Aus einem alten Mirakelbuch von Marienweiher geht hervor, dass die Hollfelder Wallfahrt bereits um 1600 erwähnt ist, wie Reimund Söhnlein feststellte, der Jahr für Jahr diese Traditionswallfahrt organisiert. Ob es nur einzelne Wallfahrer oder kleine Gruppen waren, die sich vor mehr als 400 Jahren auf den Weg nach Marienweiher machten, ist heute nicht mehr festzustellen.

Am vergangenen Wochenende waren es knapp 100 Wallfahrer, darunter auch Kinder und Jugendliche, die sich bei einer Rekordhitze von annähernd 40 Grad Celsius am Samstagmorgen um 5 Uhr unter dem Leitwort "Mit Maria auf den Weg - Maria führt uns zu Christus" auf die Wallfahrt nach Marienweiher begaben. Organisiert wurde die Wallfahrt, was die Sicherheit und rundum mit der Wallfahrt zu tun hat, wie jedes Jahr von einem Team von zehn Männern und Frauen, wobei die Leitung seit sieben, acht Jahren in den Händen des Bankangestellten Reimund Söhnlein (56) liegt, auch der spirituelle Teil.

Sicherheit

Die Sicherheit ist dabei ein ganz wichtiger Aspekt. Dazu Reimund Söhnlein: "Wir haben Leute mit Funksprechgeräten, die vorne und hinten mitlaufen und den Verkehr immer entsprechend einseitig durchlassen. Auch an den Seiten stehen unsere Leute mit Warnwesten, falls ein Auto aus einer Seitenstraße rausfährt." Bislang verliefen die Wallfahrten immer unfallfrei, schließlich sind die Wallfahrer ja auch mit dem "Herrn" unterwegs. Reimund Söhnlein: "Ich muss sagen, dass ich fast schon eine Art Wallfahrtsjunkie bin und viele Wallfahrten deutlich schlechter abgesichert sind als unsere. Was die Sicherheit anbelangt, scheuen wir keine Kosten und Mühen. Wir geben dafür auch Geld aus, es muss einfach passen. Es ist auch für mich persönlich eine Sicherheit, weil ich für alles verantwortlich bin, wenn irgendwas passiert."

Überwiegend Waldwege

Von Hollfeld aus ging es zunächst zu Fuß durch das Kainachtal weiter nach Wonsees und Zedersitz bis Schirradorf. Von dort aus liefen die Wallfahrer im Trockental der "Schwalbach". Über Welschenkahl und Reuth ging es den "Alten Kasendorf Berg" hinunter, am Marktplatz von Kasendorf wurde eine Kaffeepause eingelegt. Mit Bussen ging die Wallfahrt weiter nach Wirsberg und von hier aus führte sie durch das romantische Kosertal zur Adlerhütte, wo der offizielle Wallfahrerweg auf Wander- und Flurbereinigungswegen nach Marienweiher weiterführt. Reimund Söhnlein: "Unsere Leute sind von dem Weg total begeistert, weil der Bach daneben plätschert und der Weg überwiegend durch den Wald führt, was bei den Temperaturen natürlich optimal war."

Nach einer ausgiebigen Mittagsrast in der "Alten Schmölz" wurde die Wallfahrt durch den Wald nach Marienweiher fortgesetzt. Kurz nach 14 Uhr wurden die Hollfelder Wallfahrer von den Patres an der Basilika begrüßt. Am Abend wurde der Kreuzweg rund um die Basilika gemeinsam begangen. Am Sonntagmorgen stand um 7 Uhr das Wallfahrtsamt in der Basilika auf dem Programm.

Übernachtet haben die Wallfahrer in Marienweiher, ehe sie am Sonntagmorgen nach dem Besuch der Messe gegen 9.30 Uhr nach Wirsberg aufbrachen und von hier aus mit den Bussen wieder zurück nach Welschenkahl fuhren. Nach einer Kaffeerast in Wonsees trafen die Wallfahrer gegen 18 Uhr - zum Teil sehr erschöpft - wieder in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ein.

53 Kilometer insgesamt

Insgesamt legten die Teilnehmer 53 Kilometer zu Fuß zurück, was angesichts der hochsommerlichen Temperaturen schon eine Art Meisterleistung war. Wie Reimund Söhnlein feststellte, ist die Pfarrei Hollfeld erst ab dem Jahr 1827 jedes Jahr regelmäßig nach Marienweiher gewallt: "Das werden jetzt bald 200 Jahre und dann feiern wir natürlich Jubiläum! Es ist auch Tradition, dass wir nie mehr als 25 bis 28 Kilometer hin und auch zurück laufen. Früher sind wir sogar noch mit dem Zug gefahren, als der Zug noch von Kasendorf gefahren ist. Jetzt haben wir uns eben entschieden, dass wir Busse einsetzen. Bis vor zwei Jahren sind wir bis Ludwigschorgast mit den Bussen gefahren und jetzt seit letztes Jahr bis Wirsberg, um dort unseren Weg bis Marienweiher fortzusetzen."

Traditionell Mittagsrast in der "Alten Schmölz"

Übernachtet wird im Wallfahrtsort, dabei hauptsächlich in privaten Quartieren. Reimund Söhnlein: "Oft sind es die gleichen Quartiere, aber wir haben so eine Art Quartiermeister und der spricht im Vorfeld der Wallfahrt die Leute wieder an, die uns im vergangenen Jahr aufgenommen haben. Manche können es aus Altersgründen aber nicht mehr machen und dann muss man wieder schauen, dass man was Neues findet." Dankbar sind die Hollfelder Wallfahrer vor allem der Familie Seidl in der "Alten Schmölz", wo seit zwei Jahren immer die Mittagsrast stattfindet. Reimund Söhnlein: "Wir wurden hier von der Familie Seidl mit offenen Armen aufgenommen." Auf dem Hof gab es zur Mittagsrast eine Gulaschsuppe, warmen Leberkäse oder auch "Pfefferbeißer". Es war für jeden Geschmack etwas dabei und dafür war eigens ein Versorgungstruck von Hollfeld zur "Alten Schmölz" unterwegs.

Seit mittlerweile 25 Jahren ist Stadt- und Kreisrat Manfred Neumeister (62) bei dieser Wallfahrt dabei: "Meine erste Wallfahrt war im Jahr 1988, als wir mit dem ASV Hollfeld ein Ausscheidungsspiel hatten. Das Beten hat damals geholfen, denn wir haben in Melkendorf gewonnen. Seitdem bin ich regelmäßig dabei. Mir gibt die Wallfahrt die Möglichkeit, einmal vom ganzen Alltag runterzufahren und ich merke, dass es doch eine Art Frischzellenkur ist." Cornelia Schilling (52) war das erste Mal dabei: "Das Wetter machte mir eigentlich nichts aus, weil wir viel im Schatten gelaufen sind. Meine Nichte Katharina geht schon seit Jahren mit. Weil sie in diesem Jahr allein war, habe ich mir vorgenommen, sie zu begleiten. So eine Wallfahrt ist schon beeindruckend, sie nimmt einen mit und man macht sich über vieles Gedanken." Für den zehnjährigen Luca Rehe, der auch Ministrant in der Stadtpfarrkirche ist, hat die Wallfahrt eine ganz andere Bedeutung: "Sie gibt Kraft in den Beinen!"