Ein Treffen zu ungewohnter Zeit und an einem ungewohnten Tag: Montagnachmittag kamen die Kulmbacher Stadträte zu einer Sondersitzung zusammen, um wichtige Weichenstellungen für die Entwicklung der Stadt vorzunehmen. In der Dr.-Stammberger-Halle ging es nicht nur um das Kaufplatz-Gelände, sondern auch um das "Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK)" - und das beinhaltet die Ansiedlung der Universität Bayreuth auf dem Güterbahnhofsgelände ebenso wie das Spinnereiareal, die Freilegung des Weißen Mains und vieles mehr.

Zwei Experten des Berliner Büros "UmbauStadt", Lars Bölling und Arno Walz, waren eigens nach Kulmbach gekommen, um den Stadträten die Möglichkeiten vorzustellen und vor Stolpersteinen zu warnen. Als Richtlinie gaben die beiden den Räten an die Hand, sich genau zu überlegen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen wollen, anhand derer dann die Architekten in einem Wettbewerb ihre Entwürfe ausarbeiten werden.

Bis zu 100 Wohneinheiten können nach den Worten von Lars Bölling auf dem Kaufplatzgelände geschaffen werden. "Es ist hochattraktiv, in Innenstädten zu wohnen", sagte er. Es könnten generationsübergreifende Angebote für Studenten, Senioren und Familien sein, ohne dass auf großzügige Freiflächen verzichtet werden muss. Sondernutzungen wie Kitas sollten gut überlegt sein, ebenso ein gastronomisches Angebot: "Besser nur ein, zwei wirklich tolle Sachen dort zulassen." Ob für Dienstleister wie ein Ärztehaus oder ein Jugendhotel auf der mit 9000 Quadratmetern begrenzten Fläche genug Platz sei, müssten die Räte entscheiden.

Wie Arno Walz ergänzte, sollte das Potenzial des Weißen Mains genutzt werden, eine Grünachse bilden zum Campus. Auch hier müssten die Räte abwägen, wie groß die Grünflächen entlang des Flusses werden sollen. Die Menschen sollten sich wohlfühlen, der Bereich Aufenthaltsqualität bieten. Da würden Autos und Verkehr stören. Deshalb empfahl der Experte, auch das Gasfabrikgäßchen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kaufplatzgelände umzugestalten, dort den Verkehr zu reduzieren und zu entschleunigen.

Doch nicht nur der fahrende Verkehr gibt den Fachleuten zu denken, auch die Parkplatzsituation. Den Bau einer Tiefgarage für die neuen Wohnungen hielt Walz wegen der Nähe zum Weißen Main für problematisch und riet deshalb davon ab. Eine zentrale Frage sei, wie dringend ein Auto an der Wohnung benötig werde.

Rund einen Monat haben die Fraktionen nun Zeit, konkrete Vorschläge und Visionen auszuarbeiten. Auch die Bürger sind gefragt: Unter der E-Mail-Adresse kaufplatz@stadt-kulmbach.de können sie ihre Ideen einsenden. In der Stadtratssitzung am 31. März soll dann der finale Beschluss mit den Vorgaben für den städtebaulichen Wettbewerb gefasst werden. "Dann gibt es kein Zurück mehr", sagte Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD).

Wie Stadtplaner Lars Bölling ergänzte, sollten die Vorgaben so klar und präzise wie möglich formuliert werden ("Damit kein Wolkenkuckucksheim geplant wird"). Die teilnehmenden Büros würden dann ihre Vorschläge ausarbeiten und einem Preisgericht vorlegen, das den Sieger ermittle. Das soll voraussichtlich Ende Oktober geschehen. Mit dem Gewinner werde dann die Umsetzung des Entwurfs erarbeitet.

Die Entwicklung des Kaufplatzgeländes wird als erstes in Angriff genommen. Man kann aber noch viel mehr tun, um Kulmbach attraktiver zu machen. Was genau, das wird im Städtebaulichen Entwicklungskonzept aufgezeigt, mit dem sich ebenfalls die beiden Berliner Experten intensiv auseinandergesetzt haben. Auch hier kommt dem Bereich entlang des Weißen Mains (Güterbahnhof, Spinnerei, Bahnhof, Kaufplatz) eine große Bedeutung zu. "Eine Jahrhundertchance", wie sie betonten. Doch ihr Blick geht weiter Richtung Mönchshof und Plassenburg, die touristisch verknüpft werden könnten. In einer ersten Online-Befragung, an der 118 Bürger teilgenommen hatten, hätten sich schon Schwerpunkte herauskristallisiert. Eine weitere Befragung soll Ende März folgen.

"Metzdorfer Hang" abgesetzt

Der Tagesordnungspunkt "Bebauungsplan Am Metzdorfer Hang mit Diskussion und Beschluss über die weitere Vorgehensweise" wurde kurzfristig abgesetzt. Hintergrund: In der Sitzung des Bauausschusses am vergangenen Mittwoch stießen die vier Bebauungsvarianten des Investors auf kein mehrheitliches Gefallen bei den Stadträten. Oberbürgermeister Ingo Lehmann hatte im Nachgang der Sitzung mehrere Gespräche mit dem Investor geführt, um für die Stadtratssitzung abgewandelte, den Wünschen des Stadtrates entsprechende Alternativen zu erarbeiten. Das konnte aufgrund der Kurzfristigkeit allerdings nicht erfolgen.

Aus diesem Grund wurde der Tagesordnungspunkt nicht behandelt. Die Bebauung am Metzdorfer Hang kommt wieder auf die Tagesordnung, wenn neue Entwürfe vorliegen.