Ozeanriesen, die über die Weltmeere schippern, Windräder in luftigen Höhen, Diesellokomotiven und moderne Druckmaschinen haben etwas gemeinsam - in ihnen steckt Qualitätsarbeit aus Kulmbach, gefertigt in den Werkhallen der Firma Zaigler Maschinenbau.

Wie viele andere Betriebe macht Geschäftsführer Stefan Zaigler der Fachkräftemangel große Sorgen. Deshalb setzt er auf intensive und hochklassige Ausbildung im eigenen Haus. Mindestens zehn Prozent der Beschäftigten sind Azubis, derzeit 13 von 115 Mitarbeitern.


"Verdienter Ausbilder"


Das große Engagement des Ausbildungsbetriebs wurde kürzlich mit einer besonderen Auszeichnung bedacht: Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie würdige die Firma Zaigler mit dem Prädikat "Verdienter Ausbilder". Damit folgte das Ministerium einem Vorschlag der Handwerkskammer für Oberfranken, die im vergangenen Jahr zehn Betriebe für die Auszeichnung nominieren durfte.

Stefan Zaigler und seine Mitarbeiter denken in großen Dimensionen - und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Kleinteile sucht man in den rund 10 000 Quadratmeter großen Werkhallen in der Gummistraße vergeblich. Große Maschinenteile sind das Hauptgeschäft der Kulmbacher Experten fürs Fräsen, Drehen und Bohren, die Maßanfertigungen für die Großindustrie übernehmen. "Wir fertigen vor allem Einzelteile und Prototypen sowie Kleinserien für unsere Kunden", so Geschäftsführer Stefan Zaigler. Zu diesen gehören namhafte Unternehmen wie Siemens, MAN, Liebherr und Caterpillar. "Da ist perfekte Präzisionsarbeit gefordert."

Wie groß ist groß? Sehr groß! In einer Werkhalle wird zum Beispiel gerade am Kurbelgehäuse für einen Schiffsmotor gearbeitet - 37 Tonnen wiegt das fertige Teil.

Materialeinkauf und Konstruktion sind für die Kulmbacher kein Thema: "Wir sind ein klassischer Lohnfertiger. Bauteile und Zeichnungen bringt der Kunde. Wir setzen seine Vorgaben um."

Präzisionsarbeit und handwerkliche Qualität sind wichtig, um am Markt bestehen zu können. "Wir haben uns da einen guten Namen erarbeitet", sagt der Chef, der stolz auf sein fähiges Team ist.

Derzeit sind die Auftragsbücher voll, die 115 Mitarbeiter haben gut zu tun. Doch in den kommenden Jahren braucht Zaigler Nachwuchs, um die aus Altersgründen ausscheidenden Fachkräfte zu ersetzen. "Wir bilden deshalb so viele junge Leute wie möglich selbst aus und stellen jedes Jahr vier bis fünf Azubis ein."

Ausgebildet werden im Unternehmen ausschließlich Feinwerkmechaniker mit Schwerpunkt Maschinenbau. In der Lehrwerkstatt lernen sie von der Pike auf alle Feinheiten des Handwerks, bevor sie im dritten Lehrjahr an die großen Maschinen in den Werkhallen gehen und ausprobieren können, welcher Aufgabenbereich ihnen liegt. "Da können sie schon ihren künftigen Arbeitsplatz aussuchen", sagt der Chef.


Die Hälfte bleibt im Unternehmen


Am liebsten würde Stefan Zaigler nach dem Abschluss alle behalten, aber viele junge Leute haben andere Pläne: "Die Hälfte bleibt, die anderen bilden sich weiter - studieren oder machen eine Technikerausbildung."

Deshalb wird das Unternehmen nicht müde, um Azubis zu werben, und zeigt sich dabei experimentierfreudig: "Wir sind natürlich auf der Ausbildungsmesse vertreten und laden die Interessierten Jugendlichen am darauffolgenden Samstag zu uns zu einer Werksführung ins Unternehmen ein. Seit neuestem wirbt der Maschinenbauer auch mit Radiospots um die Aufmerksamkeit der Jugend.

Der Beruf des Feinwerkmechanikers ist ideal für junge Leute, die sich für High-Tech begeistern und handwerklich begabt sind. Gerne stellt Zaigler auch Absolventen der Mittelschulen ein. "Es ist ein interessanter und abwechslungsreicher Beruf", sagt Stefan Zaigler, der selbst im Unternehmen gelernt hat. Er begann 1986 seine Ausbildung als Maschinenbauer, bildete sich dann zum Maschinenbaumechanikermeister weiter. Heute heißt der Beruf Feinwerkmechaniker mit Schwerpunkt Maschinenbau.

Die 1954 von Hans Wagner gegründete Firma hat Stefan Zaiglers Vater Heinz 1985 gekauft. 1989 trennte er sich vom Kraftfahrzeugbereich, und das Unternehmen konzentriert sich seither ausschließlich auf den Maschinenbau. Mit Erfolg: Die Firma ist von einst 42 Mitarbeitern auf derzeit 115 gewachsen. 118 junge Leute hat Zaigler bereits ausgebildet.

Dieses Engagement lobte auch Landtagsabgeordneter Martin Schöffel (CSU), der die Firma kürzlich besucht hat.