Damit hätte in Kulmbach keiner gerechnet. Wie ein Fels in der Brandung überdauerte die Metzgerei Lauterbach die Zeiten und die Schwierigkeiten, mit denen das fleischverarbeitende Handwerk zu kämpfen hat. Bis jetzt. Aber Ende des Monats macht der alteingesessene Familienbetrieb am Marktplatz zu. Firmenchefin Ursula Lauterbach teilt mit, dass das Geschäft zum 30. Juni geschlossen wird. "Wir haben es bisher immer geschafft, für Probleme Lösungen zu finden. Jetzt geht es halt nimmer", sagt sie.

Ein Tiefschlag für viele Kunden, die gerne in der Metzgerei mit Feinkostabteilung einkauften. Und eine schlechte Nachricht für die ganze Kulmbacher Innenstadt, die einen Magneten verliert.

Was hat dazu geführt, dass ein angesehenes Fachgeschäft aufgeben muss? Ursula Lauterbach, die das 1960 von ihren Eltern Felix und Helma Lauterbach gegründete Unternehmen seit 30 Jahren zusammen mit Uwe Krautz führt, nennt dafür eine Reihe von Gründen. Es sei vieles zusammengekommen, sagt sie. "Wir sind beide erschüttert."

Sie hätten seit Jahren Probleme, gutes Personal zu bekommen. "Wir kriegen keine Mitarbeiter und Lehrlinge. Keiner will mehr Metzger machen", so Lauterbach. Ein anspruchsvoller und interessanter Beruf, wie sie selber weiß: "Es macht Spaß, ist kreativ und viel Handarbeit. Und es ist viel Wissen und Knowhow erforderlich."

Keinen Nachfolger gefunden

Zweites Problem: Die Geschäftsführer, beide über 60, haben keinen Nachfolger. "Wir haben deutschlandweit in einer Fachzeitschrift einen Nachfolger gesucht. Wir haben keine einzige Zuschrift bekommen. Und glauben Sie mir, wir sind deutschlandweit bekannt", sagt Lauterbach.

Drittes Problem: Zwei Jahre lang hatte man enorme Einbußen beim Umbau des Eku-Platzes. Die Chefin spricht davon, dass 30 Prozent des Umsatzes weggebrochen seien. "Es war ein dauernder Kampf."

Auflagen nicht zu schultern

Und nun sind Lauterbach zufolge noch behördliche Auflagen dazugekommen, die man nicht mehr schultern könne. "Diese EU-Auflagen sind für die Industrie gemacht, die kann ein mittelständischer Handwerksbetrieb nicht erfüllen." Aufgrund der von der Lebensmittelüberwachung des Landratsamts gemachten Vorgaben hätte man eine Viertel Million Euro investieren müssen, "und das hätte wahrscheinlich nicht gereicht".

Die Geschäftsführerin betont: "Wir schieben niemandem die Schuld zu. Die Zeiten ändern sich, so ist die Realität. Die Entwicklung wird noch weiter um sich greifen. Eine unfassbare Zahl von Metzgereien hat in den letzten Jahren schon zugemacht, und es werden noch mehr wegbrechen." Lauterbach weiter: "Das ist das Ende eines Lebenswerks." Was ihre Eltern aufgebaut haben, hätten sie und Uwe Krautz gerne fortgeführt, moderner und internationaler. "Wir waren immer bereit, viel zu arbeiten, und haben es mit Herzblut gemacht."

So viele haben aufgehört

Die wenigen verbliebenen Berufskollegen bedauern das Ende der Metzgerei Lauterbach. "In den letzten Jahrzehnten haben so viele aufgehört", sagt Georg Schramm von der gleichnamigen Metzgerei und Gastwirtschaft in Forstlahm. "Loske, Stenglein, Heidenreich, Passing, Schuberth, Kretter, Purucker, Weiß, Meisel - mir fallen gar nicht mehr alle Namen ein."

"Leider wieder ein Handwerkskollege weg", meint Christian Ohnemüller, der erst vor fünf Monaten die elterliche Metzgerei in Weiher übernommen hat. Durch den Preisdruck der Supermarktkonkurrenz, durch hohe Personal- und Energiekosten, die man nicht 1:1 weitergeben könne, durch bauliche Auflagen und immer mehr Bürokratie sei es für kleine Betriebe immer schwieriger geworden.

Aber er sieht auch einen Lichtblick: Denn in der Coronakrise hätten sich viele Verbraucher wieder mehr auf regionale Produkte besonnen.

Völlig überrascht waren zwei Stammkunden von der Nachricht. "Ich bin schockiert und frustriert, dass eines unserer ältesten Fachgeschäfte aufgeben muss", betont Apotheker Hans-Peter Hubmann. Die Metzgerei Lauterbach sei ein "Innenstadtmagnet". Hier seien die Kunden mit bester handwerklicher Qualität bedient worden. Er schwärmt von dem abwechslungsreichen und mit Liebe zubereiteten Sortiment.

Genauso sieht es Edeltraud Isert aus Fassoldshof: "Ich kann es nur bedauern. Sie haben eine super Qualität und einen super Service. Es ist schade für ganz Kulmbach, wenn es diese alteingesessene Metzgerei nicht mehr gibt."

Metzgerei mit Tradition in historischer Umgebung Die Metzgerei Lauterbach ist seit Jahrzehnten eines des bekanntesten Geschäfte in Kulmbach.

1960

übernahmen Felix und Helma Lauterbach die Metzgerei Pöhlmann am Marktplatz, die bereits auf eine lange Tradition zurückblickte.

1975

nahmen die Inhaber einen größeren Umbau in Angriff. Die gesamten Rückgebäude werden abgerissen. Es entstand der Neubau einer modernen Metzgerei mit ebenerdigen Produktionsräumen, Vorrats- und Reiferäumen. Ein moderner Maschinenpark wurde angeschafft, eine professionelle warme und kalte Küche einrichtet.

1988

bekam die Metzgerei Lauterbach ihr heutiges Erscheinungsbild - durch den Ankauf des benachbarten "Heinlein-Hauses", das das Geburtshaus des Rolex-Gründers Hans Wilsdorf war und von 1870 bis 1986 die Eisenhandlung Georg Heinlein beherbergte. Die Familie ging diesen Schritt, nachdem die Nachfolge beschlossen war. Es wurde ein neue Konzept für eine moderne Metzgerei geplant. Man war sich einig, dass Felix und Helma Lauterbachs Tochter Ursula Lauterbach, Diplomübersetzerin für Französisch und Englisch, und Uwe Krautz, Diplom-Ingenieur für Papierherstellung, ihre bisherigen Berufe aufgeben und in der Fleischerei-Branche neu anfangen würden. Beide gingen deshalb noch einmal zur Schule - gemeinsam mit ihren Lehrlingen! Ursula Lauterbach lernte den Beruf der Fleischereifachverkäuferin, Uwe Krautz wurde Fleischermeister.

Durch diese Entscheidung war es möglich, das mittelständische Unternehmen fortzuführen und auszubauen und rund 60 Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten.

2010

feierte die Metzgerei Lauterbau ihr 50-jähriges Bestehen.