Die Emotionen kochen hoch, seit der Landkreis eine neue Allgemeinverfügung erlassen hat. Nachdem der Inzidenzwert zwischenzeitlich auf über 300 gestiegen war (gestern lag er bei 259,90), gelten seit Montag verschärfte Regeln. Warum dies so ist, erläutert der Leiter des Corona-Krisenstabs, Oliver Hempfling. Er äußert sich auch zur Kritik, die vor allem in den sozialen Medien geübt wird.

Herr Hempfling, die Kritik an den verschärften Regeln im Landkreis Kulmbach ist groß, wie an den Beiträgen in den sozialen Medien zu sehen ist. Ein Vorwurf: Die Allgemeinheit leidet, weil man die Lage in den Altenheimen nicht in den Griff bekommt. Aufgrund der dortigen Lage sei der Inzidenzwert so rasant gestiegen, die Zahl der Toten in die Höhe geschossen. Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?

Oliver Hempfling: Wir haben im Vorfeld der Allgemeinverfügung die Zahlen analysiert. Auch bei einer Bereinigung um die Altenheimfälle läge unsere Inzidenz deutlich über dem Landesdurchschnitt. Dies liegt an zuletzt vielen diffusen Fällen außerhalb der Heime. Daher mussten wir sowohl im privaten Bereich als auch bei den Heimen den Hebel ansetzen.

Die Kritik wird auch an Ihrer Behörde laut. Es ist aber sicher so, dass ab einem Inzidenzwert von 300 die verschärften Regeln vorgeschrieben sind. Hat das Landratsamt beim Erlass der Allgemeinverfügung einen Spielraum?

Nein, die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung schreibt vor, dass ein Kreis bei deutlich höherer Inzidenz als der Landesdurchschnitt weitergehende Maßnahmen treffen muss. Wir liegen seit dem Wochenende etwa doppelt so hoch wie Bayern im Gesamtschnitt. Unsere Allgemeinverfügung musste inhaltlich auch mit der Regierung von Oberfranken und dem Bayerischen Gesundheitsministerium abgestimmt werden.

In der Stadt Coburg und im Landkreis Wunsiedel lag der Inzidenzwert auch über 300, es gilt aber nicht die Regel, dass man sich mit Angehörigen eines anderen Hausstandes nicht treffen darf. Warum fährt Kulmbach einen härteren Kurs?

Der Inhalt einer Allgemeinverfügung hängt vom konkreten Ausbruchsgeschehen ab. Daher differieren die Verfügungen einzelner Landkreise untereinander und setzen den Hebel unterschiedlich an. Insofern ist die eine Regelung hier strenger, die andere dort.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Inzidenzwert in den nächsten Tagen wieder sinkt. Warum wurde schon jetzt festgelegt, dass die verschärften Regeln bis einschließlich 24. Januar gelten? Es ist ein langer Zeitraum, für den viele kein Verständnis haben.

Eine Allgemeinverfügung muss hinreichend bestimmt sein. Dies gilt auch für ihre Geltungsdauer. Sollte sich unsere Inzidenz dem Landesdurchschnitt früher wieder annähern, werden wir die Verfügung auch vor dem 24. Januar wieder aufheben.

Verstehen Sie den Ärger der Leute, die am Arbeitsplatz Kontakt mit einem Dutzend Personen haben, sich aber nicht mal mehr privat mit dem Kollegen treffen dürfen?

Natürlich ist das verständlich. Aufgrund der Vielzahl der Regelungen, die es mittlerweile gibt, entstehen immer Konstellationen, die widersprüchlich scheinen. Zu bedenken ist aber, dass am Arbeitsplatz Schutz- und Hygienekonzepte bestehen, die das Miteinander regeln. Im privaten Bereich gibt es das leider oft nicht.

Viele, die keine Zeitung haben, nicht Radio hören und nicht im Internet unterwegs sind, wissen von den verschärften Regeln noch nicht. Sehen Sie in Sachen Information Nachholbedarf?

Wir bemühen uns, auf allen Kanälen, die uns zur Verfügung stehen, Informationen an unsere Bürger weiterzugeben. Ob Pressegespräche, Pressemitteilungen, Beiträge in sozialen Medien, Internet, Hotlines oder Radiointerviews. Wir erleben aber eine Situation, in der wir alle mehr denn je zusammenstehen müssen. Daher appelliere ich an die Solidarität aller, nicht nur bei Einhaltung der Regelungen, sondern auch wenn es darum geht, sich gegenseitig zu informieren.

Inzidenzwert ist wieder leicht gesunken

Elf weitere positive Coronavirus-Fälle sind bis gestern Nachmittag im Landkreis Kulmbach bestätigt worden. Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie nachgewiesenen Covid-19-Infektionen stieg auf 1672. Von diesen Fällen gelten inzwischen 1262 (plus 26 zum Vortag) wieder als genesen. Die Zahl der im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion stehenden Todesfälle im Landkreis ist um eine Person auf 61 angestiegen. Unter Berücksichtigung der Verstorbenen liegt die Anzahl der aktuell im Landkreis infizierten Personen bei 349. Von diesen Infizierten fallen 186 Fälle in die letzten sieben Tage. Der aktuelle 7-Tage-Inzidenz-Wert pro 100 000 Einwohner für den Landkreis Kulmbach sinkt damit auf 259,90.

674 Landkreisbürger befinden sich momentan in Quarantäne. Im Klinikum Kulmbach werden 38 Personen stationär betreut, sechs davon intensiv. Fünf der stationär betreuten Personen haben ihren Wohnsitz außerhalb des Landkreises.

Seit Montag sind nicht zwingend notwendige private Treffen im Landkreis aufgrund der zu hohen Infektionszahlen untersagt. Dies gilt zunächst bis einschließlich 24. Januar.

Alle Allgemeinverfügungen des Landkreises sind jederzeit im Internet unter der Adresse www.landkreis-kulmbach.de abrufbar.