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Wirtschaft

Kulmbacher Brauerei braut Kitzmann-Bier für Bergkirchweih

Nach dem überraschenden Aus der Kitzmann Bräu hat sich die Kulmbacher Brauerei die Markenrechte des Erlanger Traditionsunternehmens gesichert.
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Die Kulmbacher Brauerei wächst weiter: Ab sofort braut und vertreibt sie das Bier der Erlanger Kitzmann Bräu GmbH, die zum Ende des Monats September überraschend geschlossen wurde. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Die Kulmbacher Brauerei wächst weiter: Ab sofort braut und vertreibt sie das Bier der Erlanger Kitzmann Bräu GmbH, die zum Ende des Monats September überraschend geschlossen wurde. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
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Die Internetseite der Erlanger Kitzmann Bräu ist noch online. Unter dem Link "News & Events" wird für 20. Oktober um 18 Uhr der Bockbier-Anstich angekündigt - "bei uns im Brauereihof". Daraus wird aber nichts, denn das Unternehmen hat zum 30. September seinen Betrieb eingestellt - ein Paukenschlag für die 35 Mitarbeiter und die Wirtschaft der mittelfränkischen Universitätsstadt.

Doch das Bier, das nicht zuletzt durch den Ausschank auf der Erlanger Bergkirchweih bekannt ist, soll weiterleben. Die Kulmbacher Brauerei hat bereits die Markenrechte übernommen - zum 1. Oktober, wie Pressereferentin Natalia Balacka gestern auf Anfrage der Bayerischen Rundschau bestätigte.

Welche Auswirkungen hat dieser Deal nun auf die Verbraucher? Wird das Kitzmann-Bier künftig in Kulmbach gebraut? Welches Rezept wird dafür verwendet - das bisherige des Erlanger Unternehmens oder ein eigenes der Kulmbacher Brauerei. In einem Internet-Kommentar auf dem Portal www.nordbayern.de vermutet ein User: ..."Kulmbacher wird wohl einfach auf sein eigenes Bier ein Kitzmann-Etikett draufkleben und gut ist, leider."

Ganz so einfach ist es nicht, wie Natalia Balacka mitteilt. "Wir werden Biere der Marke Kitzmann ab sofort in einer unserer Brauereien herstellen. Unsere Braumeister haben sich sehr viel Mühe gegeben, dass den Kitzmann-Freunden ihr Lieblingsbier auch künftig schmecken wird."

Schlüssel-Sortiment bleibt

Nach den Angaben der Pressereferentin geht es dabei um das Schlüssel-Sortiment der Marke Kitzmann wie beispielsweise das Edelpils, das helle Lager, das Bergkirchweih-Bier, das Kellerbier und das Kitzmann-Weißbier. Die reibungslose Versorgung der Kundschaft in Gastronomie und Handel werde sichergestellt. Heißt im Klartext: Getränkemärkte, die das Kitzmann-Bier in ihrem Sortiment hatten beziehungsweise neu aufnehmen möchten, werden damit von der Kulmbacher Brauerei ab sofort bedient.

Bedeckt hält sich die Kulmbacher Brauerei allerdings in Bezug auf die Mengen, die von dem Erlanger Bier künftig hergestellt werden sollen. "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns dazu nicht äußern möchten", so die Unternehmenssprecherin, die auch noch keine Auskunft darüber geben kann, ob durch die Übernahme der Markenrechte in Kulmbach zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Balacka: "Dies können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen."

Bergkerwa: Ausschank gesichert

Immerhin: Mehrarbeit entsteht möglicherweise durch neue logistische Herausforderungen, die durch die Belieferung der Erlanger Bergkirchweih entstehen. In einer Pressemitteilung der Kitzmann Bräu, die am vergangenen Freitag herausgegeben wurde, heißt es: "Durch die (Kulmbacher) Brauerei wird auch die Belieferung der Keller auf dem Erlanger Berg gewährleistet." Der Ausschank dort sei durch den Markenübergang zur Kulmbacher Brauerei gesichert.

"Ein langanhaltender Umsatzrückgang, steigende Produktionskosten und persönliche Gründe zwingen uns dazu, den Betrieb einzustellen", wird Geschäftsführer Peter Kitzmann in der Pressemitteilung zitiert. Die Brautradition seiner Familie begann im Jahr 1733. Damals wurde Thomas Kitzmann als Brauer zu Unternesselbach erstmals urkundlich erwähnt. 1833, genau hundert Jahre später, erwarb Johann Lorenz Kitzmann die heutige Brauerei an der Südlichen Stadtmauer in Erlangen.

Die nachfolgenden Generationen bauten den Betrieb im Einklang immer weiter aus. Mit Beginn der 50er Jahre erlebte die Brauerei einen beträchtlichen Aufschwung, der allerdings 1990 endete. "Seitdem ist der Bierausstoß der Brauerei rückläufig", sagt Kitzmann, demzufolge gleichzeitig steigende Rohstoff- und Energiekosten das Ergebnis des Unternehmens belasteten. Unter Einbeziehung der Mitarbeiter und externen Beratern versuchte Kitzmann eine Trendwende herbeizuführen, die letztlich nicht gelang.

So wuchs die Kulmbacher Brauerei

Erweiterungen Seit 1980 vergrößert sich das Unternehmen. In diesem Jahr und 1984 wurden mit den Firmen Sandlerbräu und Mönchshof-Bräu weitere Biersorten ins Sortiment aufgenommen. In den 1990er Jahren erfolgte die Übernahme der Sternquell-Brauerei Plauen, der Braustolz-Brauerei Chemnitz, der Ersten Kulmbacher Aktienbrauerei (EKU) sowie eine Mehrheitsbeteiligung an den Bad Brambacher Mineralquellen. Seit 1996 sind EKU, Reichel, Sandler und Mönchshof in der Kulmbacher Brauerei AG vereinigt. 2002 wurden die Coburger Brauereien Sturm und Scheidmantel übernommen. Seit 2003 wurden mit der Privatbrauerei Scherdel in Hof und dem Erwerb der Aktienmehrheit (90,7 Prozent) an der Würzburger Hofbräu AG erneut zwei Unternehmen in die Kulmbacher Gruppe integriert. 2015 wurden die Markenrechte des insolventen Brauhauses Schweinfurt übernommen und aktuell die der Erlanger Traditionsbrauerei Kitzmann.

Besitzverhältnisse Die Kulmbacher Brauerei AG ist mehrheitlich (63,8 Prozent) im Besitz der Paulaner Gruppe. Zweitgrößter Aktionär mit 25,8 Prozent ist die Kulmbacher Ireks-Gruppe. Quelle: Wikipedia