Susanne Stübinger und ihr Team aus der Kommunbräu hätten nun doch gerne weitergemacht. Das Wirtshaus weiterbetrieben, auch wenn das nach dem Tod ihres Mannes im Mai zunächst noch anders ausgesehen hatte. Aber dann hätten sie und ihr Team sich neu organisiert, die Herausforderungen gemeinsam gestemmt. "Alles hat funktioniert, wir waren super aufgestellt", sagt die Wirtin. Deshalb habe man zusammen beschlossen, in der Kommunbräu weiter zu machen. Doch Mitte November wurde ihr der Pachtvertrag gekündigt - am gleichen Tag, an dem sie dem Vorstand der Genossenschaft schriftlich ihre Bereitschaft zur Weiterführung des Wirtshauses mitgeteilt hatte, erklärt die 44-Jährige. Das sei eine unverständliche Reaktion.

Verständnis erwartet

Der Vorstand beziehe sich auf zwei Dinge: zum einen auf ihre Äußerungen im Mai, aufhören zu wollen. "Das war sechs Wochen nach dem Tod meines Mannes", sagt sie. "Da könnte man Verständnis für so eine Aussage erwarten." Aber als die 40-köpfige Wirtshausmannschaft zusammen angepackt und der Betrieb funktioniert habe, habe sich ihre Meinung geändert. Alle seien für die Zukunft der Kommunbräu optimistisch gewesen - auch als es im Oktober wieder mit den Corona-Regeln losging. "Wir waren bestens vorbereitet, hatten Reservierungen für viele Weihnachtsfeiern."

Zum anderen, so sagt Susanne Stübinger, werde ihr vorgeworfen, nicht auf eine Aufforderung reagiert zu haben, ein neues Konzept für die Kommunbräu vorzulegen. Für sie unverständlich, weil es in der Pandemie im Rahmen der Umstände gut gelaufen sei und sie deshalb weiterhin auf fränkische Wirtshauskultur setzen wolle. Die einzige Änderung, die es gegeben habe, sei die Einführung eines Ruhetags gewesen. Sie hätte sich ein offenes Gespräch gewünscht, das es aber nicht gegeben habe. Für die Kündigung, die Mitte des Jahres greift, gibt es ihrer Ansicht nach keine vernünftige Begründung. Ihres Wissens nach existiert inzwischen schon eine Absichtserklärung eines potenziellen Nachfolgers für die Übernahme der Kommunbräu.

Die Schwiegereltern der 44-Jährigen hatten vor 22 Jahren in der Kommunbräu als Wirte angefangen. Ihr Mann sei dann 9,5 Jahre der Pächter gewesen. Sie selbst arbeite seit 14 Jahren in der Kommunbräu mit. Nun habe sie das Gefühl, dass kein Interesse daran besteht, dass sie und ihr Team die Gaststätte weiterführen. "Das wäre sehr schade. Wir fühlen uns wie daheim, wie eine Familie und lieben unser Wirtshaus." Aber wenn man nicht mehr erwünscht sei, überlege man, als Wirtshausmannschaft etwas anderes auf die Beine zu stellen.

Wie der Vorstandssprecher der Genossenschaft, Kai-Michael Meins, mitteilt, befinde sich die Kulmbacher Kommunbräu e.G. in der Situation, "mit der Pandemie und dem plötzlichen Tod unseres Pächters Frank Stübinger zeitgleich zwei Ereignisse verwalten zu müssen, die unser Geschäft stark beeinflussen". Im Frühsommer 2021 habe man den Prozess der Neuverpachtung gestartet. "Dies geschah auf der grundlegenden Entscheidung von Susanne Stübinger, nicht weiter für eine Verpachtung zur Verfügung zu stehen. Dies haben wir bedauert, konnten ihre Entscheidung aber nachvollziehen. Über die laufenden Entwicklungen haben wir sie dann stets informiert gehalten", so Meins.

Nachdem Susanne Stübinger im November mitgeteilt habe, dass sie nun doch gerne weiter machen möchte, habe man ihr die Möglichkeit eingeräumt, in den bereits weit fortgeschrittenen Bewerbungsprozess noch einzutreten. Das sei nicht erfolgt. "Weitere Einzelheiten über Betriebsinterna sehen wir allerdings am Verhandlungstisch und nicht in der öffentlichen Diskussion", erklärt Meins.

Mit Blick auf die Bewerbungsaufforderung widerspricht Susanne Stübinger allerdings dem Vorstand. Sie habe zwar eine E-Mail erhalten, die jedoch sehr locker formuliert gewesen sei ("Wenn du Zeit und Lust hast...") und die sie - und auch andere - nicht als offizielle Aufforderung für eine Bewerbung verstanden hätten. Deshalb habe sie darauf nicht reagiert, zumal sie da bereits erklärt hatte, die Kommunbräu zu den bestehenden Bedingungen und in der bekannten Art und Weise weiterführen zu wollen.

Wirtshauskultur der Grundpfeiler

Wie es nun weitergeht? Meins zufolge ist es Aufgabe des Vorstands, "eine tragfähige und zukunftssichere Lösung für die Genossenschaft und die Gaststätte zu finden". Dabei stehe die fränkische Wirtshauskultur als einer der Grundpfeiler im Gründungsvertrag. Abschließend betont er: "Wie wir auch bereits in der Kommunikation mit unseren Genossen kurz vor Weihnachten geschrieben haben, möchten wir uns ausdrücklich bei Susanne Stübinger für ihr Engagement in den vergangenen Monaten bedanken. In einer nicht vorstellbaren persönlichen Belastung hat sie den Betrieb der Gastwirtschaft unter wechselnden Pandemiebedingungen zum Wohle der Kulmbacher Kommunbräu weitergeführt." Wer der neue Pächter sein könnte und wie das neue Konzept aussehen soll, dazu will Meins noch nichts verraten.