Wenn Sharon Brach zu Make-up und Kamera greift, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Die Kulmbacher Foto-Künstlerin macht derzeit mit einem ebenso kreativen wie originellen Projekt von sich reden: Sie verwandelt ganz normale Menschen in Filmstars - allesamt Charaktere der Roman-Verfilmung "Game of Thrones" (Spiel der Throne).


Eine ferne und doch reale Welt


Die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie begeistert auch in Deutschland Millionen Fans. Sharon Brach gehört dazu: "Ich bin richtig süchtig danach und kann es gar nicht abwarten, bis die nächste Folge läuft", schwärmt die 39-Jährige. "Die Geschichte fasziniert mich. Sie spielt in einer fremden, fernen Welt, die ganz real wirkt, mit echten Menschen und Gefühlen.
Man kann sich vorstellen, dazu zu gehören."


Kulmbach bietet perfekte Kulisse


Das liegt auch daran, dass Kulmbach für sie "Game-of-Thrones-Land" ist. "Egal, wo man hinschaut, ich sehe überall mögliche Schauplätze." Für Sharon Brach lag es nahe, beides zu verbinden: Sie suchte für ein Foto-Shooting Menschen, die Lust auf das Spiel mit einer neuen Identität hatten, und wurde in ihrem Freundeskreis fündig.
Kerstin Deichsel und Domenica Midina DeMarco haben schon bei früheren Foto-Projekten als Amateur-Models mit Sharon Brach gearbeitet. Die beiden Kulmbacherinnen waren sofort begeistert von der Idee. "Wenn Sharon ruft, sind wir immer dabei - egal für was", sagt Domenica Midina DeMarco, die sogar schon einmal als "goldene Frau" (James Bond) für die Kamera posierte. Im aktuellen Projekt ist sie die Dienerin Doreah.

"Sharon nimmt uns Normalos und macht was aus uns. Das ist einfach toll", sagt Kerstin Deichsel. Sie ist restlos begeistert von den Bildern, in denen sie Catelyn Stark geworden ist.

Für Sharon Brach ist das Teil ihrer Philosophie: "Jeder kann wie ein Hollywood-Star aussehen. Es geht darum, die beste Seite eines Menschen zu finden und diese dann im richtigen Licht zu zeigen."

So einfach, wie das klingt, ist das freilich nicht, aber Sharon Brach ist es gelungen: Acht Kulmbacher hat sie verwandelt und fotografiert. Entstanden sind Einzelportraits und verschiedene Szenefotos. Wer "Game of Thrones" kennt, staunt, wie nahe die Kulmbacher Inszenierung dem Original kommt.

Der Fotografin kommt bei der Umsetzung ihrer Idee ihre umfassende künstlerische Ausbildung zu Gute. Auf den Philippinen studierte sie Kunst mit Schwerpunkt Marketing. Grafik, Malerei, Fotografie, Kostümbild, Tanz, Schauspiel - all das stand auf ihrem Stundenplan. Sie arbeitete bei einer großen asiatischen Modezeitschrift und als Designerin.

Mit 23 Jahren zog sie nach New York und entdeckte das Theater für sich. Sie sang, schauspielerte und tanzte auf verschiedenen Bühnen und unterrichtete an Tanzschulen. Mit ihrem Mann Oliver Brach zog sie vor elf Jahren in dessen Heimatstadt Kulmbach. Hier ist sie unter anderem als Englischlehrerin in der Kindertagesstätte "Lummerland" tätig.


Kreativ mit Improvisation


Unter dem Namen "SharonB" wird sie aber auch als Fotokünstlerin zunehmend bekannter, nicht zuletzt durch ihre ungewöhnlichen Projekte, in denen sie mit einfachen Mitteln spektakuläre Effekte erzielt. Das Make-up übernimmt sie selbst und ist dabei sehr zurückhaltend: "Schminke soll nicht verdecken, sondern an den richtigen Stellen betonen."

Sehr beeindruckend wirken die Kostüme der Laien-Modelle, doch sogar dabei kann man mit Fantasie und Erfahrung mit wenig auskommen: "Wir haben überwiegend benutzt, was die Leute im Kleiderschrank haben, und das mit ein paar Vorhängen und anderen Stoffen ergänzt", erzählt Sharon Brach. Kerstin Deichsel hat sich für die Inszenierung einen Umhang mit Kapuze gekauft, Domenica Midina DeMarco hat sich ihr Kostüm selbst genäht.


Der lange Weg zum perfekten Bild


Das erste Foto-Shooting dauerte einen ganzen Tag. "Ich arbeite mit einer ganz normalen Kamera, bearbeite nur wenig am Computer nach", sagt die Fotografin." Ihr Rezept für ein perfektes Bild: "Geduld haben, um das richtige Licht zu finden".

Geduld mussten auch die Models mitbringen: Sharon Brach will das bestmögliche Ergebnis, und das bedeutet, immer wieder die Posen wechseln, lange in derselben Stellung verharren, den passenden Gesichtsausdruck, die perfekte Körperhaltung finden. Am Ende dieses Tages hat sie 1000 Bilder aufgenommen. "Das schwierigste ist die Auswahl danach."

Doch die Mühen haben sich gelohnt. Das zeigen auch die Reaktionen, die Sharon Brach auf Facebook auf ihre Bilder bekommt. Dort hat auch die BR-Redaktion die ungewöhnlichen Aufnahmen entdeckt.

Das "Game-of-Thrones"-Projekt ist keine kommerzielle Arbeit, sondern eine künstlerische Idee, an deren Umsetzung niemand etwas verdient. "Wir machen das, weil es uns Spaß macht, weil es ein reizvolles Thema ist", sagt die Künstlerin. Der Lohn ihrer Models sind Erinnerungsfotos mit einem Hauch von Hollywood.

Abgeschlossen ist das Projekt übrigens noch lange nicht. Es wird weitere Foto-Shootings geben, "auf jeden Fall eins im September und eins, wenn viel Schnee liegt". Sharon Brach ist nämlich noch nicht ganz zufrieden: "Ich will noch mehr Effekt haben, andere Licht-Stimmungen, ein bisschen gruselige Atmosphäre." Schon bald dürfen sich die Fans ihrer Arbeit also auf neue Motive freuen.


Vorlage "Game of Thrones" ist eine US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie von David Benioff und D. B. Weiss für den US-Kabelsender HBO. Die von den Kritikern sehr gelobte und kommerziell erfolgreiche Serie basiert auf der Roman-Reihe "Das Lied von Eis und Feuer" von George R. R. Martin.

Weitere Bilder von SharonB gibt es hier auf Facebook

Mehr über das Spiel der Throne auf der deutschsprachigen Fanseite und auf Wikipedia