Im Interview erzählt er von den Höhen und Tiefen des Gründerseins und dem Weg der damaligen Drei-Mann-Werbeagentur hin zum 18-köpfigen Technologie-Unternehmen, das heute zahlreiche Mittelständler, aber auch Großunternehmen wie Bosch, Siemens Healthineers, HUK Coburg u.a. erfolgreich bei der digitalen Transformation berät und unterstützt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Christian Schieber: Ich hatte schon von klein auf den Drang, die eigene Zukunft aktiv und frei zu gestalten und dabei etwas aufzubauen. Das begann bereits mit den Banden und den selbstgebauten Baumhäusern während der Schulzeit , ging über die erste Web-Agentur im Studium bis hin zu bytabo. Wie es dann tatsächlich zu der Gründung kam, könnte eine Beispiel-Geschichte aus einem Buch über digitale Fügungen sein. Denn als ich nach Bamberg zum Master-Studium gezogen bin, wollte ich unbedingt in einem Startup arbeiten. Doch leider hatte ich mit meinen Bewerbungen keinen Erfolg. Die Fügung war dann, dass ich über den Facebook-Such-Post meines Mitgründers Niklas stolperte und so mein eigenes Startup gründete.

Bei Firmen wie Ihrer heißt es immer, der Standort sei nicht ausschlaggebend?

Ich glaube auch nicht, dass der Standort ausschlaggebend ist. Nicht zuletzt Corona hat uns dies nochmals vor die Augen geführt. Wichtig ist, wo das Netzwerk und die Wahrnehmung ist, dann verliert der physische Standort an Bedeutung. Denn am Ende zählt, dass wir die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Da ist es egal, wo das stattfindet.

Was hat dann für den Standort Bamberg gesprochen?

Der Hauptgrund war, dass Niklas und ich beide in Bamberg studiert und gewohnt haben. Zudem ist Bamberg natürlich eine tolle Stadt an sich, die durch die Lage zwischen München und Berlin und die Nähe zu meiner Heimatstadt Kulmbach glänzen kann. Dazu kommen die guten Institutionen, die junge und etablierte Unternehmen miteinander vernetzen - und die Universität, die brillante Informatiker hervorbringt.

Was könnte ein Mittelzentrum wie Kulmbach tun, um Gründer oder junge Unternehmen wie bytabo für sich zu begeistern und dann hier zu halten?

Kulmbach ist ebenfalls eine wahnsinnig tolle Stadt und erfüllt somit die grundlegende Voraussetzung für eine Startup-Szene. Doch ich denke, dass eben auch die Vernetzung zwischen den Unternehmen eine große Rolle spielt. In Bamberg gibt es beispielsweise den Bamberg Startups e.V., der regelmäßige Gründertreffen veranstaltet. Zudem ist auch die Nähe zu der Forschung gegeben und auch zu der Praxis, das heißt zu den Firmen. Wenn man eine Art Gründerkultur (Events, Netzwerke, Gelder) in Kulmbach etablieren könnte, wäre das für viele Gründer umso verlockender.

Ist der in Kürze startende Uni-Campus ein (wichtiges) Argument?

Meines Erachtens nach auf jeden Fall. Nur durch die Verbindung Startup - Uni - Wirtschaft können wir langfristig ein nachhaltiges und innovatives System hier in Deutschland aufbauen. Motivierte GründerInnen sind natürlich nicht nur an der Uni. Aber auch für nicht akademische GründerInnen kann die Universität und die Wissenschaft eine perfekte Ergänzung sein.

Was haben Sie als Gründer gelernt? Was würden Sie genauso wieder oder ganz anders machen?

Ich würde alles wieder genauso machen. Auch alle Fehler. Denn diese haben mich geformt. Wenn etwas schlecht lief, haben wir es verbessert, und durch das Lernen war es dann meist besser als vorher. Aber als Tipp kann ich sagen: Seid zuverlässig, haltet das, was ihr versprecht, und setzt es um. Habt keine Angst, in Deutschland haben wir meist wenig zu verlieren. Als letztes großes Learning sollte man unbedingt an seinen Kommunikationsfähigkeiten arbeiten. Denn Kommunikation ist ein großes Geschenk, aber auch ein sehr gefährliches.

Welchen Kontakt haben Sie noch in Ihre Geburtsstadt?

Meine Familie wohnt noch immer in Kulmbach, ebenfalls meine damaligen Freunde, die ich leider sehr wenig sehe. Wir waren zu Schulzeiten alle unzertrennlich - und manchmal schmerzt es, dass man mit Familie und Job selten in die Heimat kommt. Deswegen, meine lieben Kulmbacher Freunde: Ich denke an Euch und freue mich, wenn wir uns bald wieder sehen. Spätestens natürlich zum Bierfest!