Die Planungen, die Architekt Stefan Kunnert aus Weiden am Donnerstagabend dem Kulmbacher Stadtrat präsentierte, stießen über alle Fraktionen hinweg auf ein positives Echo. Kunnert arbeitet für das Studentenwerk Oberfranken, das in der Blaich ein Wohnheim errichten will. Bis zu 80 Studierende sollen dort unterkommen.

Der Architekt ist von dem Standort überzeugt, auf dem sich früher ein Spielplatz befand: Das Gebäude werde in das Wohngebiet eingebettet, die Erreichbarkeit sei gut, ein wirtschaftlicher Betrieb möglich. Er stellte den Stadträten in der Dr.-Stammberger-Halle sogar schon einen ersten Entwurf vor (siehe Bild oben), der Grundlage für einen Architekten-Wettbewerb bilden werde. Er rechne dann mit etwa 40 Vorschlägen, aus denen der beste gewählt werde. Ziel sei es, "keinen Klotz hinzusetzen, sondern eine luftige Anlage zu kreieren, einen gefälligen Bau mit schlanken Trakten".

Nachdem in der Blaich bekanntermaßen Altlasten vorhanden sind, muss Boden abgetragen werden. Das wäre ohnehin nötig gewesen, weil auch eine Tiefgarage mit 27 Stellplätzen vorgesehen ist, wie der Architekt betonte. Die Studentenwohnungen würden sich auf vier Geschossebenen verteilen. Auch ein größerer Bereich mit Abstellplätzen für Fahrräder sei vorgesehen. "Wir sind der Meinung, dass es ein geeigneter Standort ist", lautet das Fazit von Stefan Kunnert.

Das unterstrich der Geschäftsführer des Studentenwerks Oberfranken, Josef Tost, der von einer Neun-Millionen-Euro-Investition sprach, die staatliche gefördert werde. Er versicherte zudem, dass "qualitativ hochwertig gebaut" und ein Highlight für Kulmbach geschaffen werde. Und das Projekt schließe weitere Wohnungsbaumaßnahmen in der Innenstadt nicht aus, wenn Bedarf vorhanden sei. "Das ist jetzt der erste Schritt." Als frühesten Baubeginn nannte er das kommende Jahr.

Doch damit das Vorhaben überhaupt erst möglich ist, musste der Stadtrat den Bebauungsplan "Zwischen Blaicher Straße, Hermann-Limmer-Straße und Hugo-Hesse-Straße" entsprechend ändern. Und dem kam das Gremium einstimmig nach. Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) erklärte, werde der ganze Stadtteil durch den Bau auf einer Brachfläche aufgewertet und belebt. Er erinnerte an die ehemals florierende Kneipenszene in dem Gebiet.

Die CSU ist mit dem Standort Blaich ebenfalls sehr zufrieden, betonte Michael Pfitzner. Sein Fraktionskollege Jörg Kunstmann - ein gebürtiger Blaicher und immer noch dort wohnhaft - sah das auch so. Er wisse zwar um den Baulärm ("Ich wohne nur 50 Meter weit weg"), aber das Wohnheim bringe neue Impulse für Handel und Gastronomie und biete eine große Chance. Er bat darum, ein Auge auf die Parkplatzsituation zu haben, was Studentenwerk-Geschäftsführer Tost zusagte.

Ralf Hartnack (WGK) sprach von einem wichtigen Baustein für die Entwicklung des Universitätsstandorts.

Constanze Milbrad (Grüne) ist selbst Studentin und verwies auf eigene Erfahrungen: "Ich weiß, wie es ist, eine Wohnung zu suchen. Wir brauchen günstigen Wohnraum für Studierende. Deshalb unterstütze ich die Planung."

Auch der Kulmbacher Unternehmer Bernd Förtsch plant die Schaffung von Studenten-Wohnungen: und zwar in den Geschossen über dem Woolworth (Langgasse 6 und Buchbindergasse 3). Das Geschäft im Erdgeschoss soll weiterlaufen, während die oberen Geschosse nicht mehr als Lager- oder Sozialräume genutzt werden, sondern zu den Studentenwohnungen umgebaut werden. Auch ein Ausbau der Dachgeschosse ist vorgesehen. Insgesamt sollen 41 Wohnungen entstehen. Der Stadtrat gab einstimmig grünes Licht für die Pläne von Förtsch.