Der Unfall hatte für großes Aufsehen gesorgt: Am Abend des 7. April war ein 22-jähriger Mann mit einem Renault von der Straße Am Schwimmbad abgekommen. Das Auto raste den Abhang Richtung Weißer Main hinunter und kam in der Flutmulde kurz vor dem Flusslauf zu stehen.

Vier Straftatbestände erfüllt

Trotz erheblicher Verletzungen konnte sich der junge Mann aus dem Fahrzeugwrack befreien - er rannte davon. Vor dem Amtsgericht wurde er nun zu einer Geldstrafe von 170 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro (3400 Euro) verurteilt. Was den Schuldspruch angeht, hat der Auszubildende gleich vier Straftatbestände erfüllt: fahrlässige Trunkenheit im Verkehr, Fahren ohne Führerschein, Unfallflucht und den unbefugten Gebrauch eines Kraftfahrzeugs.

Nicht nur wegen eines Alkoholpegels von rund einem Promille war der junge Mann fahruntüchtig, in seinem Blut wurden außerdem Rückstände von Marihuana gefunden. Einen Führerschein hatte er sowieso nicht, der war ihm wegen verschiedener Drogengeschichten entzogen worden.

Was erschwerend hinzukam war, dass ihm der Renault gar nicht gehörte. Eine Bekannte hatte ihm den Fahrzeugschlüssel leichtsinnigerweise kurz mal in die Hand gedrückt.

Kulmbach: 22-Jähriger flüchtet aus völlig demoliertem Auto

Grund für die spätere überstürzte Flucht des Mannes war, dass er eine offene Bewährung hatte und fürchtete, sofort wieder ins Gefängnis gebracht zu werden. Für die Polizei war es allerdings ein leichtes, den flüchtigen Fahrer ausfindig zu machen. Aufgrund der zersplitterten Scheiben war den Beamten klar, dass der Mann dringend ärztliche Hilfe benötigte - und so trafen sie ihn wie vermutet in der Notaufnahme des Klinikums an, als ihm dort gerade die stark blutende Wunde an der Stirn genäht wurde.

Der Angeklagte selbst hatte nur noch dunkle Erinnerungen an das Geschehen. Er habe zuvor Ärger mit einem Kollegen gehabt und sich zu einer Aussprache am Schwimmbadparkplatz getroffen. Dabei sei Bier getrunken worden. Auch den Konsum von Marihuana räumte er offen ein. Darüber hinaus sei er aufgrund familiärer Probleme "komplett durch den Wind" gewesen.

Was ihn geritten habe, das Fahrzeug der Bekannten an sich zu nehmen, sei ihm bis heute völlig schleierhaft. Der Ernst der Lage sei ihm aber bewusst gewesen: "Ich hätte mir auch das Genick brechen können."

Riesenfehler gemacht

Die Besitzerin des Autos, eine 22-jährige aus Kulmbach, wundert sich dagegen noch heute, warum sie dem entfernt Bekannten ihre Kfz-Schlüssel ausgehändigt hatte. Sie hatte sich auf dem Freibad-Parkplatz mit einer Freundin verabredet, um eine Runde zu laufen. Weil sie in ihren Leggins keine Hosentasche hatte, habe sie nicht gewusst, wohin mit dem Schlüssel. Weil sie den Angeklagten und dessen Kollegen kannte, habe sie die Männer einfach gebeten, auf den Schlüssel aufzupassen.

Ein Riesenfehler, wie sich herausstellen sollte. Das Auto hatte einen Totalschaden, der auf rund 2000 Euro beziffert wurde. Dazu kamen Abschlepp- und Bergungskosten in Höhe von rund 500 Euro. Sogar ein Kranwagen sei notwendig gewesen, um das Fahrzeug aus der Flutmulde zu heben. Alle Beteiligten können von Glück reden, dass kein Öl ins Gewässer gelangt war.

Eine noch etwas höhere als die später verhängte Geldstrafe hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit 180 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro (3600 Euro) in seinem Plädoyer beantragt. Verteidiger Andrea Piel forderte wegen der schlechten Einkommenssituation seines Mandanten eine niedrigere Straße von 150 Tagessätzen zu je zehn Euro.

Neben der letztlich ausgesprochenen Geldstrafe von 3400 Euro entschied Richterin Sieglinde Tettmann auf eine Führerscheinsperre von einem Jahr. Die Richterin verhehlte nicht, dass für sie nach Aktenlage zunächst klar gewesen sei, dass der Angeklagte ins Gefängnis muss.