Kulmbach: Händlerin richtet Appell an junge Kunden - "nicht nur Lager auf grüner Wiese"
Autor: Isabel Schaffner
Kulmbach, Donnerstag, 12. Januar 2023
In Deutschland geht die Zahl der Ladengeschäfte in Innenstädten drastisch zurück. Die Vorsitzende des Händler-Vereins "Unser Kulmbach e.V." hat daher ein besonderes Anliegen.
- Kulmbacher Händler engagieren sich für "Belebung der Stadt"
- Statistisches Bundesamt: "Teils deutliche Umsatzeinbußen" in deutschen Innenstädten
- Konkurrent Online-Handel: Kulmbacher Händlerverein mit Appell
- Blick in die Zukunft dennoch optimistisch: "Planen tolle Aktionen"
Kulmbachs Innenstadt ist neben Museen und historischen Bauten vor allem auch durch die Vielfältigkeit der Ladengeschäfte attraktiv. Davon sind die Händlerinnen und Händler überzeugt, die sich in dem Verein "Unser Kulmbach e.V." zusammengetan haben. Die Vorsitzende Christine Friedlein von der Buchhandlung Friedrich sieht zwar optimistisch in das Jahr 2023 - doch dafür brauche es gerade bei jungen Menschen ein Umdenken, betont sie.
Kulmbacher Buchhändlerin appelliert an Endverbraucher - "steuern das Leben und Sterben der Innenstädte"
Wie das Statistische Bundesamt am 10. November 2022 meldete, habe jedes zehnte deutsche Ladengeschäft binnen der vergangenen zehn Jahre geschlossen. "Corona-Pandemie, Lieferengpässe, Inflation" seien große Herausforderungen der jüngsten Zeit und führten zu "teils deutlichen Umsatzeinbußen" gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019. In den Monaten Januar bis September 2022 sei beispielsweise der Umsatz im Einzelhandel mit Büchern im Vergleich zu demselben Zeitraum in 2019 preisbereinigt um 21 Prozent zurückgegangen, der Umsatz im Einzelhandel mit Spielwaren sei um 17,5 Prozent gesunken.
Gleichzeitig hätten die Umsätze im Online-Handel im selben Zeitraum um 31,2 Prozent zugelegt. "Wir Kulmbacher Händlerinnen und Händler sind darum bemüht, eine Belebung der Stadt herbeizuführen. Das ist aber nur in Kombination mit den Endverbrauchern möglich. Sie steuern das Leben und Sterben der Innenstädte. Wenn viele auf Online-Shopping verzichten würden, könnte man sie ganz anders beleben", betont Christine Friedlein. "Wir richten uns mit unserem Appell auch an junge Menschen und möchten betonen, dass es nicht nur Lager auf der grünen Wiese geben kann."
Friedlein arbeite seit 1977 als staatlich geprüfte Buchhändlerin und seit 2000 als Buchhandelsfachwirtin. "Die Buchhandlung Friedrich gibt es seit 1967. Ich kaufte meinen Jugendtraum 1998 und erweitere seither ständig das Angebot und das Wissen", sagt sie gegenüber inFranken.de.
"Schön und anziehend" - Händlerin berichtet von positivem Feedback zur Stadt
Die Kulmbacher Innenstadt sei laut Friedlein auch für die berufliche Entwicklung junger Menschen von Bedeutung: "Mit unseren Geschäften bieten wir Ausbildungsplätze, Dualstudienplätze und Praktika. Ich erwähne auch die handwerklichen Berufe in unserer Innenstadt, hier findet der Verbraucher tolle Friseure, Bäckereien, Schneidern, Optiker, Floristen und herstellende Leistungsbetriebe, die sich engagieren und auf dem neusten Stand befinden."
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Die Unternehmerin nennt "jeden Laden ein Juwel, das man entdecken sollte. Wir haben in Kulmbach viele schöne, kleine Schätze". Oft erzählten ihr Besucherinnen und Besucher, "wie schön und anziehend Kulmbach auf sie wirke". Attraktiv seien zum Beispiel die Kulmbacher Campingstellplätze und Museen "und überhaupt der historische Stadtkern. Dieses Lob beruht nicht nur auf Aussagen der Touristen", berichtet sie.