Die verschlossenen Türen im Stammhaus der Metzgerei Weiß in Kulmbachs Fußgängerzone verdeutlichen, was sich auf juristischer Ebene vollzieht: Die geschichtsträchtige Metzgerei ist Geschichte. Der Gang zum Insolvenzverwalter ist der Schlussakkord in einer von zahlreichen Misstönen geprägten jüngeren Geschichte des 1778 gegründeten Betriebs. Es ist die letzte Filiale, die nun ebenfalls ihre Pforten schließt. Zuletzt waren noch vier Mitarbeiter beschäftigt.

Thomas Weiß hatte die Geschäfte wiederaufgenommen, nachdem sein Vater Dieter 2001 mit seiner Kommanditgesellschaft, die Metzgerei Weiß KG, 2001 bereits Insolvenz anmelden musste. Als Metzgerei Weiß GmbH bestand der Betrieb bis 2012 fort und ist seitdem ebenfalls insolvent.

Dann hatte sich Thomas Weiß auf den Vorschlag seines damaligen Anwalts verlassen und eine neue Gesellschaft gegründet, die Thomas Weiß Unternehmergesellschaft. Der Jurist war zugleich Geschäftsführer der UG und hat offenbar Gelder der Firma für sich abgezweigt.

Derzeit ist der frühere Weiß-Anwalt aus dem Verkehr gezogen. Er sitzt selber seit einigen Monaten in Untersuchungshaft, weil er eine Vielzahl von Anlegern - nicht nur aus dem Raum Oberfranken - betrogen haben soll. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Hof wirft dem Mann vor, Millionen erschlichen zu haben. Er soll Anlegergelder nicht wie zugesagt investiert, sondern auf seine Konten umgeleitet haben.