Als ihr der Gerichtsvollzieher den Strom abstellte, erstattete eine 69-jährige Rentnerin aus dem Landkreis Kulmbach kurzerhand Anzeige, und zwar wegen Hausfriedensbruchs. Die Polizei hatte das Verfahren natürlich schnell wieder fallen gelassen, doch jetzt musste sich die Rentnerin wegen falscher Verdächtigung vor Gericht verantworten.

Das Verfahren wurde zwar eingestellt, doch muss die Frau als Geldauflage 1000 Euro an den Bewährungshilfeverein "Fähre" bezahlen. Damit kam die Angeklagte allerdings noch ganz gut davon, denn so richtig einsichtig war sie während der Hauptverhandlung nicht.


Streit mit Stromversorger


Hintergrund war ein Streit mit dem Stromversorger um offene Forderungen von rund 1200 Euro. Obwohl die Firma Eon bereits einen Titel gegen die Frau erwirkt hatte, zahlte sie lediglich zwei Raten von 100 Euro, dann kümmerte sie sich wochenlang nicht mehr darum.
Der Stromversorger beauftragte daraufhin im April 2015 den Gerichtsvollzieher, die Stromversorgung abzuklemmen.

Das tat der Mann dann auch, nicht ohne sich vorher bei der Angeklagten anzukündigen. Doch die zog es vor zu verschwinden, und so stand der gute Mann mit einem Mitarbeiter vor verschlossenen Türen. Da der Schlüssel in der Haustür steckte, zog der Mann seinen Auftrag durch, stellte den Strom ab, sperrte die Tür wieder zu und hinterlegte den Hausschlüssel bei der Polizei.


"Das ist pure Schikane"


"Das ist pure Schikane" schimpfte die Frau im Gerichtssaal. Das Abholen des Schlüssels hatte sie dazu genutzt, um Anzeige zu erstatten. Die Firma Eon hätte kein Recht gehabt, den Strom abzustellen, da sie bereits einen anderen Stromversorger beauftragt hatte. Die aber erst zum 1. Juni, so dass die Eon im Recht war.

Das wollte die Frau aber partout nicht akzeptieren. "Ich hab doch nicht gedacht, dass der das wirklich wahrmacht", sagte sie. Verteidiger Ralph Pittroff m meinte, dass seine Mandantin durchaus zahlungswillig gewesen sei. Einen Tag nach dem Besuch des Gerichtsvollziehers hatte sie tatsächlich die volle Summe überwiesen. Damit fiel aber auch die Ausrede weg, dass sie nicht gewusst habe, wie hoch der noch ausstehende Betrag sei.
Sie habe nicht kochen können, die Räume seien kalt gewesen und das Garagentor habe sich nicht öffnen lassen, sagte die Frau. Vielleicht lässt sich auch damit die plötzliche Zahlungsmoral erklären. "Zahlen muss man bei Fälligkeit und nicht nachher", belehrte sie Richterin Sieglinde Tettmann.


Durch Abwesenheit geglänzt


"Die Angeklagte hat es vorgezogen, durch Abwesenheit zu glänzen", machte der Gerichtsvollzieher seinem Ärger Luft. Die Frau hätte sich halt vorher an ihn wenden müssen. "So läuft das normalerweise, und nicht umgekehrt." Die Anzeige habe ihm viel Zeit gekostet, da er von der Polizei zu einerVernehmung vorgeladen wurde, erst danach sei die Einstellung erfolgte. Die Angeklagte habe sich nicht von der Anzeige abbringen lassen, sagte der zuständige Beamte.

"Es war halt ein nicht unerheblicher Eingriff in die Privatsphäre", verteidigte Rechtsanwalt Pittroff seine Mandantin und regte eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an. Einstellung ja, aber gegen eine relativ hohe Geldauflage von 1000 Euro, waren sich Richterin und Staatsanwältin Irena Scrag einig.