"Absolut lebensbedrohlich. Dies ist eines der gefährlichsten Szenarios, denen wir bei unseren Einsätzen begegnen." Wenn Kreisbrandinspektor Manuel Steinl von Rauchgasentzündungen berichtet, kennt er die Gefahren, die im Ernstfall Leib und Leben seiner Kameraden und Kameradinnen bedrohen. Doch die Feuerwehrleute können sich vorbereiten.

Kulmbach, auf einem Gelände nahe der Kläranlage: Dort haben die Feuerwehren ihr Camp aufgeschlagen. Ein Zelt, ein paar Tische, ein Lkw mit Ausrüstung. Und natürlich der Brandübungscontainer. Er gehört dem Landesfeuerwehrverband und wird von der Firma Dräger finanziert, die die Mannschaften mit Ausrüstung beliefert. Darunter Atemschutzgeräte. Sie sind von essenzieller Bedeutung, weil sie erst einen Innenangriff ermöglichen, ohne dass sich die Einsatzkräfte lebensgefährliche Rauchgasvergiftungen einhandeln. Uwe Mai, Herr über die Atemschutzstrecke, gibt sie aus.

Die Probanden, darunter die 27-jährige Caroline Keller aus Mainleus als einzige Frau, rüsten sich fürs Training. Schutzanzüge werden angelegt, Handschuhe und Masken, in die der Sauerstoff der Atemschutzgeräte strömt. Ausbilder Stefan Müller aus Schweinfurt erklärt, worauf es ankommt. Und wie man mit dem Strahlrohr am effizientesten löscht: "Drei Stöße mit dem Wasser, einer links, einer rechts, einer in der Mitte."

Dann geht es los. Ein Trupp trägt Sperrholzplatten in den Übungscontainer. Ein Teil davon kommt in eine Art Feuerkorb, die anderen werden mit Stahl-Ketten an den Wänden fixiert. Insgesamt ist es so viel Material, wie es ein großer Kleiderschrank liefert. Mit einem Bunsenbrenner entzündet der Trainer die Platten. Zu diesem Zeitpunkt ist die Mannschaft schon im Inneren.

In Windeseile lodern die Flammen, beißender, grau-weißer Rauch dringt ins Freie. Die Feuerwehrleute kauern am Boden, geschützt durch eine Art Poncho, der die Anzüge vor den Temperaturen schützt. Und die sind brutal. Die wenigen Spanplatten geben eine immense Hitze ab. Auf rund 500 Grad Celsius erhitzt sich die Luft. So viel, dass Masken verschmoren, die zur Demonstration aufgehängt wurden. Die Visiere sind völlig verschmort.

Markus Pöhner (41) aus Neudrossenfeld sagt: "Hier ist man direkt dran an den Flammen. Spürt die Hitze, die Abstrahlung. Kann miterleben, wie sich das Feuer unter realen Bedingungen entwickelt." Ruß und Rauch versperren die Sicht. Um realistische Einsatzbedingungen zu simulieren, werden die Eingangstüren zum Container sogar kurzzeitig geschlossen. Innen tobt die Hölle. Dominik Hofmann (40) aus Himmelkron: "Hier können wir Erfahrungen sammeln. Sehen, wie sich das Flammbild entwickelt, ohne selbst in Gefahr zu geraten."

Rauchgas erhitzt sich

Die Rauchgase erhitzen sich immer weiter. Wenn die Türen wieder geöffnet sind, strömt frischer Sauerstoff ins Innere, und explosionsartig entzünden sich die Gase in einem "Flash Over": Die Flammen schlagen ins Freie. "Wenn da noch ein Mensch drinnen gewesen wäre, könnten wir ihn nur noch bergen", sagt der Trainer nach der Übung. Bedrücktes Schweigen bei den Teilnehmern.

"Das ist eine absolut wichtige Übungsmöglichkeit", sagt Tobias Titze, Kreisbrandmeister und speziell zuständig für Atemschutz: "Unsere Leute können hier unter Realbedingungen üben. Sich an die Temperaturen gewöhnen. Und die effizientesten Methoden ausprobieren. Von diesem Wissen profitieren sie im Ernstfall. Die echten Bedingungen sind nur in diesem Container darstellbar." Michael Peetz aus Neudrossenfeld bestätigt das: "Das ist echte Praxis. Ganz anders, als bei einer Power-Point-Präsentation."

Titze hat zusammen mit weiteren Kameraden die Übung begleitet. Als Sicherheitscrew hätten sie sofort eingreifen können, wenn etwas aus dem Ruder gelaufen wäre. Dazu zählt auch die Versorgung mit Löschwasser. Das kommt aus einem Hydranten. Wäre hier die Leitung zusammengebrochen, hätten man weiter löschen können - mit 5000 Litern, die in einem Faltbehälter als Reserve zur Verfügung standen. Doch die wurden nicht gebraucht. Nach dem Einsatz in der "Feuerhölle" waren alle froh, wieder im Freien zu sein. Das Fazit ist durchweg positiv. Für einige von ihnen ist es die erste Übung dieser Art. Denn der Brandübungscontainer steht nur wenige Tage zur Verfügung. 64 Frauen und Männer konnten diesmal trainieren. Caroline Keller sagt: "Ich habe acht Jahre lang warten müssen, bis ich an der Reihe war."