Dem Kulmbacher Schauhaufen bringen Scherben Glück! Zwar ist "der Krug hie", aber mit der Neuauflage des beliebten Lustspiels "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist in fränkischer Fassung von Rüdiger Baumann überzeugten Darsteller und Regie das begeisterte Premierenpublikum im Theater "Das Baumann" gleichermaßen. Christian Schidlowsky, der auch bereits in der Adaption vor sieben Jahren Regie führte, überraschte mit vielen neuen Ideen und einer pointierten Situationskomik. Drei intensive Probenwochenenden durchlief das Schauspielensemble mit dem Regisseur, "es war anstrengend, aber Christian Schidlowsky setzte in uns große Energien frei", fand Birgit Baumann, die die hörige Hausangestellte des durchtriebenen Dorfrichters Adam (Frank "Frecko" Schott) mimte. "Es war ein echt tolles Gefühl, endlich einmal wieder Zuschauer zu haben", sagte sie, und Frecko ergänzte: "Endlich! Man probt und arbeitet vor sich hin, aber das Publikum ist der i-Tupf eines jeden Künstlers."

Die Leidenschaft und die Freude merkte man den Darstellern auf der Bühne auch an. Mit großem Einsatz bespielten sie Bühne und Zuschauerraum und überzeugten durch absolute Textsicherheit und charmantes Schauspiel. Der samstägliche Premierenabend war ein voller Erfolg, und es wurde nichts geschont - weder die Requisiten noch die Lachmuskeln der Zuschauer. "Einfach großartig", fand auch der Regisseur selbst, den sein Ensemble mit der einen oder anderen Pointe noch überraschte. Denn das hatte auch ohne ihn unter der Leitung der Regieassistentin Doris Stein die ganze Woche vor der Premiere fleißig weiter geprobt.

Wie bereits vor sieben Jahren sind die Darsteller auffällig geschminkt, mit weiß bemalten Gesichtern, fetten schwarzen Strichen im Gesicht, doch warum? "Die Theater-Lupe vergrößert oder verzerrt die Realität auf unnatürliche Weise und zeigt gerade deshalb einen tieferen Einblick in unser Leben", erklärte Christian Schidlowsky. Bühne, Kostüme und Maske seien reduziert auf die Farben schwarz/weiß/grau mit wenigen roten Akzenten. "Durch diese Verdichtung entsteht eine künstlerische Einheit, die das merkwürdige Verhalten der Figuren in ihrer künstlichen Welt völlig natürlich erscheinen lässt."

Das Ensemble trägt dabei seine "Maske" wie selbstverständlich, und man bekommt schon nach kurzer Zeit den Eindruck, dass es eigentlich gar nicht anders gehört. Mit "Der Krug is hie" ist dem Schauhaufen eine gelungene Neuauflage eines Lustspiels geglückt, das nach Ansicht des Theaterleiters Rüdiger Baumann vor sieben Jahren ohnehin viel zu wenig gespielt worden sei. "Die Qualität des Stückes hat danach verlangt." Und damit hat er vollkommen recht.

Weitere Termine

Für fast alle Vorstellungen sind entweder unter www.das-baumann.de oder über die Vorverkaufsstelle Sintenis Deko & Schenken in der Blaicher Str. 25 sowie telefonisch unter 09221/933 93 noch Tickets erhältlich.