Das klingt rekordverdächtig. Mit satten drei Promille Alkohol im Blut war eine 43-jährige Kulmbacherin am Abend des 26. Juni des vergangenen Jahres in ihr Auto gestiegen und losgefahren. Rund 20 Meter weiter war die Fahrt schon zu Ende. Die volltrunkene Frau rammte mit ihrem Wagen eine Mülltonne, der laute Schlag rüttelte die gesamte Nachbarschaft auf. Wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr musste sich die 43-Jährige jetzt vor Gericht verantworten.

Vor gewalttätigem Mann geflüchtet

Sie habe sich nicht anders zu helfen gewusst und sei nach einem heftigen Ehestreit vor ihrem gewalttätigen Mann geflüchtet, sagte die Frau vor Gericht aus. Der Ehemann habe sie nicht zum ersten Mal heftig beleidigt und erniedrigt. Auch gewalttätig sei der Gatte angeblich immer wieder geworden, es habe sogar deshalb schon Anzeigen gegen ihn gegeben. "Ich wollte einfach nur weg, weil ich Angst hatte, dass er mir wieder etwas antut", sagte die Frau.

Aufgrund der hohen Promillezahl habe sie nicht mehr klar denken können. Die Frau sagte aber auch, dass die Fahrt ein Riesenfehler war. Sie bereue das Ganze zutiefst und gab zu, zuvor mehrere Flaschen Wein getrunken zu haben.

Durch lauten Knall aufgeschreckt

Er sei durch einen lauten, dumpfen Knall regelrecht aufgeschreckt, sagte ein Nachbar. Er sei daraufhin gleich raus auf die Straße und habe gesehen, wie die Frau aus dem Auto stieg und sich dabei mühsam hochangeln musste.

Ein Polizeibeamter, der zufällig privat bei einem Nachbarn zum Grillen eingeladen war, berichtete ebenfalls von einem lauten Schlag, als die Angeklagte mit ihrem Wagen an einem angrenzenden Grundstück hängen blieb. Er habe daraufhin seine Kollegen verständigt, denn die Frau sei aus Sicht der Polizei alles andere als eine Unbekannte gewesen.

Während er verhindern konnte, dass sich die Angeklagte erneut ans Steuer setzte, habe sie wirre Geschichten erzählt und sei ihm sogar um den Hals gefallen. Der Ehemann der Angeklagten habe sich während der gesamten Zeit nicht einmal blicken lassen.

Eine Nacht in der Ausnüchterungszelle

Deshalb habe man die Frau auch in Gewahrsam genommen. Weil zu Hause niemand war, habe man sie wegen der offensichtlich extrem hohen Alkoholisierung für die Nacht in die Ausnüchterungszelle gebracht, berichtete einer der Polizeibeamten, die vor Ort waren. Im ärztlichen Untersuchungsbericht war später von einem torkelnden Gang, einer lallenden Aussprache und einem "benommenen Bewusstsein" die Rede. Der Blutwert von 3,05 Promille bestätigte schließlich schlimmste Vorahnungen.

Beim Blick in das Vorstrafenregister der Frau wurde klar, dass sie tatsächlich polizeibekannt ist. Wegen mehrerer Drogendelikte, aber auch Straßenverkehrsdelikten wie Fahren trotz Fahrverbots oder eben Trunkenheit im Verkehr ist sie schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Zwei Mal wurde ihr schon der Führerschein entzogen, erst 2019 erhielt sie die Fahrerlaubnis zurück.

Noch lange ohne Führerschein

Eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft diesmal. Nachdem die Frau mittlerweile von Hartz IV leben muss, setzte er die Höhe des Tagessatzes auf zehn Euro fest. Ihr Anwalt sah dagegen keine Vorsatztat und sah vor allem wegen der kurzen Fahrstrecke von 20 Metern 30 Tagessätze als ausreichend an.

Dem folgte Richterin Sieglinde Tettmann nicht. Sie urteilte auf 90 Tagessätze zu jeweils zehn Euro sowie zu einer Führerscheinsperre von noch einem Jahr. Das bedeutet, die Frau darf vor dem Ablauf von einem Jahr keine neue Fahrerlaubnis beantragen. "Dass bei einem solchen Wert der Führerschein weg ist, ist doch klar", sagte Tettmann. Schließlich stelle die Angeklagte eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar.

Bereits in der kommenden Woche hat die Frau erneut einen Gerichtstermin. Diesmal geht es um die Scheidung von ihren Ehemann.