"Wer spielt ein Instrument?" Zwei Finger gehen hoch; nach einer Stunde dann vier Finger auf die Frage von Benjamin Sebald, wer denn nun ein Instrument lernen will. Immerhin haben die Musiker von Rekkenze Brass einen kleinen nachhaltigen Erfolg. Die zwei neuen Finger wollen aber kein Blechblasinstrument lernen, sondern Flöte und Harfe. Damit können die fünf Blechbläser zwar nicht dienen, aber gut damit leben.

Sie wollen Interesse an Musik überhaupt wecken. Möglichst selbst gemachter Musik. Dazu reisen sie im Auftrag des Bezirks Oberfranken durch die Schulen mit sogenannten "3klang-Konzerten", wie gestern in den Schulen in Stadtsteinach und Presseck. Denn heutzutage wird zu Hause so gut wie nicht mehr musiziert. Dabei hat es eine Menge Vorteile, Musik selbst zu machen. Angefangen von strukturiertem Denken, Konzentration auf die Sache und auf das Umfeld bis hin zu mathematischem Verständnis. Und Musik macht Spass, den "Rekkenze" vortrefflich und subtil den Kindern vermittelt.

Dass man mit Instrumenten Gefühle darstellen kann, ohne ein Wort zu sagen, führen die Bläser vor. Aber auch, wie man normale menschliche Regungen nachahmen kann. Die kleine Piccolo-Trompete (Benjamin Sebald) kann lachen, die normale Trompete (Dominik Thoma) kann lustig sein, das Horn (Sebastian Krügel) kann rufen und auch sanft sein, die Posaune (Elisabeth Nußrainer) kann erschrecken und wie ein Elefant tuten, und die Tuba (Rainer Streit) kann drohen.

Musik ist eine eigene Sprache, die man hört aber nicht spricht. Und Musik ist auch Bewegung: Benjamin Sebald "spricht" mit den Kindern zu einem ungarischen Tanz von Brahms. Dazu wedeln er und die Kinder mit bunten Seidentüchern mal zur Seite, wenn die Musik schön und ruhig ist, auf und ab wenn es rhythmisch wird, in Schlangenlinien wenn sie ganz traurig ist. Sebald zieht dabei die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich, die seinen Grimassen folgen - von vor Freude strahlen bis zum ganz fürchterlich Heulen.

Und dann ist da noch der Rhythmus in der Musik. Auch darüber muss man kein Wort verlieren. Sebald macht es nur vor, und auf seine Zeichen hin klatschen die Kinder passend zur Musik, nicht stereotyp wie bei Schlagern, sondern wie ein richtiges Schlag-Instrument ganz exakt, wo geklatscht werden muss. Und sie "spielen" bei Duke Ellingtons C-Jam Blues wie alte Jazzer.

Ein paar Gags hat Rekkenze auch mitgebracht: Eine grüne Kunststoff-Posaune, auf der Rainer Streit prima die Froschpolka spielen kann; eine Hornmuschel, die so etwas wie die Urururgroßmutter der Blasinstrumente ist. Wie erzeugt man überhaupt einen Ton auf einem Blasinstrument? Das ist die letzte Übung. Wenn man nur die "Knöpfe" an der Trompete drückt, tut sich gar nichts, führt Benjamin Sebald vor; nur hineinblasen bringt bloß warme Luft. Man muss die Lippen zum Schwingen bringen und ans Instrument halten, ist das Geheimnis, das sechs Kinder gleich an roten Spezial-Posaunen üben konnten - natürlich zusammen mit dem kompletten Bläserquintett von Rekkenze Brass.

"Rekkenze" soll übrigens der alte slawische Name der Stadt Hof sein; damit weist das Bläserquintett auf das "Oberfränkische Staatsorchester", die Hofer Symphoniker, hin.