Schmerzverzerrt reibt sich "Das Eich" den Arm - schon ehe er die Buchhandlung Friedrich betritt. "Beim Deudaades - jetzt geht's weiter", lacht er, krempelt die Ärmel hoch und setzt sich an den Tisch in dem Laden, in dem er den oberfränkischen Asterix signieren wird.

Die ersten 500 Exemplare seiner Übersetzung mit dem Titel "Dunnerkeil" hat Stefan Eichner längst zu Hause mit Widmungen versehen und an seine Fans verschickt, jetzt folgen weitere Exemplare. Vom vielen Schreiben kommen auch die Schmerzen im Arm.

Erster Asterix-Band auf Oberfränkisch: Sogar das Fernsehen ist da

Ganz besonders freut sich der Kulmbacher Übersetzer des ersten oberfränkischen Asterix, dass der Band beim Online-Versender Amazon "Bestseller"-Status erreicht. Und mit dieser Auszeichnung hat er nicht nur die Plattdeutschen und Bayern-Ausgaben überflügelt, ihm flattern die Angebote nur so ins Haus: "Das Eich" soll auf die blaue Couch, die überregionalen TV- und Radiosender wollen mit dem Kulmbacher sprechen. Sogar der Bayerische Rundfunk und das Bayerische Fernsehen gesellen sich am Dienstag zu den Kulmbachern in der Langgasse.

"Am lustigsten finde ich, dass man das Heft kaum noch bekommt. Amazon-Prime-Kunden warten jetzt drei Wochen, bis der Oberfranken-Asterix wieder lieferbar ist", amüsiert sich Autor Eichner. "Eigentlich würde ich ja gerne mal wieder schlafen. Ach was, ich genieße das Signieren. Ich mach das jetzt. Die Geister, die ich rief....", schmunzelt "das Eich". Und niemand hat den Eindruck, dass ihm all die herzlichen Worte und all die persönlichen Schreibereien eine Last wären.

Einmal hat ihm ein Fan sogar ein selbst verfasstes 20-zeiliges Gedicht ins Buch schreiben lassen. Kleine Liebeserklärungen formuliert Stefan Eichner gerne um. "Ich schreibe dann statt ,Ich liebe dich, Günther' halt: ,Die Rita meint, ich soll dir soggn: Sie liebt dich.' Alles andere hört sich doch komisch an", sagt der Asterix-Übersetzer. In den Asterix-Band von Oberbürgermeister-Referent Joffrey Streit schreibt Eichner: "Vüll Spaß, older Schlagg!"

Zaubertrank bei der Autogrammstunde

Tatsächlich ist die Promi-Dichte bei der Signierstunde fast so hoch wie im Stadt- oder Kreistag. Neben Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) wollen sich CSU-Stadtrat Lothar Seyfferth und FDP-Urgestein Thomas Nagel ein Exemplar sichern. "Das läuft doch einfach super. Hoffentlich gibt es noch weitere Bände. Nach den vergangenen zwei Jahren Corona, ist es richtig schön, dass man jetzt wieder ein bisschen Kultur live genießen kann", sagt Nagel. Und so wie ihm scheint es vielen zu gehen. Niemand beschwert sich über die lange Schlange, über die Dauer, bis man vorne am Signiertisch ist.

Amazon-Bestseller: Asterix Mundart Oberfränkisch I - Dunnerkeil (Gebundene Ausgabe)

Sicherheitshalber schenken Andrea Weith und Buchhandlungschefin Christine Friedlein Zaubertrank aus. Ob der Zaubertrank unter einer mindestens hundertjährigen Eiche, in der eine Meisenfamilie wohnt, gebraut worden ist, ist selbst mit investigativen Methoden nicht in Erfahrung zu bringen.

Doch der Trank hatte die Farbe einer mondlosen Nacht - genauso wie er sein muss. Und er mundet ein bisschen wie rote Beete. Bei Buchhändlerin Christine Friedlein sorgt er für Zuversicht. "Ja, die Bestände reichen", erklärt sie, räumt aber ein, dass sie schon wieder nachbestellt hat.

Ein nachträgliches Geschenk - und "Kultur" für die Oberpfalz

Eins bewirkt allein der Zaubertrank auf jeden Fall bei den Besuchern: Niemand motzt, egal, wie lange er stehen muss. "Ach was. Ich habe doch Ferien. Das ist ein Geschenk für mich selbst - zu meinem gestrigen Geburtstag", lacht Udo Sonntag, Religionslehrer aus Kulmbach. Er hat das komplette Heft schon gelesen, es soll nicht bei dem einen Mal bleiben. "Allein das hier - schon deshalb lohnt sich das Heft", zeigt Udo Sonntag auf die Übersichtskarte am Anfang des Heftes. "Boddnsdaa" steht da - Pottenstein. "Für mich ist Asterix einfach ein Stück Kindheit", so Sonntag. Genau so geht es Dagmar Böhm. Ihr geht es allerdings nicht so sehr um Asterix und seinen dicken Kumpel, sondern um Stefan Eichner. "Ich war mit Stefan in der Schule", verrät Böhm. Und da sie selbst ein Buch verfasst hat, weiß sie dessen Detailarbeit zu schätzen.

Edgar Sandler aus Oberzettlitz stellt sich für seine Frau an. Er möchte sie mit dem Asterix in ihrer Reha ein wenig aufmuntern. "Wir stellen uns hier an, weil wir ein bisschen fränkische Kultur in die Oberpfalz bringen möchten", lacht Julia Gottszky, die mit Sohn Ben (5) und ihrem Vater Gernot Beierlein aus Neuenmarkt nach Kulmbach gekommen ist. Sie hat den Dunnerkeil-Asterix für ihre Schwester Melanie gekauft - und die lebt inzwischen in der Oberpfalz.

"Bei uns gibt es ja auch ein gallisches Dorf", verrät Roswitha Meisel aus Untersteinach. Sie meint aber nicht etwa den eigenen Ort, sondern Triebenreuth. Denn die Triebenreuther machten sich schon vor Jahren einen Spaß und entliehen sich die Bezeichnung aus den weltberühmten Heftchen. Gerade nach der (zwangs)enthaltsamen Zeit der Pandemie tut dem Eich der Rummel gut. "Weddernei!", loben ihn die Fans anerkennend. Da soll noch einmal jemand sagen, dass "Bassd scho!" das höchste Lob in Oberfranken sei.

Wichtige Infos zum Buch auf einen Blick:

  • Der erste Mundart-Asterix auf Oberfränkisch ist eine Übertragung der Klassikers "Asterix der Gladiator" 
  • Der offizielle Buchtitel lautet "Asterix Mundart Oberfränkisch I: Dunnerkeil" 
  • Verantwortlich für die Übersetzung ist der Kulmbacher Comedian und Musiker Stefan "Das Eich" Eichner
  • Der Band ist am 11. April 2022 erschienen, hat 48 Seiten und kostet 14,00 Euro. Die ISBN lautet 978-3-7704-0318-9
  • Die Abenteuer von Asterix und Obelix der Mundartreihen sind Teil der Egmont Comic Collection erschienen: www.egmont-comic-collection.de*
  • Hier gibt es die Dialekt-Asterixe bei Amazon*.
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