Die Bürgerinitiative Neuensorg lässt im Kampf um eine Erdverkabelung für den Streckenabschnitt zwischen Traindorf und Neuensorg nicht locker. Jetzt brachten die Mitglieder eine Petition an den Bayerischen Landtag auf den Weg, und auch Landtagsvizepräsidentin Inge Aures hat sich in einem Schreiben an Ministerpräsident Horst Seehofer gewandt. Darin macht sich die SPD-Politikerin für eine Erdverkabelung in diesem Bereich stark.


Unterstützung durch MdL Inge Aures


Inge Aures bittet den Ministerpräsidenten, dass im Zuge der Ertüchtigung des Vorhabens "Ostbayernring - Ersatzneubau 380 kV-Leitung Redwitz-Schwandorf" zwischen Traindorf und Neuensorg keine neuen Monstertrassen entstehen. "Ich habe mich bereits mit Schreiben vom 26.
Februar 2016 an Frau Staatsministerin Ilse Aigner mit der Bitte gewandt, dass ihr Ministerium alle notwendigen Schritte unternimmt, damit die Teilstrecke im Bereich von Neuensorg als Pilotvorhaben für eine Erdverkabelung in den Bundesbedarfsplan aufgenommen wird", so die Vizepräsidentin.

Horst Seehofer habe sich ja bereits bei der gesamten Diskussion um den Neubau der Gleichstromtrasse Süd-Ost massiv dafür eingesetzt, dass die Bürger von Monstertrassen verschont werden und an den kritischen Punkten durchwegs die Erdverkabelung zum Tragen kommt. "Ich bitte Sie eindringlich, sich auch für die Interessen der Bürgerinitiative Neuensorg stark zu machen", so die Kulmbacher Landtagsabgeordnete.


"Warum ist das ein Problem?"


Mit einem weiteren Schreiben vom 20. September 2016 hat die Neuensorger Bürgerinitiative ihre Petetion an den Bayerischen Landtag abgesandt. Fritz Ruppert tritt dabei als Vertreter der Initiative auf. Zur Frage, was die Bürger mit ihrer Eingabe erreichen wollen, wird festgestellt: "Warum ist in Bayern keine Erdverkabelung (Pilotprojekt) möglich? Die Erdverkabelung auf diesem Streckenabschnitt hat eine Länge von drei Kilometern, und die Nähe zu bestehenden Häusern beträgt nur 60 Meter. In anderen Bundesländern, zum Beispiel in Niedersachsen im Wahlkreis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, war dies kein Problem, warum ist es ein Problem bei uns?"


Frankenwald wird verschandelt


Die Beschwerde richtet sich konkret gegen den Netzbetreiber Tennet und gegen die Planungsbehörde. Weiter heißt es in der Petition: "Die Politiker entscheiden, was gemacht wird. Von der Firma Tennet wurde uns das mehrmals bestätigt. Die Firma Tennet macht, was Sie ihr vorgeben."

In der weiteren Begründung führt die Bürgerinitiative an, dass die Immobilienpreise an der Trasse in den Keller gehen werden. Es trete eine Vermögensentwertung ein, das letzte Standbein des Fremdenverkehrs im Frankenwald werde zerstört. Aufgeführt werden weiter die Abwanderung mittelständischer Betriebe in den vergangenen Jahren ins Ausland, die negative demografische Entwicklung, der fehlende Anreiz für Rückkehrer und Neuansiedler sowie die befürchtete gesundheitliche Schädigung, und nicht zuletzt die "Verschandelung des Frankenwaldes".

140 Meter für eine Monstertrasse anstatt 20 Meter für die Erdverkabelung würden die Waldbauern gravierend schädigen. Das Vorkommen von Schwarzstorch, Fledermaus, Milan und Fischadler werde überhaupt nicht berücksichtigt. "Die Lebensqualität unserer Heimat wird dramatisch und dauerhaft durch sinnlose Monstertrassen vernichtet."


Provokante Frage


Der Frankenwald habe seine Energiewendeleistungen durch Photovoltaik und Windkraft mehr als erfüllt. Nur zum Durchleiten von schmutzigem Braunkohlenstrom stehe die Region um Neuensorg nicht zur Verfügung.
Am Ende der Petition folgte eine provokante Frage: "Unser Ministerpräsident Horst Seehofer versprach keine Monstertrassen in Bayern. Gehört der Frankenwald nicht zu Bayern?" Die Bürger würden die Politik und letztlich auch die Erdverkabelung bezahlen. Deutschland lebe in erster Linie von der Technologie, die Firma Tennet könnte Weltmarktführer in Sachen Erdverkabelung werden. "Warum haben Sie dann damit ein Problem?"

Schließlich weist die Bürgerinitiative noch darauf hin, dass die zweite Demo am 15. Oktober stattfinden wird. "Unsere Kinder und Enkel werden uns in 20 Jahren fragen, warum wir den Bau einer solchen Monstertrasse zugelassen haben." Mit dem Hinweis auf die Einwände gegen das Raumordnungsverfahren 2015 mit rund 600 Unterschriften schließt die Petition.