Die Proteste der Bürger in der Unterpurbach nimmt die SPD in Kulmbach zum Anlass, erneut einen Wohnungsgipfel zu fordern.
Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Ingo Lehmann, schreibt in einer Pressemitteilung: "Nach den Protesten der Bürgerinnen und Bürger in der Unterpurbach wird es höchste Zeit, dass die Stadt Kulmbach endlich auf den Vorschlag der SPD-Stadtratsfraktion, einen Wohnungsgipfel in der Stadt durchzuführen, eingeht."
Die SPD habe diesen Antrag bereits im Januar gestellt, er sei dann aber von den Fraktionen der CSU und der WGK "zerredet und abgelehnt worden". Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) habe betont, er wolle den Antrag zunächst einmal zurückstellen.
In dem Antrag hatte es geheißen: "Der Uni-Campus in Kulmbach nimmt allmählich konkrete Formen an. Wir als SPD-Stadtratsfraktion unterstützen dieses Vorhaben ohne Wenn und Aber. Allerdings stellen sich bereits heute die Fragen, wo die (erwarteten) 1.000 Studenten alle unterkommen sollen, wie konkret sieht es mit dem Bau eines oder mehrerer Studentenwohnheime aus, welche Standorte bieten sich an, wie sieht das Mietniveau für die Studentinnen und Studenten aus und welche Auswirkungen ergeben sich durch den Uni-Campus auf das Mietniveau in der Stadt Kulmbach insgesamt? Aus unserer Sicht wird es höchste Zeit, dass die Stadt Kulmbach zu einem Wohnungsgipfel einlädt. Diesen hat bereits die Regierung von Oberfranken im vergangenen Jahr vorgeschlagen."
Weiter hatte es geheißen: "Im Namen der SPD-Stadtratsfraktion stellen wir den Antrag, dass die Stadt Kulmbach die Regierung von Oberfranken, das Landratsamt Kulmbach, die Universität Bayreuth mit dem Studentenwerk Oberfranken, die Sparkasse und die VR-Bank, den Mieterverein Kulmbach und Umgebung, Vertreter der Stadtratsfraktionen sowie die Wohnungsunternehmen zu einem gemeinsamen Wohnungsgipfel einlädt, bei dem die angesprochenen Fragestellungen behandelt und entsprechende Lösungsansätze erarbeitet werden."
Auch bei der Regierung von Oberfranken ist der Kulmbacher Mietmarkt offenbar ein Thema. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Christoph Reichl, Leiter des Sachgebiets Wohnungswesen, gegenüber der Bayerischen Rundschau erklärt: "Das Angebot an qualifizierten und bezahlbaren Wohnungen ist zu gering". Für Durchschnittsverdiener, die keine unsanierte Wohnung möchten, sich aber auch kein Hochpreisniveau leisten könnten, gebe es wenig Auswahl. Dies treffe oft Menschen mittleren Alters, die sich überlegen, wo sie sich ihre Zukunft aufbauen möchten. Deshalb schlug auch Reichl einen Kulmbacher Wohnungsgipfel vor, auf dem Stadt, Wohnungsunternehmen und Regierung Ideen entwickeln, um "vorausschauend eine Entwicklung zu gesunden Wohnstrukturen anzustoßen". Bedarf sei, so Reichl damals, in Kulmbach wie in anderen Orten Oberfrankens vorhanden.
Immobilienmakler Matthias Koch hatte Ende des vergangenen Jahres erklärt: ""Teilweise haben wir oberbayerische Verhältnisse. Wenn wir eine Wohnung ausschreiben, sind 20 bis 30 Anfragen in kürzester Zeit ganz normal - bei Wohnungen mit einem gewissen Standard auch 40 bis 50." Am stärksten nachgefragt seien derzeit Drei-Zimmer-Wohnungen."
Udo Petzoldt, Vorstand der Baugenossenschaft, warnt: "Wenn wir jetzt anfangen, zu planen, können wir die historische Chance für Kulmbach nutzen. Wenn wir warten, bis die Uni gebaut ist, werden wir Probleme kriegen."
Die Kulmbacher SPD begründet ihren aktuellen Antrag nun so: "Nachdem bereits die ersten Proteste von Bürgern aus der Matthäus-Schneider-Straße und der Hagleite aufgekommen sind, haben sich jetzt auch die Unterpurbacher zu Wort gemeldet und gegen mögliche Neubauten ihren Widerspruch deutlich gemacht. Das zeigt ganz eindeutig, dass die Stadt Kulmbach endlich auf unsere Vorschläge eingehen muss. Einen Wohnungsgipfel für Kulmbach hat die Regierung von Oberfranken bereits im letzten Jahr angeregt."
Weiter schreibt Ingo Lehmann: "Gerade mögliche Standortfragen könnten bei diesem Gipfel erörtert, behandelt und letzten Endes auch festgelegt werden. Unser Angebot an die Stadt Kulmbach steht nach wie vor, jetzt muss die Stadt unsere ausgestreckte Hand auch annehmen."
Auch die Bayerische Rundschau nimmt sich des Themas an. Sie lädt zu einem Informations- und Diskussionsabend am Mittwoch, 27. Juni, 19.30 Uhr, in Kulmbach ein.