Früher diente der Bau, der wohl aus den 50er Jahren stammte, als Baumwolllagerhalle der Kulmbacher Spinnerei. Zuletzt - bis 31. Dezember vergangenen Jahres - wurde er vom Kulmbacher Malerbetrieb SKO genutzt - ebenfalls als Lagerstätte. Jetzt ist das Gebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände Geschichte. Es hat Platz gemacht für den künftigen Campus der Universität und ist das erste Gebäude, das weichen musste.

Den Abriss musste die Stadt Kulmbach vornehmen, wie Bernd Ohnemüller, der Leiter Städtebau Kulmbach, erklärt. Das sei so in den Verhandlungen mit der Immobilien Bayern vertraglich festgelegt worden. Es wurde vereinbart, dass die Baumwolllagerhalle, die sich auf städtischem Grund befindet, vor Vertragsabschluss durch die Stadt abgebrochen und der Bauschutt abtransportiert wird. "Dieser Verpflichtung kommen wir gerade nach", so Bernd Ohnemüller. Insgesamt erwerbe die Immobilien Bayern etwa 13 000 Quadratmeter städtischen Grund.

Von vielen unbemerkt verschwunden

Von dem alten Gebäude ist inzwischen nichts mehr zu sehen, der Schutt lagert aber noch auf dem Gelände, das von der Heinrich-von-Stephan-Straße nur schwer einzusehen ist. Daher ging der Abriss von vielen Kulmbachern unbemerkt über die Bühne.

Der Schutt wird nun noch auf Altlasten und Schadstoffe untersucht und entsprechend der Belastung dem Recycling beziehungsweise der Entsorgung zugeführt. Die Arbeiten, die von der Kronacher Firma Porzelt durchgeführt werden und mit rund 81 000 Euro veranschlagt sind, sollen bis Anfang März abgeschlossen und abgerechnet sein. Das weitere Vorgehen auf dem Gelände, die weitere Beplanung liege nun ausschließlich in den Händen des Freistaats Bayern.

Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) bereits in der Stadtratssitzung erklärt hatte, sei der Abriss "ein kleines, aber sichtbares Zeichen, dass sich auf dem Campusgelände etwas tut". Micheal Pfitzner von der CSU hatte noch angeregt, ein Schild aufzustellen mit der Aufschrift: "Hier entsteht der Campus Kulmbach".

Gründliche Planung notwendig

Für Universitätskanzlerin Nicole Kaiser macht der erste Abriss auf dem Gelände nun auch nach außen sichtbar, "dass die nächsten Schritte eingeleitet sind". Zeitgleich werde intern - unter Einbeziehung von Stadt, Staat und Uni - an der weiteren Projektplanung gearbeitet. "Gerade weil wir dort ein zukunftsweisendes Gebäude errichten wollen, erfordert das entsprechend gründliche Planung und Abstimmung." Die Herausforderung für das Sommersemester werde es sein, die Überbrückungslösungen so zu organisieren, dass man für die erwarteten 140 Studierenden verlässlich Präsenzlehre in Kulmbach anbieten könne.

Gründungsdekan Stephan Clemens ergänzt: "Es geht schrittweise voran mit dem Aufbau der Infrastruktur für die kommenden Jahre, bis ein Campus gebaut ist. Im ,Fritz' werden Labore fertig, in der Spinnerei stehen die Flächen über dem Busbahnhof hoffentlich ab Sommer zur Verfügung. Noch ist allerdings viel Improvisation gefragt."

Hier wird derzeit gelehrt

Gelehrt wird derzeit im Kino, in der Stadthalle, in Räumen des BRK und des Max-Rubner-Instituts. Die Erstsemester in den Master-Studiengängen konnten bisher nur online studieren. "Wir sind dankbar für den Enthusiasmus und die Geduld unserer Studierenden wie auch der Professorinnen und Professoren. Beides werden wir auch in den kommenden, herausfordernden Monaten brauchen, wenn noch mehr Studierende vor Ort sind. Für das im April startende Sommersemester suchen wir weiterhin händeringend nach gut erreichbaren Räumen, die groß genug für Seminare und Vorlesungen mit bis zu 35 Studierenden sind, ausgestattet mit Tischen, Stühlen und W-Lan. Wichtig wäre außerdem eine zuverlässige Verfügbarkeit, die uns Planungen erlaubt", so Gründungsdekan Stephan Clemens.