Das Regenrückhaltebecken in Hegnabrunn ist verlandet. Das hat Leser Peter Müller auf dem Plan gerufen. Der Bayreuther, der viele Jahre in einer Nachbargemeinde von Neuenmarkt wohnte, hat deshalb die Berichterstattung über die Hochwasser in den Jahren 2007 und 2014 aufmerksam verfolgt. Das die Gemeinde Neuenmarkt nun baulich etwas unternimmt, nennt Müller lobenswert, schränkt aber ein, dass dies aber schon nach 2007 hätte erfolgen müssen. Völlig unverständlich ist für ihn aber die Tatsache, dass ein sieben Jahre altes Regenüberlaufbecken verlandet ist. "Wurden denn in all den Jahren keine Reinigungsarbeiten durchgeführt", fragt Müller.
Sollte es richtig sein, dass die Aufnahmekapazität nur noch 30 Prozent beträgt, so wäre dies für den Bayreuther ein Skandal.

Das Becken, erklärt Karl Pöhlmann als stellvertretender Leiter der Gemeindewerke, dient dazu, das im Gewerbegebiot anfallende Niederschlagswasser kontrolliert in den Vorfluter Dritter Ordnung - den Gasgraben - abzuleiten. Es habe nichts mit Schmutzwasser zutun, dieses werde getrennt über den Schmutzwasserkanal "Neue Siedlung" abgeleitet.

2000 Liter pro Sekunde

Vom Regenrückhaltebecken fließen bis zu 2000 Liter pro Sekunde unter der Drosselungseinrichtung durch. "Wenn mehr Wasser kommt, wird dies im Becken zurückgehalten und dann eben nach und nach abgeleitet", so Pöhlmann. Auch wenn das Becken jetzt verlandet sei, bestehe keine Gefahr, gibt Pöhlmann Entwarnung. Denn das Problem ist eine völlig normale Zeiterscheinung, die bei allen Regenrückhaltebecken auftritt. Es ist frühzeitig erkannt und wird in diesem Jahr behoben.

Ingenieur Erich Hahn vom Büro IBP erklärt die Details vor Ort am Rückhaltebecken, das derzeit eher wie eine Wiese aussieht. Weil es nicht viel geregnet hat, ist es weitgehend trocken. Nur beim Durchlass hat sich eine kleine Pfütze gebildet.

Kosten: 50 000 Euro

"Das Regenrückhaltebecken hat ein Sollvolumen von 2200 Kubikmeter. Dieses ist auch nach wie vor vorhanden, denn es gibt immer etwas Spielraum nach oben", erklärt Hahn und zeigt auf die 35 Meter breite und 120 Meter lange Wiese vor dem Gewerbegebiet. Trotzdem wird das Becken jetzt für 50 000 Euro "entlandet". "Ja, das Regenrückhaltebecken ist im Durchschnitt um 20 Zentimeter angewachsen", erklärt Hahn der bestätigt, dass dies ein ganz normaler Vorgang ist. Denn in dem Becken wachste natürlich auch Gras und Gestrüpp, eben alles, was sich in einem Feuchtbiotop ansiedle.

Die Pflege eines solchen Regenrückhaltebeckens sei eigentlich ganz einfach, sagt Bauhofleiter Willi Lauterbach. "Einmal im Jahr mähen wir das Gras und schneiden die Binsen raus. Das Mähgut bleibt im Becken liegen und führt im Lauf der Zeit dazu, dass das Becken "anwächst". "Wir haben Stellen, da ist es 40 Zentimeter angewachsen, in anderen Bereichen gar nicht", erklärt Hahn. "Dass nur noch eine Kapazität von 30 Prozent gegeben sein soll, ist nicht richtig", gibt der Planer Entwarnung.

Trotzdem wird die "Entlandung" eine ziemlich spektakuläre Aktion. Sie ist nur in Trockenzeiten durchführbar, und wegen der Größe des Beckens kann nicht einfach ausgebaggert werden. "Die Lastwagen können nicht hineinfahren, da müssten wir ja eine Zufahrt bauen", erklärt Ingenieur Hahn. Deshalb wird ein Bagger den Aushub von hinten nach vorne befördern, der dann bei den Schienen per Lkw abtransportiert wird. "Dass das Erdreich mehrfach angefasst werden muss, macht die Maßnahme natürlich teuerer", erläutert Karl Pöhlmann.
Für die "Entlandung" sind im Sommer zwei Wochen veranschlagt. "Wir werden rund 1000 Kubikmeter Erde herausnehmen", schätzt Erich Hahn.

Grundsee wird angelegt

Wie Pöhlmann noch anmerkte, wird das Becken im Zuge dieser Maßnahme noch zusätzlich ertüchtigt. Denn im hinteren Bereich beim Gewerbegebiet, soll ein so genannter Grundsee angelegt werden. "Dieser liegt etwa einen halben Meter tiefer als der Abfluss. Darin wird das Wasser behandelt, es kann sich Schmutz absetzen." Der See werde eine Fläche von 800 Quadratmetern haben. "Dadurch verhindern wir, dass Schwebstoffe in die Gewässer gelangen", so Pöhlmann.

"Mehr kann man nicht machen"

Auch für die Zukunft wird sich an der "Pflege" es Regenrückhaltebeckens nicht viel ändern. Der Bauhof mäht ein Mal im Jahr. "Mehr kann man eigentlich auch nicht machen", betont Willi Lauterbach.