Das wird alle Nachtschwärmer freuen: Bei Kulmbachs größten Festen dürfen sie in Zukunft wieder länger feiern. Auf Antrag der Jungen Union beschäftigte sich der Stadtrat am Donnerstagabend mit dem Wunsch, die vor zwei Jahren verkürzten Ausschankzeiten für die Freischankflächen wieder zu verlängern. Diese waren damals um jeweils eine halbe Stunde gekürzt worden, nachdem es Probleme mit alkoholisierten Randalierern gab.


"Wir machen das für die Leute"


Die junge Union hatte ihren Wunsch nach längeren Schankzeiten damit begründet, dass es wegen der Verlagerung der Bierwoche auf das Brauereigelände und der längeren Laufwege in die Innenstadt für die Gastwirte dort schwieriger sei, von den Besuchern zu profitieren. Für OB Henry Schramm (CSU) ist jedoch nicht nur das Wohl der Wirte entscheidend: "Wir machen das wegen der Leute, die bei uns feiern wollen."

Verkürzte Sperrzeiten sollen künftig nicht nur für die Bierwoche gelten, sondern auch fürs Altstadtfest und die Italienische Nacht. Während der Bierwoche dürfen die Innenstadt-Gastronomen am Freitag und Samstag bis 2.30 Uhr des Folgetags ausschenken, an den übrigen Tagen bis 1.30 Uhr. Für das Altstadtfest wurden die Ausschank- und Musikspielzeiten auf 2 Uhr am Freitag und Samstag festgelegt. Am Sonntag ist früher Schluss: Die Musik spielt bis 23 Uhr, ausgeschenkt werden darf bis 24 Uhr.

Die neuen Zeiten sollen bis auf Widerruf auch in den Folgejahren gelten, sofern es keine gravierenden Probleme gibt. Der Stadtrat fasste den Beschluss mehrheitlich mit einer Gegenstimme. Siegmund Huhn (WGK) plädierte für die Beibehaltung der bisherigen Zeiten: "In der Innenstadt wohnen auch Senioren und Berufstätige, die ein Recht auf Rücksichtnahme haben."

Mit dieser Meinung stand Huhn allerdings alleine da. "Es sind nur ein paar Tage. Wenn nicht mal das möglich ist, können wir die Stadt gleich absperren", argumentierte beispielsweise Wolfram Brehm (CSU).


Bus bis 18 Uhr reicht nicht


Thomas Nagel (FDP) bat den Oberbürgermeister, sich wegen der Fahrzeiten des geplanten Pendelbusses zum Bierstadel noch einmal mit der Kulmbacher Brauerei in Verbindung zu setzen. Diese will die Busverbindung nur von 10 bis 18 Uhr anbieten. Es ergebe keinen Sinn, gerade am Abend diesen Service nicht anzubieten.

OB Schramm sieht das genauso, hat sich deshalb auch schon an die Brauerei gewandt - und eine abschlägige Antwort bekommen. Der Stadtrat beauftragte ihn, noch einmal deutlich zu machen, dass das Gremium die beabsichtigte Regelung für unbefriedigend hält.


Pläne für neue VHS und ein Dankeschön


Ausführlich diskutierten die Stadträte die Zukunftschancen, die sich aus dem Besuch des Bayerischen Kabinetts und dem Beschluss des Ministerrats ergeben, Kulmbach zum Universitätsstandort zu machen. "Das ist das schönste Geschenk meiner bisherigen Zeit in der Politik", freute sich OB Henry Schramm, der für das Gremium eine Bilderserie mit Impressionen dieses "historischen Tags" hatte vorbereiten lassen. Nun gelte es, den Worten rasch Taten folgen zu lassen. "Mit ersten Planungsgesprächen haben wir bereits begonnen."

Als Uni-Gelände komme der ehemalige Güterbahnhof in Betracht, so Schramm. Städteplanerisch seien nun Einleitungsbeschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Erschließungsplanung sowie der Erlass einer Veränderungssperre notwenig. Der Stadtrat stimmte den Wunsch des OB zu, die Verwaltung mit der Vorbereitung dieser Beschlüsse zur nächsten Sitzung zu beauftragen. Schramm: "Damit setzen wir ein wichtiges Signal für die Universität Bayreuth, die uns sehr unterstützt, aber auch Richtung München, dass wir alles tun, um das Vorhaben voranzutreiben."


Vision wird Wirklichkeit


Zweiter Bürgermeister Stefan Schaffranek nutzte die Sitzung, um Schramm namens aller Fraktionen für seine Hartnäckigkeit und seinen Einsatz zu danken. Er habe erreicht, dass eine Vision Wirklichkeit wird, die viele positive Impulse setzen werde. Ralf Hartnack (WGK) hatte ein Geschenk für den OB vorbereitet: das erste Ortsschild "Universitätsstadt Kulmbach".

Viele weitere Themen hatte der Stadtrat auf der Tagesordnung. Einstimmig beschlossen wurde die Sanierung und Erweiterung der Volkshochschulgebäude in der Bauergasse. Diese haben keinen behindertengerechten Zugang und befindet sich bautechnisch in einem sehr schlechten Zustand. Deckenbereiche des ehemaligen Archivs sind teils eingebrochen und wurden notgesichert. Das rund 2,2 Millionen Euro teure Projekt wird mit einem Zuschuss aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) in Höhe von 1,375 Millionen Euro gefördert.

Ebenfalls saniert wird das Bauamt im Oberhacken 8. Der Gebäudezustand ist schlecht, energetische Sanierungen sind dringend nötig. Die Maßnahme wird 1,9 Millionen Euro kosten, 503 000 Euro staatliche Förderung sind zugesagt.