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Rothwind
Bundesstraße 289

"Maintal wird versaut": Darum will Rothwind die Umgehung nicht

2011 hat der Gemeinderat die Pläne für den Umgehungsbau noch befürwortet. Damals gab es keinen Gegenwind gegen das Großprojekt. Das hat sich geändert.
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Die Ortsdurchfahrt Rothwind. Foto: Jürgen Gärtner
Die Ortsdurchfahrt Rothwind. Foto: Jürgen Gärtner
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Zahlreiche Besucher der Rothwinder Bürgerversammlung machten am Dienstagabend Bürgermeister Robert Bosch (CSU) deutlich, dass sie die geplante Umgehung Mainroth/Rothwind und Fassoldshof nicht wollen. "Diesen großen Widerstand hat es damals nicht gegeben", betonte das Mainleuser Gemeindeoberhaupt.

Fast 50 Personen waren ins Gasthaus Vonbrunn gekommen. Viele schimpften über die geplante Verlegung der B 289 ins Maintal. Während im Nachbardorf Mainroth das Vorhaben vorangetrieben wird, wollen viele Rothwinder und Fassoldshofer den Bau der Umgehung um die Orte nicht.

Die Planungen sind aber schon relativ weit, verdeutlichte der Bürgermeister. Der Bau der Umgehungsstraße befindet sich im vordringlichen Bedarf. Bereits im Sommer soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, sprich die Baugenehmigung eingeholt werden. Dann können auch Einwendungen gegen das Vorhaben vorgebracht werden. Derzeit wird laut Bosch der Natur- und Hochwasserschutz geprüft. Das Projekt genieße laut Straßenbauamt eine hohe Bauwürdigkeit und habe einen hohen Nutzen-/Kostenfaktor.

Laut Bundesverkehrswegeplan entlaste die Umfahrung die Ortschaften und erhöhe die Verkehrssicherheit. Zugleich eröffne sie für die Dörfer eine Entwicklungschance, teilte Bosch weiter mit.

Doch das überzeugte nicht viele Bürger. Hans Somieski wies auf die massiven Auswirkungen auf das Landschaftsbild hin: "Das ganze Maintal wird versaut." Zudem sprach er den Hochwasserschutz an: "Wo soll das ganze Wasser hin?" Die Straße verringere die Überschwemmungsflächen, "irgendwann säuft die Mühle ab".

Daniela Weiß konnte mit Blick auf das gestiegene Umweltbewusstsein nicht verstehen, "dass alle was für den Umweltschutz tun - und hier pflastern sie die Umgehung rein". In ein Gebiet, in dem der Mainradweg verlaufe und viele Radler unterwegs seien. "Es wurden noch nie Alternativen ausprobiert", sagte sie.

Auch Günther Spindler wehrte sich gegen das Bauprojekt: "Dann ist der Freizeitwert weg und das Maintal passé." Er wollte von Bürgermeister Bosch wissen, wie der Markt zu dem Vorhaben stehe. "Wir werden uns positionieren, wenn wir die Pläne kennen", erklärte Bosch. Er verwies darauf, dass das in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung erfolgen werde.

Dietmar Laude bezog Position für den Nachbarort: "Ich tendiere dazu, mich mit Mainroth solidarisch zu erklären. Dort ist die Umgehung notwendig." Das bestätigte Pascal Friedrich: "Im Berufsverkehr kommst du dort nicht raus auf die Straße." Schwere Lastwagen würden rund um die Uhr durch das Dorf donnern.

Harald Fiedler kritisierte Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU), eine Befürworterin des Projekts: "Ich hatte immer hohe Achtung vor ihr. Aber wenn man eine Politikerin ist, die weiter denkt, dann müsste man nach Alternativen suchen und nicht das Maintal verschandeln." Dem stimmte Ralf Oertel zu, der dafür plädierte, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern.

Dazu ein Kommentar:

Jetzt, wo die Planungen in eine heiße Phase gehen, wird Protest gegen den Bau der Umgehung Mainroth/Rothwind und Fassoldshof laut. Aber die Kritik kommt spät. Wohl zu spät.

Wir erinnern uns: Die Umgehung wird seit Jahren, seit Jahrzehnten gefordert. Bislang gab es nur Klagen über Verkehrsbelastung, Lärm und Gestank. Vor allem die Mainrother, von denen viele an der Ortsdurchfahrt wohnen, leiden unter dem hohen Verkehrsaufkommen von 9000 Fahrzeugen täglich. Mit dem Bau der Umgehung würde ein Großteil davon aus dem Ort verschwinden, vor allem der Schwerlastverkehr.

Nicht so schlimm ist die Situation in Rothwind/Fassoldshof. Nur wenige Häuser stehen an der Straße. Dort ist es sogar so, dass beispielsweise die Gastwirtschaft Vonbrunn vom Durchgangsverkehr profitiert.

Jahrelang hatten die Bürger die Möglichkeit, ihre Meinung zu dem Projekt kund zu tun - bevor die Straße in den vordringlichen Bedarf eingestuft wurde. Die Befürworter haben sich dafür stark gemacht. Von den Gegner war nicht viel zu hören. Ein Fehler.

Denn heutzutage gilt: Nur wer laut genug schreit, der wird gehört. Die Untersteinacher und Kauerndorfer haben es vorgemacht.

Und hier wie dort ist es so, dass Kritik an Flächenverbrauch, Naturverschandelung und Gigantonomie der Projekte erst richtig laut wird, wenn es zu spät ist oder neue Betroffenheiten geschaffen wurden. Siehe Melkendorf.