Der Laden ist klein, die Anbauflächen sind überschaubar. Doch auf dem Biohof der Familie Distler in Esbach geht es nicht um Masse, sondern allein um Klasse. Erst vorgestern stand Manfred Distler an seiner Ölpresse und produzierte frisches Leinöl - die Leinsaat dafür hat er selbst gesät und geerntet.

Mit Leidenschaft und Engagement baut die Familie verschiedene Ölsaaten wie Hanf, Lein, Senf, Leindotter und Saflor an. Von der Aussaat ausgewählter Sorten über das Ernten und Trocknen bis zum Reinigen der Saaten machen die Distlers alles selbst. "Nur so ist eine konstante Qualität möglich."

So hat man auf dem Esbacher Biohof die seltene Gelegenheit, den kompletten Weg von der Aussaat bis zum flüssigen Gold mitverfolgen zu können. Ein Rundgang führt zunächst auf die Felder: Leuchtend gelb blüht zurzeit der Raps: Wer eine Blüte in den Mund nimmt und kaut, schmeckt sofort: Hier wächst Aroma pur heran. Die ätherischen Senföle sorgen schon jetzt für den typischen, kräftigen Geschmack, die Regenfälle der letzten Tage haben den Pflanzen einen ordentlichen Entwicklungsschub verpasst.

Beste Partner: Lein und Linsen

Eine Besonderheit ist der Anbau von Belugalinsen. Die Hülsenfrüchte sind nicht nur für sich genommen ein delikates Produkt, sondern auch ein idealer Partner für den Lein. "Ich säe beides zusammen aus, die Linsen fungieren als Bodendecker", erläutert Manfred Distler.

Spezialität des kleinen Nebenerwerbsbetriebs mit einer bewirtschafteten Fläche von 45 Hektar sind kaltgepresste Pflanzenöle. Manfred Distler trocknet und reinigt die von ihm angebauten Saaten und presst die Öle auch selbst. Getrocknet wird sofort nach der Ernte. Zur Reinigung der Saaten dient eine gebraucht erworbene Maschine aus den 1950er Jahren - ein Stück alte Ingenieurskunst: In vier Phasen werden über verschiedene Siebe alle Verunreinigungen sowie fremde und zu leichte Samen aussortiert. Gibt es etwas zu reparieren oder anzupassen, ist das für den Maschinenbautechniker kein Problem.

Die kleine Landwirtschaft ist ein echter Familienbetrieb und ein Stück Familiengeschichte. Birgit Distler ist auf dem Hof aufgewachsen. Ihre Eltern arbeiten heute noch mit, ebenso die drei Töchter. "Wir haben treue Abnehmer und müssen nicht viel Werbung machen", sagt Birgit Distler, die beruflich am Amt für Landwirtschaft und Ernährung tätig ist.

Für Direktvermarkter sehr hilfreich sei ein gutes Netzwerk: "Wir unterstützen uns gegenseitig, kaufen auch voneinander. Man kennt sich und weiß zu schätzen, welche Arbeit hinter den Erzeugnissen steckt, wo die Pflanzen gewachsen sind, wie die Tiere aufgezogen werden."

Ihre Öle und Saaten verkaufen die Distlers an Privatleute, aber auch an den Grünwehrbeck oder den Naturkostladen Unger in Veitlahm. Seniorchefin Renate Unger unterstützt seit Jahrzehnten nach Kräften die kleinen lokalen Erzeuger. "Ich finde es sehr wichtig, dass einer für den anderen da ist. Aus menschlichen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen mus man sich einfach gegenseitig helfen."

In dem vor 38 Jahren gegründeten Naturkostladen finden sich überwiegend regionale Produkte, "und die werden von unserer Kundschaft auch gut angenommen". Der Kunde sei letztlich der Schlüssel zum Erfolg: "Wir können langfristig nur anbieten, was wir auch verkaufen können."

Die Regale im kleinen Hofladen der Distlers weisen derzeit einige Lücken auf. "Viele Vorräte sind aufgebraucht. Wir warten auf die neue Ernte." Das in dieser Woche gepresste Leinöl findet schnell Abnehmer, und das ist gut so, sagt Manfred Distler: "Leinöl verdirbt schnell. Das optimale Aroma genießt man, wenn man es innerhalb von vier Wochen verbraucht."

Einmal im Jahr gibt es Fleisch

Zusätzlich sind die Distlers auch Fleischproduzenten. Galloway-Rinder beweiden das Grünland. Die Herde umfasst derzeit 25 Tiere, darunter einige Kälbchen, die an der Seite ihrer Mutter aufwachsen. Einmal im Jahr werden einige Tiere geschlachtet. "Wir lassen im Kulmbacher Schlachthof schlachten, ein Zerlegebetrieb bereitet die Pakete zu fünf, zehn oder 20 Kilogramm vor." Verkauft werden diese dann im Hofladen. In der Regel ist alles bereits vorbestellt.

"In den Paketen ist immer etwas von allem. Jeder bekommt etwas von den edlen, aber auch von den weniger begehrten Stücken." Von den Kunden wird dieses gerechte Prinzip akzeptiert. Sie schätzen die besondere Qualität des Fleisches. "Unsere Tiere sind fast das ganze Jahr draußen, fressen frisches Grün, haben Bewegung. Das sorgt für einen tollen Geschmack des Fleisches: Es hat ein sagenhaftes Eigenaroma", schwärmt Manfred Distler.

Einkaufen direkt beim Erzeuger: Wo gibt es was?

Überblick Die Bayerische Rundschau hat gemeinsam mit den weiteren Tageszeitungen der Mediengruppe Oberfranken eine Übersichtskarte der Direktvermarkter in der Region erstellt. Zu finden ist sie hier auf infranken.de

Vielfalt Es gibt viele verschiedene Wege der Direktvermarktung. So finden sich im Landkreis Kulmbach neben Hofläden auch Milchtankstellen, Selbstbedienungsautomaten mit Wurst, Grillfleisch und Eiern, Verkaufsstände auf dem Wochenmarkt. Direkt ab Hof gibt es Getreide und Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Obst, Saft, Liköre, Marmeladen...

Beratung Unterstützung finden Betriebe, die ihre Produkte direkt vermarkten wollen, beim Amt für Landwirtschaft und Ernährung Kulmbach-Kronach.