Ein Häuschen im Grünen, weitab von Lärm und Hektik - für viele ist das ein Lebenstraum. Ein Traum, den die Gemeinde Neudrossenfeld ermöglichen möchte. Sie plant zwei Neubaugebiete, eines davon - 70 000 Quadratmeter groß - beim Ortsteil Dreschenau, idyllisch gelegen zwischen Landschaftsschutzgebieten. Potenzielle Bauherren mag das freuen, doch es regt sich Widerstand. Bei Landwirten, Jagdpächter und Bürgern.

Unterschriftensammlung

Die Gegner machen mobil, sammeln Unterschriften, damit die Kommune wieder von ihren Vorstellungen abrückt. Ein eigenständiges Dorf entstehe, abgeschnitten auf der grünen Wiese. 200 Unterschriften hatten sie innerhalb weniger Stunden zusammen, erzählen sie. Zwischen 300 und 500 sollen es werden, ist ihre Hoffnung.
Die Unterschriften würden für ein Bürgerbegehren reichen.

Landwirt Egon Dörfler aus Dreschenau, der Flächen in dem Gebiet bewirtschaftet, erklärt den Widerstand aus Sicht des Bauern. Wenn in der Nachbarschaft zu den Feldern gebaut werde, dann werde es Klagen über den Lärm und Staub durch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge ebenso geben wie über Geruch beim Ausbringen von Gülle. "Da ist Ärger programmiert." Sein Berufskollege Kurt Hacker beklagt zudem den Flächenverlust. "Das ist schon fast existenzbedrohend."

Für Jagdpächter Herbert Ponater würde das Baugebiet eine vollständige Teilung seines Reviers bedeuten. "Rehe, Hasen und Fasane werden das Gebiet weiträumig meiden." Die Jagd werde dann in seinem Revier nicht mehr möglich sein.

Und da sind dann noch Bürger wie Anja Schwarz und Sven Partenfelder. Die befürchten nicht nur wesentlich mehr Verkehr - erst durch schwere Baufahrzeuge, dann bis zu 700 Fahrten täglich durch die neuen Bewohner - sondern auch den Verlust des letzten wirklich unverbauten Erholungsgebiets in der Gemeinde.

Und sie sind der Ansicht, dass der Kanal in der Dreschenauer Straße/Bergmühlstraße viel zu klein für ein zusätzliches Baugebiet ausgelegt ist. Dabei sind die Kritiker nicht prinzipiell gegen ein neues Baugebiet, in ihren Augen sollten aber vorrangig Baulücken geschlossen und das Baugebiet Jurablick Richtung Waldau vorangetrieben werden.

Nur belächelt?

Ihre Bedenken und Vorschläge hätten sie schon in der Gemeinde vorgebracht, erzählt Klaus Tauer. "Aber man hat das Gefühl, dass man nur belächelt und nicht ernst genommen wird", sagt der Neudrossenfelder.

Dass es bei solchen Projekten auch Leute gibt, die nicht begeistert sind, ist für Bürgermeister Harald Hübner (CSU) nachvollziehbar. Es werde immer Kritik geben, dass der Verkehr steigt, dass Flächen verbraucht werden. "Wir wollen die Bedenken hören. Deshalb machen wir ja eine Öffentlichkeitsbeteiligung." Die Beiträge gelte es abzuwägen und berechtigte Bemerkungen im Flächennutzungsplan einzuarbeiten. Das Ziel sei es, die Belastungen so gering wie möglich zu halten.

"Von der Größenordnung verträgt Neudrossenfeld so ein Baugebiet", ist er anders als die Gegner überzeugt. Es seien Interessenten da, deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne.

Erschließung muss sich lohnen

Kritik an der Dimension, daran, dass regelrecht ein neuer Ortsteil aus dem Boden gestampft werden soll, kann Hübner nicht nachvollziehen. "Das Gelände ist nicht größer als das Baugebiet Kantnersleite oder Lerchenfeld." Und eine Erschließung lohne sich nicht für ein paar wenige Häuser.

Zudem betont Hübner, dass das Baugebiet auf konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen entstehen soll, nicht in einem Landschaftsschutzgebiet. Diese Gebiete würden sich über und unterhalb des Baugebiets befinden.

Neben der Nähe zum Hauptort - es sind nur rund 500 Meter bis zur Schule - sei es gerade die idyllische Lage, die für eine Ausweisung des Baugebiets spreche. "Man möge uns verzeihen, dass wir eine schöne und keine hässliche Gegend dafür ausgewählt haben", sagt der Bürgermeister. Zielgruppe seien junge Familien, deshalb seien auch kleine und erschwingliche Einheiten vorgesehen.

"Für uns muss die weitere Entwicklung der Gemeinde im Vordergrund stehen. Wenn wir nichts anbieten, obwohl wir ein attraktiver Standort zwischen Bayreuth und Kulmbach sind, machen wir etwas falsch", lautet sein Credo.
Der Gemeinderat wird sich in einer der nächsten Sitzungen mit dem Thema befassen.

Landratsamt wird gehört

Im Zuge des Verfahrens wird auch das Landratsamt (Sachgebiet Bauordnung) gehört. Wie Andreas Schülein von der Behörde erklärte, liege ihm bislang aber noch nichts von der Gemeinde vor.
Wenn sich das ändert, werde das Landratsamt natürlich prüfen, ob das Baugebiet dort verträglich und mit den Zielen der Landesplanung vereinbar ist. Auch der Naturschutz und die Regierung würden sich entsprechend dazu äußern.