Mit mehr als 140 Stundenkilometern Windstärke und heftigen Regenfällen ist gestern das Orkantief "Niklas" über die Region gezogen. Vereinzelt hat der Sturm heftig gewütet. Der Landkreis und insbesondere das Stadtgebiet von Kulmbach kamen glücklicherweise glimpflich davon. "Die Feuerwehren hatten einige umgefallene Bäume zu beseitigen, mehr nicht", zog Benno Pieger von der Feuerwehr in Kulmbach gestern Nachmittag eine erste Bilanz und hofft, dass auch die Nacht ruhig bleibt. Ein besonders mächtiges Exemplar fiel in der Nähe des Schwedenstegs in Kulmbach am Mainufer.

Äste auf den Straßen

Auch der Kreisbauhof zieht, wenn auch erkennbar vorsichtig, eine positive Bilanz. "Der Orkan hat im ganzen Landkreis gewütet, aber es ist nichts Schlimmeres passiert", sagt Eckhard Schrepfer. In Leesau ist ein Baum auf die Straße gestürzt.
In Triebenreuth bei Stadtsteinach rückte die Feuerwehr aus, sägte ebenfalls Wege frei. "Äste sind eigentlich überall auf den Straßen zu finden. Wir sorgen jetzt nur dafür, dass man fahren kann", sagt Eckhard Schrepfer. "Nur eine Baustelle bei Dörfles ist uns total abgesoffen."
Auch Edwin Lindner vom Bauhof in Stadtsteinach spricht von Problemen mit dem Wasser: "Wir mussten zwischen Ziegelhütte und Skaterbahn die Straße sperren, denn sie ist überflutet", erklärt Lindner und bindet mit doppelten Kabelbindern das Schild extrafest. Vorsichtshalber: Allzu leicht weht der Sturm die Absperrungen um.
Bei der Polizei trafen Meldungen über umgestürzte Bäume und daraus resultierende Verkehrsbehinderungen mit schöner Regelmäßigkeit ein. Die Polizeiinspektion Kulmbach registrierte unter anderem gefallene Bäume in Kulmbach-Weiher und in Buchau.
Bei der Polizeiinspektion Stadtsteinach kamen die Meldungen aus dem gesamten Oberland. Unter anderem blockierte ein Baum die Bahnschienen an der Schiefen Ebene. Personen kamen bei all diesen Vorfällen glücklicherweise nicht zu Schaden.
In Geduld üben mussten sich gestern Bahnreisende. Die DB Regio Nordostbayern stellte den Zugbetrieb ein. Die Züge fuhren den nächsten Knotenbahnhof an - in unserer Region Neuenmarkt-Wirsberg und Lichtenfels.

Gefahr auf der Burg

Für Behinderungen sorgte Orkan "Niklas" auch auf der Plassenburg in Kulmbach: Weil dort ein Teil des Gerüstes, mit dem derzeit der Wachturm eingerüstet ist, lose war, wurde der Aufgang vom Kasernenhof zum Rondell komplett gesperrt. Die Museen blieben ab dem frühen Nachmittag zu.
Wirklich schlimm getroffen hat es hingegen hat es die Wildtierauffangstation in Stadtsteinach. "Am Vormittag ist uns eine Stahlvoliere weggerissen worden", klagt Sabine Witt, die Leiterin der Station. In der riesigen Voliere, waren in vier Abteilungen 18 Tiere untergebracht. Die gesamte Voliere ist regelrecht aus der Verankerung gerissen worden. "Ich kann mir das gar nicht erklären, denn die Blumentöpfe, die Tonne - alles ist stehen geblieben. Vielleicht war es eine Windhose", mutmaßt Witt. Besonders schlimm, so die Tierschützerin, ist, dass ihre Lieblingselster namens "Bürzel" umgekommen ist, die pfeifen und "Wau-wau" sagen konnte.
Ein Kiebitz, der in der Voliere untergebracht war, ist entkommen. "Der Kiebitz hat überhaupt keine Überlebens-Chance, denn wegen eines Schlüsselbeinbruchs ist er stark flugbehindert", erklärt Witt.
Ebenfalls in der Voliere waren drei Türkentauben. "Eine fliegt Menschen auf den Kopf, ist aber sonst harmlos", kennt Witt deren Eigenart. Außerdem befanden sich in der Voliere zwei Stadttauben, eine behinderte Elster, ein Eichelhäher, eine zahme Dohle und eine flugunfähige Amsel. Aktuell werden alle Vögel und Wildtiere im Haus versorgt. "Wir haben die anderen Volieren während des Sturmes evakuiert. Und wir haben einen absoluten Aufnahmestopp."