Ein Kräutergarten ist zum einen eine grüne Apotheke, zum anderen eine kulinarische Spielwiese. Die Verwendungsmöglichkeiten der Blätter, Blüten, Samen, Früchte und Wurzeln sind unglaublich vielfältig - wenn man die Pflanzen und ihre Inhaltsstoffe kennt.

Im Traumgarten-Blog gibt es deshalb ab sofort eine neue Rubrik, in der wir jede Woche eine andere Heil- oder Gewürzpflanze vorstellen, jeweils mit Abbildung, Steckbrief, Wissenswertem über die wichtigsten Inhaltsstoffe und Tipps für die Verwendung in Küche und Hausapotheke.

Los geht's heute mit dem Holunder, der gerade überall in voller Blüte steht. Die Dolden als Küchla ausgebacken sind eine beliebte Spezialität, aber die duftenden Blüten haben noch mehr drauf: Als Sirup, Gelee oder Hollersekt verführen sie Genießer, als Tee werden sie für Schwitzkuren bei Fieber und Erkältungen eingesetzt.


Der schwarze Holunder (Sambucus nigra) hatte früher eine mythologische Bedeutung. So glaubten die Germanen, dass im Hollerstrauch die Schutzgöttin Holda wohnte. Sie pflanzten den Strauch vor Häuser und Scheunen, um sich vor bösem Zauber zu schützen.

Auch Heilpflanze ist der Holunder schon lange bekannt. Der griechische Arzt Hippokrates empfahl den Strauch als wassertreibendes Mittel. Ab dem 18. Jahrhundert finden sich Beschreibungen, denen zufolge Heilkundige den Holunder bei Fieber und Atemwegsinfekten einsetzten.



Aussehen und Vorkommen


Der Schwarze Holunder ist ein Strauch, der drei bis sieben Meter in die Höhe wächst. Die junge Rinde des Stamms ist anfangs braun gefärbt und wird mit zunehmendem Alter graubraun. Die kleinen gelblich-weißen Blüten besitzen gelbe Staubbeutel, duften stark und ordnen sich in großen, schirmförmigen Trugdolden an. Die daraus reifende Frucht glänzt schwarz-violett, sieht kugelig aus und ist eine Beere.

Schwarzer Holunder gehört zu den Geißblattgewächsen und blüht jetzt im Juni am schönsten. Er kommt fast in ganz Europa sowie in Kleinasien vor und wächst vor allem in Auwäldern und Gebüschen.


Inhaltsstoffe


Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in Holunderblüten ebenso wie in den im Spätsommer reifenden Holunderbeeren. Die Blüten enthalten etwas ätherisches Öl und bis zu 3,5 Prozent an sogenannten Flavonoiden. Dabei kommt hauptsächlich die Substanz Rutin vor.

Holunderblüten sind ein traditionelles Hausmittel gegen Fieber, Schnupfen und Husten. Mit einem Tee oder Aufguss soll der Erkältete den Infekt "ausschwitzen". Auch Schleim, der sich in den Nasennebenhöhlen oder den Bronchien festgesetzt hat, soll schwarzer Holunder lösen. Holunderblüten werden oft zusammen mit Lindenblüten in Erkältungstees kombiniert, da Heilkundler diesen ebenfalls eine schweißtreibende Wirkung zusprechen.


Gaumenfreuden


Man muss nicht krank sein, um den Holunder zu lieben: Holundersirup mit ein paar Blättchen Minze in Mineralwasser schmeckt serh erfrischend, als Aperitif im Sekt oder als "Hugo" ist er auf jeder Party der Renner. Auch der Ansatz als Hollersekt (Gärung unter Zusatz von Essig) ist einen Versuch wert. Weitere Verwendungsmöglichkeiten: Gelee, Beigabe zu Erdbeermarmelade, Likör.

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