Wegen fahrlässiger Körperverletzung stand am Donnerstag ein 58 Jahre alter Werkzeugmacher vor Gericht. Er hatte einem jüngeren Arbeitskollegen in einer Büchsenmacherei beim Überprüfen einer Waffe versehentlich in den Bauch geschossen. Gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts Kulmbach, der mit einer Geldstrafe verbunden war, hatte er Einspruch eingelegt, so dass man sich nun vor Gericht traf.


Glück im Unglück

Der Kollege des Angeklagten hatte Glück im Unglück, denn der Schuss verletzte keine lebensnotwendigen Organe, sondern hinterließ nur eine Fleischwunde. Der Werkzeugmacher hatte gegen den Strafbefehl wohl deshalb Einspruch eingelegt, weil er befürchtete, seinen Jagdschein zu verlieren.

Staatsanwalt Roland Köhler gab allerdings klar zu verstehen, dass mit einer Einstellung des Verfahrens nicht einverstanden ist. Der Verteidiger, Jens Berndorf aus Bayreuth, hielt die Geldauflage in Höhe von 40 Tagessätzen zu je 50 Euro für viel zu hoch, zumal die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt wurde.

Jetzt wird das Verfahren noch einmal komplett von vorne aufgerollt. Geladen wird zur Hauptverhandlung auch der Chef der Büchsenmacherei. Von ihm erhofft sich das Gericht Klarheit darüber, wer im Betriebsablauf verantwortlich zu überprüfen hat, ob sich noch eine Patrone in der Waffe befindet.


Patrone im Lauf

Passiert ist der Vorfall fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 4. Juli 2016. Der Angeklagte war damals damit beschäftigt, eine Waffe auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen, um danach Montagearbeiten durchzuführen. Pech war nur, dass noch eine Patrone im Gewehrlauf steckte. Der Zufall wollte es, dass sich ein Schuss löste, als er sich über das Gewehr beugte.

"Ich war selbst geschockt, der Vorfall hat mich wahnsinnig mitgenommen, auch Tage danach und jetzt noch", sagte der 58-Jährige. Zuerst habe man nur einen Streifschuss vermutet, weil so gut wie kein Blut ausgetreten sei. Man habe habe auch sofort den Notarzt gerufen.


Keine Probleme mit dem Chef

Die Frage von Richterin Sieglinde Tettmann, ob der Angeklagte nach dem Vorfall Probleme mit seinem Chef bekommen habe, verneinte er. Richterin Tettmann gab auch ein Gutachten des Landeskriminalamts bekannt, wonach eine Waffe nicht gespannt sein muss, um daran Montagearbeiten durchführen zu können.

Der Angeklagte hatte mit dem Gewehr noch am Tag zuvor Probeschüsse abgefeuert und es danach wieder unter Verschluss gegeben.

Wer für die Sicherheitskontrollen wann und wie zuständig war und ist, darüber soll nun der Chef der Büchsenmacherei in einer erneuten Hauptverhandlung konkret Auskunft geben.

Richterin Sieglinde Tettmann empfahl dem Angeklagten, den Einspruch zurückzuziehen. Doch der lehnte ab. Denn genau die Anzahl und Höhe der Tagessätze entscheidet darüber, ob er seinen Jagdschein behalten kann.