Es ist vielleicht nicht die größte aller Baustellen, die am Montag in der Kulmbacher Altstadt eingerichtet wird. Aber Chancen auf den Titel der Baustelle mit der längsten und aufwendigsten Umleitung hat sie allemal: Wenn das Kirchwehr wegen Arbeiten an der Gasleitung für einige Tage komplett gesperrt werden muss, wird der Weg vom Marktplatz in den Spiegel und die Wolfskehle lang: mehr als 30 Kilometer, um genau zu sein.

Bis nach Neudrossenfeld werden Autofahrer im Rahmen der Umleitung geleitet. Theoretisch ginge das auch kürzer. Aber: Auch im Kulmbacher Umland gibt es derzeit eine Reihe von Baustellen - zum Beispiel bei Lindau und bei Kauerndorf - , die umfahren werden wollen.

Warum muss das Kirchwehr ausgerechnet jetzt gesperrt werden? Wie kommen Fußgänger heil an ihr Ziel? Und wie lange soll die Behinderung bestehen? Diese und weitere Fragen haben wir der Stadt Kulmbach gestellt.

Wo genau wird die Baustelle eingerichtet und warum ist sie zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nötig?

Die Baustelle, für die die Stadtwerke die Federführung haben, befindet sich im Kirchwehr und ist nötig, um eine Undichtigkeit, die vermutlich im Bereich eines Hausanschlusses besteht, zu beseitigen, erläutert Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt. Aus Sicherheitsgründen müssen die Arbeiten kurzfristig durchgeführt werden. Beginn ist am Montag, 3. Mai, um 7 Uhr. "Wir werden alles dafür tun, um den Zeitraum so kurz wie möglich zu halten" sagt Gleich. So werde das beauftragte Bauunternehmen, die ASK August Schneider GmbH & Co. KG, jeweils zehn Stunden täglich arbeiten. "Wenn wir Glück haben und die Undichtigkeit betrifft nur den Hausanschluss und nicht auch die Hauptleitung, könnten wir bis Donnerstag fertig sein."

Wie wird der Verkehr umgeleitet? Der Verkehr aus der Wolfskehle und dem Spiegel stadteinwärts wird über den Weiherdamm umgeleitet. Problematisch wird es für alle, die von der Innenstadt in den Spiegel oder die Wolfskehle wollen: Sie müssen über Neudrossenfeld, Waldau, Trebgast und den "Ranga" fahren (siehe Grafik rechts). Das jedenfalls ist die Streckenführung der offiziellen Umleitung. Gut, wenn man über etwas Ortskenntnis verfügt: Dann findet man eventuell doch noch den einen oder anderen "Schleichweg" als Abkürzung.

Hätte es nicht - eventuell unter Einbeziehung des unteren Parkplatzes des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums - die Möglichkeit gegeben, den Verkehr am Weiherdamm in beide Richtungen freizugeben, vielleicht mit einer Ampelregelung?

Die Aufstellung einer Ampelanlage wurde in Rücksprache mit der Polizeiinspektion Kulmbach nicht in Erwägung gezogen, heißt es aus dem Rathaus. Aufgrund der derzeitigen Umleitungsstrecke über den Schießgraben wegen der Vollsperrung in der Buchbindergasse hätten keine sogenannten Aufstellflächen für den wartenden Verkehr zur Verfügung gestanden. Damit wäre ein größerer Verkehrskollaps in der gesamten Innenstadt durchaus denkbar gewesen. In Abstimmung mit der Polizeiinspektion Kulmbach sei somit entschieden worden, den Verkehr am Weiherdamm nur in eine Fahrtrichtung frei zu geben, um den Anwohnern beziehungsweise Anliegern eine schnelle Zufahrt in die Innenstadt (Arzttermine, Einkäufe und so weiter) zu ermöglichen. "Eine Miteinbeziehung anderer Verkehrsflächen wäre im Angesicht der kurzen Dauer der Baumaßnahme nur unter nicht verhältnismäßigem Aufwand möglich gewesen."

Kommt man zu Fuß durch die Baustelle?

Nein, das Kirchwehr ist komplett dicht. Auch für Fußgänger gibt es eine Umleitung. Die führt vom Röhrenplatz über den Weiherdamm.

Am Weiherdamm müssen sich also einige Tage lang Fußgänger und Autofahrer den Platz teilen. Ist das nicht gefährlich?

Nicht unbedingt, sagt die Stadt Kulmbach. Das Straßenteilstück "Am Weiherdamm" ist üblicherweise als gemeinsamer Geh- und Radweg beschildert. Diese Beschilderung wird für den Zeitraum der Vollsperrung demontiert, so dass dieses Straßenteilstück für diesen Zeitraum als normale Straßenverkehrsfläche zu werten ist. Fuß- und Radverkehr ist somit offiziell nicht verboten, aber auch nicht bevorrechtigt. Pressesprecher Gleich: "Somit müssen alle Verkehrsteilnehmer sich durch gegenseitige Rücksichtnahme miteinander arrangieren. Da durch die geringe Wegesbreite und die eingeschränkte Übersichtlichkeit aber keine hohen Geschwindigkeiten gefahren werden können, dürfte sich die Gefahr für Fußgänger und Radfahrer auf ein Minimum reduzieren."

Die Linie 5 des Stadtbusverkehrs führt von der Innenstadt durch das Kirchwehr in die Wolfskehle. Wie fährt der Bus während der Bauzeit?

Der Stadtbusverkehr auf der Linie 5 erfolgt in der nächsten Woche nicht nach Fahrplan, sondern wie folgt: An der Oberen Schule wird eine Ersatzhaltestelle eingerichtet. Die Haltestellen Obere Stadt Richtung Röhrenplatz, Beethovenstraße, Wolfskehle und Hölle entfallen.

Ist auch die Zufahrt zur Plassenburg gesperrt?

Die Zufahrt zur Plassenburg aus Richtung Innenstadt ist frei.

Die Baustelle in der Buchbindergasse wurde neulich für einige Zeit stillgelegt: Mitarbeiter der Baufirma hatten sich mit dem Corona-Virus infiziert; ihre Kollegen mussten sich in Quarantäne begeben. Gibt es einen Plan B, falls so etwas auch im Kirchwehr passiert?

Was das angeht, beruhigt Jonas Gleich. "Die Stadtwerke arbeiten mit einem leistungsfähigen Kulmbacher Unternehmen zusammen, und wir achten genau auf die Einhaltung der Hygiene- und Schutzvorschriften." Bisher habe es noch keine Probleme dieser Art gegeben. Die ASK August Schneider GmbH & Co. KG wäre aber selbst in einem solchen Fall in der Lage, die Baustelle mit anderen Mitarbeitern fortzuführen, sagt der Pressesprecher. Zudem verfüge man über gut ausgebildete eigene Mitarbeiter und arbeite mit weiteren Kulmbacher Bauunternehmen zusammen, auf die man im Notfall zurückgreifen könnten. "Wir gehen nicht davon aus, dass dieser Plan B erforderlich sein wird."

Gäbe es theoretisch die Möglichkeit, für die Anwohner oberhalb der Baustelle eine Parkfläche unterhalb der Baustelle auszuweisen? So dass zum Beispiel jemand, der im Spiegel wohnt, sein Auto "unten" abstellt, die ersten Meter zu Fuß geht, dann mit dem Auto zum Einkaufen fährt, danach wieder sein Auto dort abstellt und den restlichen Weg zu Fuß zurücklegt, ohne durch den halben Landkreis fahren zu müssen?

Dies sei leider nicht möglich, heißt es aus dem Rathaus. In allen Straßenbereichen bis zur Abzweigung Festungsberg läuft ja der Verkehr weiter. Flächen, die man hätte anbieten können, seien nicht vorhanden.