Die Nachrichten der letzten Tage sind besorgniserregend. Nicht nur die Sieben-Tage-Inzidenzen steigen unaufhaltsam, auch die Kapazitäten in den Krankenhäusern werden knapp. Die Bundeswehr fliegt bereits seit vergangener Woche Covid-19-Patienten aus Bayern in andere Bundesländer. Wie ist die aktuelle Lage am Klinikum Kulmbach? Was passiert, wenn dort alle Intensivbetten belegt sind?

Die Lage ist dramatisch

Zuständig für die Krankenhaus-Notfallstrategie ist nicht der Corona-Krisenstab am Landratsamt. Dafür muss in größeren Einheiten gedacht und geplant werden - auf der Ebene des Regierungsbezirks. Die Lage sei dramatisch und auch in den Krankenhäusern Oberfrankens deutlich spürbar, heißt es seitens der Regierung von Oberfranken.

Aus diesem Grund hat sie die Covid-19-Schwerpunktkrankenhäuser aller oberfränkischen Rettungszweckverbände verpflichtet, ab 1. Dezember sämtliche unter medizinischen Aspekten aufschiebbaren stationären Behandlungen zu unterlassen. Die stationären Kapazitäten müssen reserviert werden für Covid-19- und Notfallpatienten sowie für Patienten, deren Behandlung nicht verschoben werden kann.

Die Anordnung stützt sich auf den Notfallplan zur Corona-Pandemie (Allgemeinverfügung zur Bewältigung erheblicher Patientenzahlen in Krankenhäusern vom 11. November). Schwerpunktkrankenhäuser des Rettungszweckverbands Bayreuth-Kulmbach sind das Klinikum Bayreuth, die Klinik Hohe Warte Bayreuth, das Klinikum Kulmbach und die Sana Klinik Pegnitz.

Die Verpflichtung, aufschiebbare stationäre Behandlungen vorübergehend zu unterlassen, betrifft orthopädische Eingriffe wie Knie- oder Hüftoperationen bei Gelenkverschleiß, nicht aber zeitkritische Operationen wie Herz- oder Tumor-Operationen, erläutert Sabine Kerner, Pressesprecherin der Regierung von Oberfranken. Über die medizinische Dringlichkeit entscheiden die behandelnden Ärzte.

Am Klinikum Kulmbach sei die Situation trotz der dramatischen Entwicklung in vielen Regionen Bayerns noch gut beherrschbar, sagt Brigitte Angermann. "Wir haben momentan noch sechs Intensivbetten frei. Aktuell ist kein Überlaufen unserer Kapazitäten zu befürchten."

150 normale Betten bleiben leer

Dass das so ist, ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass in Kulmbach bereits seit 10. November praktiziert wird, was ab Mittwoch für alle Schwerpunktkrankenhäuser Pflicht ist. "Als die Covid-19-Fallzahlen explodiert sind, haben wir da aus eigenem Antrieb die nötigen Schritte gemacht. Es war klar, dass wir mehr Kapazitäten für diese Patienten brauchen werden und Prioritäten setzen müssen." Für die Corona-Station wurde deshalb aus dem gesamten Haus Personal zusammengezogen, dafür in anderen Bereichen nach und nach die Belegung reduziert. Aktuell sind 150 normale Pflegebetten leer.

Im Intensivbereich wurde parallel dazu die Zahl der vorhandenen Betten nochmals um zwei auf 27 aufgestockt. "Weil wir die Operationen reduziert haben, steht Anästhesie-Personal zur Verfügung, mit dem wir diese Intensivbetten betreiben können." Die Klinikums-Geschäftsführerin vertraut darauf, dass die überregionale Zusammenarbeit der Krankenhäuser genauso gut funktioniert wie bei der letzten Welle. "Wir unterstützen uns gegenseitig."

Mit Sorge verfolgt auch Brigitte Angermann die Nachrichten über die neue Omikron-Virusvariante. "Man weiß noch zu wenig, um einschätzen zu können, wie gefährlich das wird. Aber es ist jetzt umso wichtiger, vorsichtig zu sein. Ich hoffe sehr, dass die Beschränkungen greifen und sich die Situation nicht weiter verschlimmert."

Zusätzlich zu den Schwerpunktkrankenhäusern wurden auch die Klinik Neustadt bei Coburg und das Bezirksklinikum Obermain ab 1. Dezember auf der Grundlage der Allgemeinverfügung verpflichtet, Kapazitäten zur Aufnahme von Covid-19-Patienten bereit zu halten. Die Klinik Neustadt bei Coburg hat für diesen Zweck mindestens acht Betten und das Bezirksklinikum Obermain mindestens 20 Betten bereitzustellen. Die Anordnungen gelten zunächst bis einschließlich 10. Januar 2022, teilt die Regierung von Oberfranken mit.

Aufruf zum Impfen

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz äußert sich besorgt über die aktuelle Entwicklung: "Das Personal in den Kliniken arbeitet an der Belastungsgrenze. Allen ist bewusst, dass die Absage oder Verschiebung von Behandlungen für viele Patienten eine weitere Bürde darstellt. Die sich zuspitzende Lage in unseren Krankenhäusern erfordert jedoch ein entschiedenes Handeln."

Piwernetz appelliert an alle Bürger, sich und andere so gut wie möglich zu schützen und sich impfen beziehungsweise boostern zu lassen.