Henry Landeck ist sauer: "Wir haben hier viermal so viel Verkehr wie vorher. Es wird gerast, und ich komme mit meinem Auto kaum aus meiner Einfahrt raus."

Der Kulmbacher wohnt im Ängerlein. Dort, wo im Zuge des Probelaufs für eine neue Verkehrsführung in der Blaich alle Autofahrer durchmüssen, die von der Albert-Ruckdeschel-Straße kommen, weil der andere, längere Teil des Ängerleins, der von der "Holzbruck" nach rechts abzweigt, zur Einbahnstraße geworden ist.

Am anderen Ende der Straße, dort, wo sie auf die Friedrich-Ebert-Straße trifft, ist Alfred Roßmeisl daheim. Der sagt, dass vor seinem Haus zwar immer noch viel Verkehr ist. Aber zumindest am Wochenende sei es in seinem Garten wieder herrlich ruhig. Und Reinhard Heer, der gegenüber hinterm Flutmuldendamm lebt, wähnt sich seit der Neuregelung "fast schon im Himmel".

Belastung durch Baustelle

Keine Frage: Die (vorläufige) Neuregelung, die auf ein System von Einbahnstraßen setzt, hat den Verkehr nicht vermindert, sondern nur verlagert. Die große Baustelle in der Hofer Straße tut ein Übriges: Anlieger entlang der Umleitungsstrecke klagen, dass der Verkehr deutlich zugenommen hat, dass gerast wird - und dass auch der Baustellenverkehr quasi direkt vorm Schlafzimmerfenster vorbeifährt. Und hin und wieder wird kolportiert, dass die ganze Regelung nur geschaffen worden sei, weil es drei Stadträte vor ihrem Wohnhaus ruhiger haben wollen.

Eine Mutmaßung, die Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok (CSU) strikt zurückweist. Er hat gemeinsam mit Jörg Kunstmann (CSU) und Hans Werther (SPD) - alles "Blaacher" - das Projekt auf den Weg gebracht. Vielmehr seien etliche zweispurige Straßen wegen vieler parkender Autos praktisch nur noch einspurig befahrbar; insbesondere im Ängerlein sei es immer wieder zu kritischen Situationen gekommen. Deswegen habe man probeweise Teile des Ängerleins sowie die Hermann-Limmer-Straße und die Friedrich-Ebert-Straße zur Einbahnstraße gemacht.

Das eigentliche Problem, so Jörg Kunstmann, sei der Durchgangsverkehr zu den Märkten in der Albert-Ruckdeschel-Straße. "Wir mussten was unternehmen", so Kunstmann, der aber auch betont, dass die derzeitige Verkehrsführung "nicht in Stein gemeißelt" sei. "Wir müssen eine Lösung finden, die für alle Beteiligten die geringsten Nachteile hat."

Es wird gerast

Worüber derzeit viele Blaicher klagen: Es wird gerast. Vor allem die breite Blaicher Straße scheint viele Autofahrer zu verleiten, es mit Tempo 30 nicht so ganz genau zu nehmen. Ob die Polizei da was machen kann? Markus Lang, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Kulmbach, warnt vor überzogenen Erwartungen: Man führe durchschnittlich oft Geschwindigkeitskontrollen durch. Dass die Polizei permanent präsent ist, oder dass alle paar Meter ein Standblitzer aufgestellt wird, sei nicht realistisch. Mehr Unfälle als zuvor gebe es dort nicht.

Als die neue Verkehrsregelung vor rund fünf Monaten eingeführt wurde, hatte die Stadt Kulmbach versprochen, das Gespräch mit den Blaichern zu suchen und deren Erfahrungen einfließen zu lassen in ein endgültiges Konzept. Nun hat die Stadt ihr Versprechen eingelöst: Bei einem Bürgergespräch im Mönchshof-Bräuhaus wurde - durchaus kontrovers, aber sachlich - diskutiert. Vor allem aber wurden viele Vorschläge unterbreitet, wie man in der Blaich für Ruhe sorgen könnte: Eine komplette Sperrung der "Holzbruck" für Autos, um den Durchgangsverkehr herauszuhalten - was freilich auch den Blaichern weite Wege bescheren würde. Ein Kreisverkehr am Pörbitscher Platz, der Raser ausbremsen könnte, die auf der Achse Blaicher Straße/Lorenz-Sandler-Straße unterwegs sind. Ein Fußgängerüberweg über die Friedrich-Ebert-Straße in Höhe des Kindergartens, um dort Eltern oder Großeltern mit Kindern das Überqueren der derzeit viel frequentierten Umleitungsstrecke zu erleichtern. Und nicht zuletzt: eine direkte Anbindung der Albert-Ruckdeschel-Straße an den Schwedensteg oder die Nordumgehung zur Entlastung der "Holzbruck" und der Blaich.

Gute Chancen für großen Ring

Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) hat den Blaichern zugesagt, diese Vorschläge zu prüfen. So, wie es derzeit aussieht, hat zumindest einer gute Chancen auf eine Umsetzung. Axel Taubenreuther plädiert für einen Einbahnring: Autos, die aus Richtung Albert-Ruckdeschel-Straße über den Pörbitscher Weg kommen, biegen am Hochhaus nach rechts ins Ängerlein ab, die Einbahnstraße bleibt - wenn auch mit gedrehter Fahrtrichtung. Weiter geht der Verkehr im Einbahn-Modus über Friedrich-Ebert-Straße, Caspar-Fischer-Straße, Hugo-Hesse-Straße, Michel-Weiß-Straße und den westlichen Teil des Ängerleins wieder zur "Holzbruck".

Frank Wilzok wird vielen Blaichern aus der Seele gesprochen haben, als er diesen Vorschlag kommentierte: "Das hat was. Das sollten wir zumindest mal probieren."