Die ärztliche Versorgung ist ein wesentlicher Standortfaktor für jede Kommune. Zwar liegt der Versorgungsgrad im Raum Kulmbach bei 111 Prozent über dem Durchschnitt, doch haben immer mehr ländliche Gebiete ernstzunehmende Probleme: Rund ein Drittel der hier tätigen Mediziner sind älter als 60 Jahre und setzen sich in absehbarer Zeit zur Ruhe. Nachfolger sind schwer zu finden.

Bald kein weißer Fleck mehr

Davon kann die Stadt Kupferberg ein Lied singen. Die Kommune saß einige Jahre auf dem Trockenen.

Nach dem Rückzug des Stammbacher Arztes Haldun Edemir, der die kleine Bergstadt versorgt hatte, fand sich kein Mediziner mehr. Kupferberg wurde zum weißen Fleck auf der Karte der ärztlichen Versorgung.

Damit aber ist es nun bald vorbei: Ab dem 1. Februar gibt es für die Bürger wieder eine ortsansässige Praxis. Dann wird der Stadtsteinacher Facharzt für Allgemeinmedizin, Matthias Olszewski, eine Filialpraxis eröffnen.

Die Freude darüber ist groß: "Einen Arzt vor Ort zu haben, das ist ein Stück Lebensqualität", sagt der Kupferberger Bürgermeister Harald Michel (UKW) im Gespräch mit unserer Zeitung. Michel steht nicht nur der Kommune vor, sondern ist in Personalunion auch Vorsitzender der Spitalstiftung. Und die kommt ins Spiel, wenn es um den Sitz der neuen Praxis geht. Denn die lässt sich nieder im Kupferberger Hospital St. Katharina, das im Eigentum der gleichnamigen Stiftung steht.

Ein Doppelerfolg

So ist es dem Stadtoberhaupt gelungen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die ärztliche Nahversorgung ist wieder gewährleistet und das kulturhistorische Gebäude an der Durchgangsstraße mit Leben erfüllt.

Dieser Doppelerfolg ist Michel nicht in den Schoß gefallen: Er hat sich sehr stark dafür engagiert, dass dieser Fortschritt erreicht werden konnte, und steht jedem Wunsch des neuen Mieters aufgeschlossen gegenüber. Man merkt sofort: Er hat das Projekt zur Chefsache erklärt.

Und so hat die Stiftung Tausende von Euro in die Hand genommen, um die Räume an den neuen Zweck anzupassen. Dabei ging es nicht nur um Ausstattung und handwerkliche Leistungen, es war auch einiges an Schreibarbeiten zu erledigen. Denn das Spital war vor 15 Jahren mit Geldern der öffentlichen Hand aufwendig saniert worden, und die beteiligten Ämter müssen der neuen Verwendung zustimmen. Das ist auch mit weiteren finanziellen Anstrengungen verbunden, wie Michel erklärt: Ausgaben für die Nutzungsänderung fallen an.

Immobilienbesitzer nicht knausrig

Auch bei der sächlichen Ausstattung hat sich der Immobilienbesitzer nicht knausrig gezeigt. Ihm gelang es zudem, die Geseeser Firma Möbel-Hertel zu einer Sachspende zu motivieren: Sie stiftete eine Kühl-Gefrier-Kombination für Medikamente.

Und so ist Praxisbetreiber Thomas Olszewski voll des Lobes für den Hausherrn: "Wir haben hier wirklich eine außerordentlich gute Unterstützung." Der Mediziner wird allerdings am neuen Standort nicht allzu oft persönlich vertreten sein, da er sich schwerpunktmäßig um seine Stadtsteinacher Patienten kümmert.

Zwölfköpfiges Team

In Kupferberg wird künftig Emese Vig tätig sein. Zusammen mit weiteren Kolleginnen gehört sie dem Team Olszewskis an. Die Kulmbacherin wird in der neuen Praxis alle hausärztlichen Tätigkeiten durchführen. Intensivere Untersuchungen können jederzeit über die Stadtsteinacher Praxis erledigt werden. Zum breiten Spektrum gehören unter anderem Akupunktur, Flug-Medizin, Notfall-Medizin, Homöopathie, anthroposophische Medizin und die medizinische Betreuung von Kindern.

Um allen Anforderungen gerecht zu werden, hat Olszewski sein Team aufgestockt. Künftig arbeiten zwei weitere Arzthelferinnen in der insgesamt zwölfköpfigen Belegschaft in Kupferberg. Die neue Niederlassung wird in der Anfangsphase an drei Tagen geöffnet sein: montags, dienstags und donnerstags. Eine Ausweitung der Sprechstunden ist jederzeit möglich, wie der Arzt versichert.

Für seine Mitarbeiterinnen stehen in Kupferberg großzügig angelegte Räume zur Verfügung.

Elegant und historisch

Die Nutzfläche beträgt insgesamt rund 130 Quadratmeter. Und die Räumlichkeiten sind vom Feinsten: Sie wurden während der aufwendigen, mehrere Millionen teuren Spitalsanierung (1999 - 2005) restauriert. So arbeitet das Kupferberger Team in elegant-historischem Ambiente, mit schweren Vorhängen und unter prunkvoll ausgestatteten Stuck-Decken.

Da lässt es sich nobel werkeln - und sogar mit Segen aus höchsten Sphären: Die Praxis grenzt direkt an die Spitalkirche, die von einem Zeitgenossen Balthasar Neumanns prunkvoll ausgestattet wurde. Ärztliches Handwerk vereint mit göttlichem Segen - wer kann so was sonst noch bieten?