Wer im Online-Handel Erfolg haben will, muss sich etwas einfallen lassen. Im Netz gibt es schon fast alles, und große Unternehmen haben den Markt fest im Griff. Doch es gibt Nischen für ambitionierte Neugründer, und eine davon möchten der Kulmbacher Tim Barkow und Chris Payr aus Schweinfurt mit ihrer kürzlich gegründeten Firma "Series Zero" werden.

Die beiden bieten über ihre Crowdbuying-Plattform innovative Produkte an, die es bislang in dieser Form in Deutschland nicht gab. Dabei hoffen sie darauf, Aufmerksamkeit mit Innovationen zu wecken, die den Alltag leichter machen und Probleme auf pfiffige Weise lösen.


Produktion auf Bestellung


Crowdbuying - was ist das eigentlich? Es ist eine Art Gruppen-Einkauf, bei dem eine Mindestanzahl von Kunden vorab den Kaufpreis für das Produkt bezahlt, das dann in einer lohnenden Stückzahl produziert und nach Hause geliefert wird. "Unser Prinzip verbindet erstmalig die Vorteile des Crowdfunding mit klassischen Verkaufsprozessen", erläutert Tim Barkow.

Crowdfunding? Dieser englische Begriff ist in der Internet-Gemeinde recht geläufig und bedeutet übersetzt "Schwarm-Finanzierung": Viele zahlen einen Beitrag, um die Entwicklung einer Geschäftsidee oder eines Produkts zu ermöglichen. Eine geldwerte Gegenleistung ist dabei nicht unbedingt garantiert, oft ist der Lohn des Geldgebers nur ideell.

Anders beim Crowdbuying: "Dabei erhält tatsächlich jeder Kunde entweder die bestellte Ware, oder er bekommt bei zu geringer Nachfrage das bezahlte Geld komplett zurückerstattet", so Geschäftsführer Barkow. Je nach Produkt wird vom Anbieter der Kampagne eine Mindestsumme festgelegt, die erreicht werden muss, damit sich die Produktion lohnt.

Die Käufer können die Artikel innerhalb der Laufzeit erwerben und bekommen, sofern die Mindestsumme erreicht wird, die Ware innerhalb eines üblichen Zeitraumes von maximal etwa drei Monaten zugeschickt. Anders als beim klassischen Crowdfunding ist die Produktentwicklung wesentlich weiter vorangeschritten. Das Produkt befindet sich nicht mehr in der Entwicklungsphase. Beim Crowdbuying ist die Produktentwicklung vollständig abgeschlossen und die "Nullserie" muss nach Kampagnen-Ende nur noch produziert werden - die erste Serienproduktion, bevor es an die großen Stückzahlen geht. Nullserie - das ist auch die deutsche Übersetzung für den Firmennamen "Series Zero".

"Ich finde die Idee als Geschäftsmodell sehr spannend", erzählt Tim Barkow. Der 37-Jährige, der aus Nordrhein-Westfalen stammt und nach Kulmbach eingeheiratet hat, ist studierter Betriebswirt, der im Bankwesen gearbeitet hat. "Es ist schön, mit unserer eigenen Firma jetzt eigene Träume auszuleben, aus den großen Strukturen herauszugehen und etwas Neues auszuprobieren."


Der Anfang ist schwer


Gut zwei Monate ist "Series Zero" inzwischen am Start, und die Gründer haben feststellen müssen: Aller Anfang ist schwer. Erste Anbieter haben bereits Kampagnen gestartet, und es gab auch Interessenten - aber bei Weitem nicht genug, um die Mindestsummen zu erreichen.

Die Kunden bekommen ihre Waren aber trotzdem. Im Angebot sind ein Nanotechnologie-Kleber für Smartphones und Tablets, mit dem das Gerät an jeder beliebigen glatten Oberfläche befestigt werden kann, für Apple-Fans USB-Stick für iPhone und iPad, während die Laser-Projektionsmaus Spiele-Fans interessieren könnte.

Doch es gibt nicht nur Ausgefallenes für Technikverliebte: Eine Smoothie-Zubereitung aus Berlin mit gefriergetrockneten Früchten soll Gesundheitsfans locken, und eine Multitasche für Damen alles jederzeit griffbereit halten - dank einer ausgefallenen Befestigungsmöglichkeit.

"Unsere Erwartungen waren höher, aber es braucht wohl noch Zeit, bis wir genug Referenzen aufgebaut haben", sagt Tim Barkow. Entmutigen lässt er sich so schnell nicht: "Wir probieren verschiedene Werbemodelle aus, sind viel in den sozialen Netzwerken unterwegs."

Und wie finden die "Series Zero"-Gründer geeignete Produkte für ihre Plattform: "Wir betreiben viel Internet-Recherche, gehen auf Messen. Längerfristig hoffen wir, dass Anbieter innovativer Produkte auf uns zukommen."

Details zum Unternehmen gibt es auf der Webseite von Series Zero.