Gibt es in Marktleugast schon bald nur noch eine Grundschule? Die Befürchtungen sind bei Schulleitung, Elternvertretern und Bürgermeister gleichermaßen groß. Aktuell besuchen neben den Grundschülern noch 32 Schülerinnen und Schüler die 5. und 6. Klasse der Mittelschule in Marktleugast. Doch schon ab Herbst kann es passieren, dass diese beiden Klassen an der Marktleugaster Schule aufgelöst werden und die Schüler auf die beiden anderen Schulen im Schulverbund, das heißt Stadtsteinach und Neuenmarkt, verteilt werden. An den dortigen Standorten gehen diejenigen Fünft- und Sechstklässler zur Schule, die entweder durch den Schulsprengel zugeteilt sind oder die Ganztagsklasse besuchen - in Marktleugast wird aktuell im Regelzug unterrichtet.

Knackpunkt Schulsprengel

Eben dieser Schulsprengel ist auch der Knackpunkt bei der Schülerverteilung. "Trotz Mittelschulverbund gilt der Schulsprengel, der einst ausgehandelt wurde", erklärt Schulamtsdirektor Michael Hack. Wenn man diesen Schulsprengel neu definieren wollte, müsste man den Verbund auflösen und alle Bürgermeister müssten neu verhandeln. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Bürgermeister dem so ohne Weiteres zustimmen würden." Natürlich liegt es im Interesse einer jeden Gemeinde, ihren Schulstandort für ihre Bürger so attraktiv wie möglich zu gestalten und auch zu halten. So auch die Marktleugaster, die die besonderen Vorteile ihrer Schule betonen.

"Wir haben in den letzten beiden Jahren etwa 233.000 Euro in die Hand genommen, um ein modernes Umfeld für unsere Schüler zu schaffen", erzählt der Marktleugaster Bürgermeister Franz Uome. Alle Klassenzimmer seien unter anderem mit modernen digitalen Tafeln und Highspeed-Internet ausgestattet, es wurde in Hardware wie Tablets und Laptops investiert.

Digital gut aufgestellt

"Wir haben Corona genutzt, um uns diesbezüglich wirklich gut aufzustellen", bestätigt Ferdinand von Schau, Vorsitzender des Elternbeirats. "Der digitale Austausch klappt hervorragend, wir sind da echt einen Schritt weiter als viele Schulen." Seine Elternbeiratskollegin Diana Groß hat einen Sohn in der 5. Klasse und ist angetan von der Betreuung, insbesondere im Lockdown oder wenn ein Kind einmal erkrankt ist. "Was auf die Tafel geschrieben wird, ist sofort im Elternportal drin, das funktioniert gut." Auch die Lernatmosphäre in einer kleineren Klasse kommt für sie den Kindern zugute. "Darüber hinaus gucken sie sich nicht so viel Unfug von älteren Schülern ab."

Dass die Schüler in Marktleugast zu den "Großen" gehören ist auch für Schulleiterin Annette Marx ein Pluspunkt. "Dadurch nehmen die Schüler bei uns ganz andere Aufgaben wahr, die Ansprüche sind andere." Soziale Brennpunkte würden vermieden. Auch Schüler aus Neuenmarkt besuchen die Marktleugaster Schule, weil sie nicht in den Ganztag gehen wollen. "Und diese Schüler kommen gerne zu uns und nehmen die Fahrt auf sich." Das bestätigen auch Vincent und Luca aus Neuenmarkt. "Die Lehrer sind nett und die Ausstattung ist besser als an anderen Schulen, an denen ich schon war." Für Schulleiterin Marx ist die Lernatmosphäre in Marktleugast auch für die Kinder besonders geeignet, die von den "PrinZen" (d. h. Kinder mit erheblichem sozial-emotionalem Förderbedarf) zur Wiedereingliederung in den regulären Unterrichtsbetrieb an ihre Schule kommen.

Die notwendige Schülerzahl fehlt

Fakt ist: Die Lernvoraussetzungen in Marktleugast sind hervorragend, nur fehlt es an der notwendigen Schülerzahl. "Wie es aktuell aussieht wird es im Herbst schwierig werden, weiterhin drei Klassen im Schulverbund aufrecht zu erhalten", erklärt Schulrat Michael Hack. Tatsächlich ist die Schülerzahl in Marktleugast aktuell etwas geringer als in Stadtsteinach oder Untersteinach, aber "würden uns auch beispielsweise die Kinder aus Grafengehaig, Guttenberg oder Kupferberg zugeordnet werden, würden unsere Belegungszahlen ganz anders aussehen", sagt Schulleiterin Marx. Gemäß Sprengel besuchen diese Schüler jedoch die Schule in Stadtsteinach bzw. Untersteinach, denn dorthin sind die Klassen 5 und 6 derzeit noch ausgelagert.

Schon die Klassen 7, 8 und 9 abgegeben

"Hier hatte ich bislang auf die Solidarität der anderen Schulen und Bürgermeister gehofft", sagt Bürgermeister Uome. Der Schulverbund sei schließlich gegründet worden, um solche Unannehmlichkeiten auszugleichen. "Wir haben schon die Klassen 7, 8 und 9 abgegeben und fahren täglich 30 Kinder nach Stadtsteinach und Neuenmarkt - da fragt auch keiner."

Für Schulrat Hack eine knifflige Situation, zeigt er doch großes Verständnis für die Marktleugaster. "Ich verstehe es, Marktleugast hat eine kleine, sehr gut ausgestattete Schule, in der die Kinder behütet lernen können." Es sei natürlich auch nicht sein Ziel, möglichst viele Klassen zu schließen, im Gegenteil: "Am liebsten würde ich als der Schulrat in die Geschichte eingehen, der die Zahlen in den Mittelschulen wieder verdoppeln konnte." Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus. Für die Schule in Marktleugast bleibt somit nur, sich weiter für den Erhalt ihrer 5. und 6. Klasse einzusetzen.