenstadt verteilt, Standplätze anbietet. Ob er in Kulmbach vertreten sein wird, weiß er noch nicht, weil er fürchtet, dass er bei der Kundenfrequenz in der Innenstadt womöglich mehr Unkosten als Einnahmen hätte. Dabei würde ohnehin allenfalls der Süßwarenstand Gewinn abwerfen, sagt er: "Auf dem Karussell oder der Kindereisenbahn dürfte ich nämlich nicht alle Plätze belegen. Zudem müsste nach jeder Fahrt alles desinfiziert werden. Das ist für uns nicht zu stemmen"

Es muss bald weiter gehen

Die einzelnen Corona-Maßnahmen will er gar nicht kritisieren. Das Abstandhalten und das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes seien wichtig, um die zweite Welle einzudämmen doch wünscht sich der 57-Jährige sehnlichst, dass das Geschäft im Frühjahr wieder richtig anläuft. Ansonsten könnte es um seinen kleinen Schaustellerbetrieb nach 50 Jahren geschehen sein. "Wenn weiter nichts stattfindet, droht auch mir die Pleite."

Dass der Großteil der Schausteller schon gezwungen sei, die Reserven und Altersvorsorge aufzubrauchen, um sich über Wasser zu halten, hat der Deutsche Schaustellerbund erklärt und deutlich gemacht, dass die staatlichen Instrumente nicht ausreichten, um die Branche, die vor dem Ruin stehe, zu retten. "Wir sind die, die am längsten von der Krise betroffen sind. Das ist ein dringender Hilferuf", hat Verbandssprecher Jürgen Kalb erklärt.

Den Thurnauer trifft es doppelt

Jürgen Wiesel, der nicht auf großen Volksfesten, sondern auf Kerwas und Märkten vertreten ist, trifft die Pandemie übrigens doppelt. Denn der 57-Jährige ist nicht nur Schausteller, sondern auch Gastwirt, betreibt in Thurnau das "Café Bayer" am Marktplatz. Das musste er mit Inkrafttreten der verschärften Corona-Regeln am Montag wieder schließen. Nach der Zwangspause im Frühjahr fehlen ihm auch hier wieder wichtige Einnahmen. Niederschmetternd für den Geschäftsmann, der aber nicht aufgeben will: "Ich versuche wie alle Schausteller und Gastwirte, irgendwie über die Runden zu kommen."