Der Veterinär des Landkreises Kulmbach hatte in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun. Mehr als 90 Hobby- und professionell betriebene Geflügelhaltungen und professionelle Tierhaltungen hat er mit seinen Kollegen besucht. "Wir haben auch Enten- und Wassergeflügelhaltungen beprobt", erklärt Andreas Koller. Doch weitere Ausbrüche des H5N8-Virus konnten nicht festgestellt werden.

Sperrbezirk wird aufgehoben

Es blieb damit bei dem einem Vogelgrippen-Fall in Waldau, der die Behörden im März auf den Plan gerufen hatte. "Das Geflügel des betroffenen Seuchenbestands, das nicht schon verendet war, wurde getötet, die Grobreinigung und Vordesinfektion inzwischen amtlich abgenommen", sagt Koller.

Per Allgemeinverfügung wurde der Umkreis von drei Kilometern zur betroffenen Haltung zum Sperrgebiet erklärt, der Umkreis von zehn Kilometern galt als Beobachtungsgebiet.

Für den gesamten Landkreis besteht zudem eine Aufstallpflicht. Und diese bleibt - aus Sicherheitsgründen - auch weiterhin bestehen. "Der Sperrbezirk und das Beobachtungsgebiet werden am Montag aufgehoben, aber die erhöhten Biosicherheitsmaßnahmen für kleine Geflügelhaltungen bis 1000 Stück, die am 1. Februar angeordnet wurden, bleiben bestehen", sagt der Veterinär. Er betont, dass die Aufstallpflicht nur vom Friedrich-Loeffler-Institut und vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit aufgehoben werden kann. Doch dies könne noch dauern. Denn das nationale Referenzlabor hat das Virus auch bei einer toten Kanadagans am Oberaufhof nachgewiesen sowie bei einem Schwan in Thurnau. Noch immer ist also Vorsicht angebracht.

Kreativität gefragt

"Es dürfen auch weiterhin keine Geflügelmärkte stattfinden, keine Ausstellungen. Wir müssen einfach abwarten", erklärt Veterinär Andreas Koller.

Besonders betroffen vom Aufstallgebot sind auch all diejenigen Geflügelhaltungen, die ein Hühnermobil im Einsatz haben. Denn normalerweise picken die Hühner hier frei auf Wiesen. "Aber die Besitzer haben kreative Lösungen gefunden", sagt Koller.

Einer dieser Kreativen ist Daniel Kaßel aus Windischenhaig. Er hat 450 Hühner, die Bio-Eier legen. "In den ersten Tagen waren die Verbraucher schon verunsichert. Man hat einen Absatzeinbruch gemerkt", sagt Kaßel. Doch die Familie habe kurzfristig eine Eier-Packstation eingerichtet. In diesem Fall dürfen die Eier weiterhin selbst vermarktet werden. Sie werden gestempelt und über das Eierhäusle der Kaßels in Windischenhaig verkauft. "Wir hatten den Stempel schon und waren gut gerüstet. Es ist natürlich ein Mehraufwand. Aber Ostern griffen die Verbraucher trotzdem zu den Eiern", zieht Kaßel eine Bilanz. Nach Ostern komme ohnehin die etwas ruhigere Zeit.

Strohballen und Abdeckplane

Vor das Hühnermobil hat Kaßel mit Strohballen und einer Abdeckplane eine kleine Voliere gebaut. Auch seitlich ist die Fläche geschützt, so dass keine Wildvögel mit den Hühnern in Berührung kommen können. Auch die anderen professionellen Eier-Erzeuger im Kreis konnten ihre Eier weiter über Packstellen vermarkten.

Andreas Koller schätzt die Gefahr, dass die Vogelgrippe auf den Menschen überspringt, als gering ein. "Wichtig ist aber, dass strenge Hygienemaßnahmen eingehalten werden." So soll man verendete Wildvögel nicht anfassen, sondern das Veterinäramt (Telefon 09221/707707) verständigen. Geflügelhalter sollten zudem darauf achten, dass auch Futter- und Einstreulager nicht für Wildvögel erreichbar sind. Zudem sollten die Tränken nur mit Leitungswasser befüllt werden.

Die Symptome

Die Geflügelpest äußert sich bei Hühnern in Leistungsabfall, Apathie, Atemnot, Schwellungen der Kopfregion, Durchfall und einer erhöhten Sterblichkeit. Infizierte Wasservögel zeigen häufig keinerlei Anzeichen, übertragen die Krankheit aber auf andere Geflügelarten.