Der neue Leitende Arzt am Institut für Pathologie am Klinikum Kulmbach heißt Professor Andreas Gschwendtner. Der 55-Jährige gilt als international renommierter Spezialist für Lungenerkrankungen.
Die Pathologie sei heute die zentrale diagnostische Leistung in der Onkologie, so Andreas Gschwendtner. Im Zeitalter der zielgerichteten, individuellen Therapie rücke dieses Fach immer näher direkt ans Krankenbett. Während die Pathologie früher ein eher verstecktes Fach war, werde sie heute viel mehr als eine klinische Abteilung von großer Bedeutung gesehen.

"Wir entscheiden mit, wenn es um die Therapie geht. Deswegen sollte jeder Patient wissen, wer sich um ihn kümmert." Der 55-jährige Facharzt für Pathologie und Zytodiagnostik übernimmt am 1. Juli seinen neuen Posten am Klinikum. Er bringt nicht nur Wissen aus dem gesamten Spektrum seines Fachgebiets mit nach Kulmbach, sondern auch seine umfangreiche Erfahrung im Bereich der Lungenerkrankungen.


"Wir steuern die Therapie"


Professor Gschwendtner bedauert, dass auch heute noch viele Menschen nicht um die Bedeutung der Pathologie wissen. Die Pathologen seien regelmäßig in allen Tumorkonferenzen vertreten. Das sei unverzichtbar. "Letztlich steuern wir die Therapie, weil wir die Befunde interpretieren." Die Diagnose habe bedeutende Konsequenzen. Das müsse der Pathologe für den Kliniker fassbar machen, damit die richtige Therapie gefunden werden kann. "Die moderne Onkologie ist ohne die Pathologie nicht möglich."

Lange Zeit war Gschwendtner an der Uniklinik in Innsbruck tätig, eine der drei großen österreichischen Kliniken mit einem Lungentransplantationsprogramm. In Wien hat er seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Lungendiagnostik erworben.

Mit dem Transplantationszentrum in Innsbruck wird Gschwendtner verbunden bleiben. Aus Tirol werden künftig mithilfe der Telemedizin Biopsie-Befunde zur Kontrolldiagnostik nach Kulmbach geschickt. Moderne Technik macht es möglich, dass nicht mehr die physischen Proben für die Befundung benötigt werden.


Diagnose aus der Ferne


"Unser Fach hat sich sehr modernisiert. Präparate werden heute mit digitalen Mikroskopen gescannt, die telepathologischen Schnitte können dann in kürzester Zeit über das Internet versendet und bearbeitet werden. Die digitalen Bilder kommen in allerhöchster Auflösung. So können wir auch aus der Ferne den Fall mikroskopieren."

Seit vielen Jahren lebt Gschwendtner in Franken. Seine Frau ist Pneumologin, hat in Nürnberg eine Praxis. In Oberfranken fühlt er sich besonders wohl. Mehr als zehn Jahre hat er als leitender Pathologe am Klinikum Coburg gearbeitet. Auch dem Klinikum Kulmbach ist er bereits seit Jahren verbunden. Das Haus hat er über den Leitenden Arzt der Pneumologie, Joseph Alhanna, kennengelernt. Für die Kulmbacher Lungenspezialisten war Gschwendtner schon in der Vergangenheit als Konsiliararzt im Bereich der Lungendiagnostik tätig. "Als ich gehört habe, dass in Kulmbach ein neuer Institutsleiter gesucht wird, habe ich gern die Chance ergriffen", sagt Gschwendtner.


Große Nachwuchssorgen


Etwa 2000 Pathologen gibt es in Deutschland, in Österreich sind es sogar nur rund 200, sagt Gschwendtner. Das Nachwuchsproblem in diesem Fachbereich macht dem Mediziner Sorgen. "Die Pathologie ist ein Fach, das man sich nicht so einfach aneignet. Nach dem Medizinstudium ist man extrem gut ausgebildet, jemanden zu versorgen, mit Menschen umzugehen, Notfälle zu beherrschen. Wer sich für die Pathologie entscheidet, braucht all das nicht mehr. Man fängt wieder ganz von vorne an. Das Medizinstudium ist dann nur der Anfang von allem." Als Pathologe braucht man ein ganz anderes Repertoire."

Auch die Pathologie am Klinikum Kulmbach arbeite schon lang mit benachbarten Kliniken und niedergelassenen Ärzten im Bereich der Diagnostik zusammen In Spezialfällen gebe es auch Kooperationen mit überregionalem Einzug.


Neuer wichtiger Baustein


Landrat Klaus Peter Söllner, Vorsitzender des Zweckverbands Klinikum Kulmbach, betont, mit der Anstellung von Professor Gschwendtner sei es gelungen, die bereits sehr erfolgreich arbeitende Klinik für Pneumologie und das neu gegründete Thoraxzentrum durch einen sehr wichtigen Baustein zu ergänzen. Das Klinikum habe sich bereits auf dem Gebiet der Lungenheilkunde einen guten Namen auch außerhalb Kulmbachs geschaffen.

Oberbürgermeister Henry Schramm, stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands, spricht von einem weiteren wichtigen Meilenstein, das Klinikum zukunftsfähig aufzustellen. Und auch Geschäftsführerin Brigitte Angermann freut sich: "Professor Gschwendtner deckt nicht nur das gesamte Spektrum der Pathologie ab, sondern bietet mit seinem Spezialwissen im Bereich der Lungenerkrankungen ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Oberfranken."