Mehr als jedes vierte Mädchen, genauer gesagt 27,3 Prozent, und fast jeder vierte Junge (23,5 Prozent) starren beim Überqueren der Straße auf das Smartphone. Bei den Erwachsenen sind es 14 Prozent der Frauen und 16,4 Prozent der Männer. Das ist das Ergebnis der bundesweiten ACE-Verkehrssicherheitsaktion "Finger weg - Smartphone im Verkehr", an der sich auch der Kreis Kulmbach des ACE, Deutschlands zweitgrößtem Autoclub, beteiligt hat.
Rainer Doppel, der Pressesprecher des ACE-Kreises Kulmbach, und seine Kollegen vom Kreisvorstand haben an der Pestalozzistraße/Ecke Friedhofstraße das Verhalten von rund 162 Fußgängern beobachtet und dabei die sogenannten Smombies unter die Lupe genommen.


"Erschreckend"

"Die Ergebnisse unserer diesjährigen Verkehrssicherheitsaktion sind erschreckend", so Doppels Fazit für Kulmbach. Die Zahlen bei Männern und Frauen halten sich mit jeweils 26 Prozent die Waage. Bei den Jugendlichen haben die Mädchen mit 33 Prozent gegenüber den Jungen mit 24 Prozent einen deutlichen Vorsprung. "Und sie zeigen auch", bewertet Doppel das Ergebnis, "dass die Gefahren durch Ablenkung völlig unterschätzt werden. Was für Autofahrerinnen und Autofahrer gilt, muss auch für Fußgänger - egal welchen Alters - zur unumstößlichen Norm werden. Augen auf und Finger weg vom Smartphone im Straßenverkehr."


Risikofaktor Nummer 3

Bislang waren Alkohol am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit die größten Unfallgefahren im Straßenverkehr. Doch nun kommt - wie der ACE innerhalb eines halben Jahres mit konkreten Zahlen festgestellt hat - ein dritter Risikofaktor hinzu: die Ablenkung durch das Smartphone oder Tablet. Fußgänger sind durchs "Daddeln" zum Teil so unkonzentriert, dass sie Autos und sogar Straßenbahnen übersehen. Oder das Rot der Ampel.
Der ACE appelliert deshalb vor allem an die Erwachsenen, Vorbilder zu sein. Kinder dürften nicht von klein auf an das Handy in der Hand gewöhnt werden. Vielmehr gelte es, Kindern und Enkeln die tödlichen Gefahren bewusst zu machen.
Einen weiteren Appell richtet der ACE an Polizei und Verkehrspolitik: Es brauche endlich verlässliche Zahlen, wie gefährlich Smartphones im Straßenverkehr sind. Die Smartphone-Nutzung sollte ab sofort als Ursache in die Unfallprotokolle der Polizei aufgenommen werden. Denn nur so könnten darauf aufbauend Schlussfolgerungen gezogen werden. Dabei dürfe nicht ausgeschlossen werden, dass Sanktionen in Form von Strafen folgen könnten, wenn Appelle nicht mehr ausreichen.
Im US-Bundesstaat Hawaii ist dies bereits der Fall. Nachdem bekannt wurde, dass 6000 Fußgänger allein aufgrund eingeschränkter Wahrnehmung überfahren wurden, müssen Passanten nun 35 Dollar zahlen, wenn sie beim Queren einer Straße auf ihr Smartphone starren.