Ihre Mutter in ein Pflegeheim zu geben - das kommt für Sabine Schröder nicht in Frage. Die 51-Jährige pflegt ihre Mutter Lydia Berger zu Hause, hat dafür sogar ihre Arbeitsstelle aufgegeben. Unterstützt von ihrer Schwester Evi Möhrlein (65) kümmert sie sich rund um die Uhr um die alte Dame. Die 90-Jährige sitzt im Rollstuhl und ist in allen Dingen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen - vom Aufstehen, Waschen und Ankleiden bis zum regelmäßigen Trinken und der Einnahme ihrer Medikamente.

Dass die Töchter diese Aufgabe gut meistern und über die notwendigen Hilfsmittel verfügen, verdanken sie der Teilnahme an einem Kurs für pflegende Angehörige. Als sie sich vor zwei Jahren anmeldeten, war ihre Mutter noch selbstständiger, "aber wir wollten vorbereitet sein auf das, was noch kommen kann", erzählt Sabine Schröder.
Eine kluge Entscheidung, denn der Gesundheitszustand der alten Dame hat sich verschlechtert. Parkinson, beginnende Demenz und andere Erkrankungen erfordern ständige Betreuung.

Damit die Pflegenden von heute nicht die Pflegebedürftigen von morgen werden, krank durch permanente Überlastung, bietet die Arbeitsgemeinschaft der Kulmbacher Wohlfahrtsverbände die Lehrgänge an, die abwechselnd unter der Regie der Arbeiterwohlfahrt und des Diakonischen Werks organisiert werden. Am 15. Mai beginnt ein neuer Lehrgang: zwölf Abende, jeweils donnerstags, von 19 bis 21 Uhr in der Awo-Sozialstation in der Schützenstraße. Viel Praktisches wird bei den Treffen vermittelt, aber noch wichtiger: das Wissen, wo Angehörige Unterstützung finden, welche Hilfen es gibt und wie sie ihre Ansprüche durchsetzen können, beispielsweise gegenüber Kranken- und Pflegekassen.

"Jeder sollte den Kurs machen"

Die tägliche Pflege ist ein Knochenjob, weiß Krankenschwester Sabine Streng, die den Kurs leitet. Sie rät: "Jeder sollte so einen Kurs machen, selbst wenn noch niemand in der Familie pflegebedürftig ist. Wenn es dann soweit ist, weiß man, worauf es ankommt.

Evi Möhrlein hat genau das erlebt: "Kaum war der Kurs vorbei, wurde mein Schwiegervater krank. Da konnte ich mein neu erworbenes Wissen gut gebrauchen." Als sehr wertvoll empfinden sie und ihre Schwester, dass sie im Kurs erfahren haben, welche Unterstützungsangebote es gibt: "Der Hospizverein ist nicht nur für Sterbebegleitung da, sondern stärkt auch die Angehörigen, Sanitätshäuser beraten bei zusätzlicher Ausstattung fürs Badezimmer, und wenn viele Windeln anfallen, hat man Anspruch auf eine zusätzliche Mülltonne. Das weiß man doch normalerweise alles gar nicht."

Sabine Schröder hat für die Pflege ihrer Mutter viele Opfer gebracht - für sie eine Selbstverständlichkeit, aber auch ein Kraftakt, der sie bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit fordert. Ihren früheren Arbeitsplatz hat sie aufgegeben und gegen eine Putzstelle am Nachmittag eingetauscht, um vormittags und mittags Zeit für die Versorgung und Pflege der Mutter zu haben. Während die 51-Jährige Geld verdienen geht, wird Lydia Berger abwechselnd von ihrem Lebensgefährten und ihrer älteren Schwester betreut.

Für soziale Kontakte und privates Vergnügen bleibt der pflegenden Tochter schon seit Jahren keine Zeit mehr. Ausgehen oder wenigstens einmal ausschlafen - das gibt es für die Kulmbacherin nicht: "Von morgens halb sieben bis abends um neun ist mein Tag genau durchgeplant. Für meine Mutter ist ein fest strukturierter Tagesablauf wichtig, und für mich auch, um alles schaffen zu können." Wie lange hält sie das durch? "Solange meine Mutter mich braucht."

Zu wenig Wertschätzung

"Die pflegenden Angehörigen sind der größte Pflegedienst Deutschlands, aber ohne Lobby", bedauert Silvia Bauernfeind vom Beratungs- und Betreuungsdienst für pflegende Angehörige der Arbeiterwohlfahrt. "Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen gepflegt, aber wertgeschätzt wird diese Leistung zu wenig." Das Pflegegeld entschädige nur für einen Bruchteil der erbrachten Leistung.

Für den Pflegekurs können sich Interessierte bis 12. Mai anmelden. Alle Teilnehmer erhalten nach Abschluss des Kurses ein Zertifikat. Die Kosten erstatten die Pflegekassen.


Anmelden zum Kurs

Termin Beginn am Donnerstag, 15. Mai, zwölf Abende, jeweils donnerstags von 19 bis 21 Uhr, Sozialstation Schützenstraße 4; zusätzlich ein Praxistag im Altenheim.

Anmeldung Awo-Kreisverband, Obere Stadt 36, Telefon 09221/95690, kreisverband@awo-ku.de

Themen allgemeine Alten- und Krankenpflege, praktische Übungen zum Lagern, Betten und Heben, rechtliche Fragen, Informationen zu alterstypischen Krankheitsbildern, Hilfsangebote, Sterbebegleitung, Umgang mit Medikamenten, Sturzprophylaxe und Rollstuhltraining.




Weitere Hilfen für Angehörige



Viele wertvolle Informationen zur Unterstützung pflegender Angehöriger gibt es hier:

in Kulmbach: Beratungs- und Betreuungsdienst für pflegende Angehörige des Awo-Kreisverbands Kulmbach. Ansprechpartnerin Silvia Bauernfeind, Obere Stadt 36, telefonische Terminvereinbarung unter 09221/9569-32

http://www.awo-ku.de/cms/front_content.php?idcat=66

Bundesministerium für Gesundheit
http://www.bmg.bund.de/pflege/hilfen-fuer-angehoerige/pflegende-angehoerige.html

Deutsche Rentenversicherung
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/1_Lebenslagen/04_Mitten_im_Leben/01_Rente_und_vorsorge/04_angehoerige_pflegen/angehoerige_pflegen_node.html