"Änderungswünsche nehmen wir gerne mit." Das hatte Jörg Panzer, der Abteilungsleiter Planung beim Staatlichen Bauamt Bayreuth, seinem Vortrag vorausgestellt. Ob er damit gerechnet hat, dass der einzige Wunsch der Bürger aus Rothwind und Fassoldshof ist, das Projekt einzustampfen? Wohl eher nicht.

Bei der fast dreistündigen Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Mainleuser Sommerhalle gab es massiven Widerstand gegen den Bau der Umgehungsstraße (siehe nebenstehenden Bericht). Diese soll die Orte Mainroth auf Burgkunstadter Gebiet und Rothwind/Fassoldshof auf Mainleuser Seite vom Verkehr entlasten. So zumindest der Plan.

Den Sachstand und die Faktenlage präsentierte neben Panzer auch Behördenleiter Kurt Schnabel - aufmerksam verfolgt von den über 80 Besuchern, die sich im Vorfeld wegen Corona anmelden mussten und zugewiesene Plätze erhielten

9000 Fahrzeuge am Tag

Rund 9000 Fahrzeuge passieren täglich die B 289, die eine wichtige Verbindung zwischen Coburg, Kulmbach und Bayreuth sei - darunter viel Schwerlastverkehr (740 Fahrzeuge). "Diese Belastung prägt Mainroth, Rothwind und Fassoldshof", sagte Schnabel.

Er verwies auf die lange Planungsgeschichte, bereits seit 2003 stehe die Ortsumfahrung der Dörfer im vordringlichen Bedarf des Bedarfsplans Bundesfernstraßen. 4,7 Kilometer lang sei die Umfahrung, deren geplante Baukosten im Laufe der Jahre von 22,3 auf 45,4 Millionen Euro gestiegen seien.

Inzwischen sei man in dem Verfahren schon relativ weit, die Planfeststellungsunterlagen seien erstellt. Bis 2. Dezember hätten die Bürger nun Zeit, Änderungswünsche schriftlich einzureichen. Dann finde ein Erörterungstermin mit der Regierung von Oberfranken statt, bei dem alles besprochen und abgewogen werde.

Hier geht's zum Video

Wie die Umgehung einmal aussehen soll, das präsentierte Jörg Panzer den Besuchern. Dazu gibt es ein kurzes interaktives Video im Internet, das über die Seite des Staatlichen Bauamts abgerufen werden kann. Der Link: www.stbabt.bayern.de. Dort auf Straßenbau -> Projekte -> B 289, OU Mainroth - Rothwind - Fassoldshof -> 3D-Animation (am Seitenende) klicken.

Panzer verwies darauf, dass es mit der Umgehung gelingen werde, 90 Prozent des Schwerlastverkehrs und 80 bis 90 Prozent des Gesamtverkehrs aus den drei Orten zu bringen. Der Kosten-Nutzen-Faktor sei extrem hoch. Und er machte auf Prognosen aufmerksam, wonach der Verkehr bis 2035 um zehn Prozent steigen werde.

Die Trasse sei so geplant, dass sie neben der Bahnlinie verlaufe und das Maintal weitestgehend geschont werde. Bei Mainroth und Fassoldshof seien Anschlussstellen vorgesehen. Panzer betonte, dass nach Lärmschutzberechnungen bei keinem Anwesen die Grenzwerte überschritten werden.

Nach den Worten des Planers laufe das Verfahren transparent und öffentlich ab. Die Unterlagen seien frei einsehbar: in der Gemeinde Mainleus und auf der Homepage des Straßenbauamts. Er empfahl den "Erläuterungsbericht" zu lesen, in dem alle wesentlichen Informationen zusammengefasst sind.

13 Bürger aus Rothwind und Fassoldshof meldeten sich in der Bürgerversammlung zu Wort - und alle sprachen sich gegen die geplante Umgehung aus.

Daniela Somieski befürchtet Lärm und eine Wertminderung ihres Anwesens, wenn eine Brücke vor ihrem Haus im Mühlweg errichtet wird. Sie kritisierte den Gemeinderat, der es nicht für nötig befunden habe, auf die Bürger zuzugehen, als er 2010 dem Bau der Umgehung zugestimmt hatte. Dem entgegnete Bürgermeister Robert Bosch (CSU), dass es damals keinen Widerspruch gegeben habe. "Der Rat war der Auffassung, die Umgehung ist gewollt."

Spargelbauer Matthias Stenglein äußerte zwar Verständnis für die Nachbarn aus Mainroth, sprach aber von einem "undurchdachten, sinnlosen Flächenverbrauch". Die Bürger in Rothwind/Fassoldshof hätten sich mit der Straßenführung arrangiert, die Geschäfte würden profitieren. In Rothwind gebe es mittlerweile "keine Handvoll Befürworter mehr", sagte er und bekam dafür Applaus.

Was ist, wenn jemand Grund, der für den Bau der Umgehung nötig ist, nicht verkaufen will, wollte Steffen Hühnlein wissen. Hier erklärte Kurt Schnabel, der Leiter des Straßenbauamts Bayreuth, dass in der Regel Grundstücksverhandlungen einvernehmlich enden. Sollte das im Einzelfall nicht funktionieren, so stelle der Planfeststellungsbeschluss eine enteignungsrechtliche Grundlage dar. "Das kommt aber sehr selten vor."

Daniela Weiß-Schultheis appellierte an den Gemeinderat: "Stimmt nicht für die Umgehung. Wir benötigen sie nicht." Das sah Bürgermeister Bosch als "eine klare Botschaft an uns".

Nach Ansicht von Dietmar Laude braucht Mainroth die Umgehung ("Die Situation dort ist brutal"), aber nicht Rothwind und Fassoldshof. Hier seien nur fünf bis sechs Anwesen vom Verkehr betroffen. Einer der Betroffenen ist René Schulz. "Das ist schlimm, aber wir kennen es nicht anders", erklärte er. Er wünsche sich zwar die Umgehung, aber nicht auf Kosten anderer. "Also muss ich auch dagegen sprechen."

Stefanie Weiß äußerte den Verdacht, dass es sich bei dem Vorhaben um ein Prestigeprojekt von Bundestagsabgeordneter Emmi Zeulner (CSU) handelt. "Auf ihrer Facebook-Seite standen mal Gegenstimmen, die wurden gelöscht."

Stephan Heinlein zeigte sich verwundert, dass es keine Alternativen gibt. "Wenn ich ein Projekt plane, muss ich doch mehrere Lösungen vorschlagen."

Nur einer war am diesem Abend für die Umgehung: Stefan Marr aus Mainroth, dem die Versammlung Rederecht erteilte. Er zeigte die Belastung aus seiner Sicht auf, klagte über hohe Geschwindigkeiten und einen deutlich gestiegenen Schwerlastverkehr.