Die Situation für die Banken ist nicht einfach. Dass sich ungünstige Rahmenbedingungen wie das niedrige Zinsniveau in absehbarer Zeit rasant verbessern, erwartet bei der Kulmbacher Bank wie auch bei der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt niemand. Vor vier Monaten gaben daher beide bekannt, sich mit einer Fusion zu befassen, um so die Schlagkraft beider Banken zu stärken. Am Mittwoch wurde das Ergebnis der gemeinsamen Überlegungen in Kronach präsentiert: die VR-Bank Oberfranken Mitte.


Zukunft im Blick

Bereits 2017 soll - rückwirkend - das erste gemeinsame Jahr werden. Rückwirkend deshalb, weil das Fusionskonzept zwar schon sehr konkret ist, die Zustimmung der Vertreterversammlungen jedoch noch eingeholt werden muss. Diese beiden Zusammenkünfte finden am 10. Mai (Kronach) beziehungsweise am 15. Mai (Kulmbach) statt. "Wir brauchen eine Dreiviertel-Mehrheit", erläutert der Kronacher Vorstand Hans Jürgen Möhrle die Grundlage für die Umsetzung der Fusionspläne zu "einer starken genossenschaftlichen Regionalbank".

Die Banker sind zuversichtlich, diese Hürde zu nehmen, denn ein Zusammenwirken der beiden Banken ist aus ihrer Sicht sinnvoll und vor allem zukunftsorientiert. "Wir haben die Wurzeln in der selben Wirtschaftsregion und die Geschäftsgebiete ergänzen sich ideal", erklärte der Möhrle. Damit spielt er darauf an, dass es keine Überschneidungen gibt.

Die erfreuliche Folge: Die Fusion erfordert keine Schließung von Geschäftsstellen und keine Kündigungen. Lediglich durch Synergieeffekte soll es in den nächsten fünf Jahren über die "natürliche Fluktuation" einen Abbau von bis zu 20 der insgesamt 250 Stellen geben.

Beide Seiten stünden vor den gleichen Herausforderungen, unterstrich der Kronacher Vorstand Georg Feder. "Es ist ein Gebot der Vernunft, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu steigern." Dies tue man am besten aus einer Position der Stärke - also zeitnah. Die entsprechenden Sondierungsgespräche seien in einer sehr vertrauensvollen und konstruktiven Atmosphäre verlaufen.

Der Kulmbacher Vorstand Dieter Bordihn verspricht sich von einer Fusion ein hochwertiges Angebot im Konkurrenzkampf mit den überregional agierenden Mitbewerbern. Dies betrifft sowohl den unbedingt erforderlichen Ausbau des immer stärker nachgefragten Online-Bankings als auch die kompetente Beratung vor Ort. "Die Filialen sind unsere Stärke", betonte Bordihn.

Stärke war auch das Stichwort für den Kulmbacher Vorstand Stephan Ringwald. "Es entsteht eine wirtschaftlich starke Genossenschaftsbank", betonte er. "Wenn wir Anlage und Kreditvolumen zusammennehmen, kommen wir auf über zwei Milliarden Euro - das ist eine Hausnummer." Wie seine Kronacher Kollegen hielt er die Zeit reif für diesen Schritt. Man könne alles beobachten und zur Kenntnis nehmen oder aber eine Vorwärtsstrategie einschlagen und selbst die Entwicklung mitgestalten. Die beiden Genossenschaftsbanken hätten sich dazu entschieden, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Auch auf die Frage, wie es mittelfristig mit den Geschäftsstellen weitergeht, gab Ringwald sehr offen Auskunft. Man wolle auf alle Fälle im Markt dezentral aufgestellt bleiben, den Menschen vor Ort Beratung bieten. "Wir werden groß genug für jeden Anspruch sein, aber auch klein genug für den persönlichen Kontakt", versicherte er. Welche Geschäftsstellen auf lange Sicht bestehen bleiben, darüber entscheide letztlich jedoch der Kunde selbst - durch seinen Besuch der Filiale. Er stellte weiter klar, dass eine Schließung einer Geschäftsstelle auch nur die letzte Option sei. "Damit tut sich keine Bank leicht."

Die Fusion ist also kein Weg, sich gesund zu schrumpfen. Doch wie sieht es mit der Gegenrichtung aus? Mit einer Erweiterung der Partnerschaft? Die schließt Ringwald nicht aus. Es sei durchaus möglich, später in noch größeren Dimensionen zu denken.


Transparenz zeigen

Zunächst gilt es jedoch, die Fusion zwischen Kronach-Ludwigsstadt und Kulmbach in trockene Tücher zu bringen. "Dabei wollen wir die Vertreter so mitnehmen, wie wir auch die Mitarbeiter mitnehmen wollen", verspricht er Transparenz.

Ursachen Die vier Bankvorstände erläuterten beim Pressetermin, warum sie Handlungsbedarf sahen. Sie verwiesen auf dynamische Veränderungen in der Bankenbranche. Die Rahmenbedingungen (Zinsen, Demografie, Kunderverhalten und -ansprüche) hätten sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Außerdem müsse man sich der zunehmenden Regulierungsdichte im Bankengewerbe stellen, die gerade kleine Kreditinstitute an personelle Grenzen bringen könne.

Zielsetzungen Die Ziele, welche die angepeilte VR-Bank Oberfranken Mitte durch die Fusion erreichen soll, sind vielfältig. So sollen die Ertragskraft gesichert, das Leistungsangebot erweitert, Möglichkeiten im Kreditgeschäft ausgebaut, digitale Zugänge und Leistungen erweitert sowie eine gesellschaftliche Verantwortung gelebt werden. Als Arbeitgeber soll die neue Bank nach außen und innen ihre Attraktivität erhöhen, Mitarbeiter besser spezialisieren können und in der Personalentwicklung sowie -führung weiter professionalisiert werden. Kosten durch die steigenden Regulierungen sollen teilweise aufgefangen und Chancen durch die natürliche Fluktuation genutzt werden.

Ablauf So sieht der weitere Zeitplan für die Fusion der beiden Genossenschaftsbanken aus: im Februar/März finden regionale Vertreter-Informationsversammlungen der Banken statt. Im Mai gibt es die beiden ordentlichen Vertreterversammlungen mit Beschlussfassung zur Fusion. Im Lauf des Jahres 2017 werden sich Arbeitsgruppen aus beiden Banken mit dem Projekt auseinandersetzen.

Statistik Die Kulmbacher Bank umfasst ab dem 1. Januar 2017 insgesamt 18 Bankstellen, die Kronach-Ludwigsstädter Bank zählt elf (davon sind zwei SB-Filialen). mrm