• Die Maisernte 2018/2019  ist ausgefallen
  • Landwirt Lukas Schütz hat besondere Idee
  • Junglandwirt startet ganz besonderes Futter-Projekt
  • Ergebnisse sollen bis November 2022 feststehen

Auf den ersten Blick sehen die Felder in der Nähe von Dörfles bei Buchau seltsam aus, beinahe wie eine Parkanlage. Auf grünen Wegen geht man an kleinen Parzellen vorbei, die allesamt beschildert sind. Violett blühende Kletterpflanzen, sogenannte Wicken, ranken sich an Getreidehalmen empor. Dazwischen wächst Weidelgras. Unkraut ist das aber nicht. Hier wächst genau das, was wachsen soll. Die Flächen hat Junglandwirt Lukas Schütz (21) für seine Meisterprüfung angelegt. Verschiedene Variationen von Ganzpflanzensilage, kurz GPS, probiert er hier aus. Ähnlich wie Mais werden die Feldpflanzen gehäckselt und siliert, das heißt unter Luftabschluss vergärt, so dass ein haltbares Viehfutter für den Winter entsteht.

Maisernte ausgefallen: Junglandwirt hat ganz besondere Futter-Idee

Für die Serie "Landwirtschaft mit Zukunft" hatte Junglandwirt Schütz vergangenes Jahr gemeinsam mit seiner Schwester Lisa in der Bayerischen Rundschau den heimischen Milchviehbetrieb vorgestellt. Zwar sollte das familiäre Betriebskonzept auch in Zukunft so bleiben wie es ist, doch an ein paar Anpassungen kommt man nicht vorbei.

In den Trockensommern der Jahre 2018 und 2019 war nämlich ein Teil der Maisernte ausgefallen, so dass die Vorräte erheblich geschrumpft sind. "Zwar ist Mais resistenter als viele andere Pflanzen gegenüber Trockenheit, aber extremen Trockenperioden ist auch er nicht gewachsen", erklärt Schütz. Da Mais aufgrund seines Energiegehalts und seiner Nährstoffzusammensetzung ein sehr gutes Milchviehfutter ist, hatte der Landwirt nur zwei Möglichkeiten: mehr Mais anbauen oder Alternativen finden.

Kurzerhand machte Schütz dieses Futterproblem zu seinem Meisterstück. Die Ausbildung zum Landwirt hatte er bereits 2018 abgeschlossen und danach die Meisterschule in Bayreuth besucht. Vergangenes Jahr musste er sich ein Thema aussuchen. "Zur Meisterprüfung gehört nicht nur die Prüfungsleistung, sondern auch, dass sich die Junglandwirte für ihren eigenen Betrieb etwas mitnehmen", erklärt einer der Prüfer, Markus Heckmann, Landwirtschaftsoberrat aus Bamberg.

Projekt-Idee kommt gut an: Begeisterte Prüfer

Die dreiköpfige Prüfergruppe, zu der noch Adolf Ruff und Waltraud Dümmler gehören, war beim Betriebsbesuch von dem Projekt begeistert gewesen. Die Prüfer waren es, die Schütz vorschlugen, es den Zeitungslesern vorzustellen.

"Der Versuch ist gut ausgeschildert und optisch sehr schön anzuschauen", erklärt Heckmann. Damit meint er vor allem die violett blühenden Wicken, die Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten.

"Hybridlandwirtschaft" im Kommen

Ganzpflanzensilage sei vor den 2000er Jahren noch kaum verbreitet gewesen, doch innerhalb der vergangenen 15 Jahre sei sie ein wichtiger Baustein bei der Futterversorgung geworden, so Heckmann. Der Anbau von Pflanzengemengen mit Untersaaten ist eigentlich ein gängiges Konzept aus dem Ökolandbau. Auch konventionelle Landwirte übernehmen mittlerweile diese Methode.

"Hybridlandwirtschaft" - so nennt man es Heckmann zufolge, wenn sich Landwirte das Beste aus beiden Systemen herausnehmen. "Sowohl die konventionelle als auch die ökologische Landwirtschaft haben ihre Vor- und Nachteile", betont er.

Der Vorteil der Ganzpflanzensilage sei, dass Unkraut kaum ein Thema ist. Ein weiterer Vorteil für den Landwirt liegt darin, dass sie bereits im Sommer erntereif ist - im Gegensatz zum Mais, der erst im September oder Oktober gehäckselt wird. Das Weidelgras, als Teil der Saatmischung, treibt nach der Ernte wieder aus und bildet auf derselben Fläche neues Grünland.

Besonderes Kuh-Futter: Analyse im Futtermittellabor

Bereits seit der Aussaat vergangenen September dokumentiert Lukas Schütz die Entwicklungsstadien der Pflanzen auf seinen Testflächen. Er misst wie schnell sie wachsen, nimmt Bodenproben und zeichnet das Wetter auf. Es ist kein wissenschaftlicher Versuch, sondern ein praxisangewandter. Er will herausfinden, ob er die Ganzpflanzensilage künftig für den Familienbetrieb nutzen kann. Dazu hat er mit den Saatmischungen experimentiert und mit der Düngermenge. Für jede Variation hat er eine eigene Testfläche angelegt, 15 Meter breit und 50 Meter lang. Sogar eine Kontrollfläche mit Mais durfte nicht fehlen.

Mit der Ernte ist sein Projekt aber noch nicht vorbei. Die gehäckselte Futtermischung aus kleinen Erbsen, Getreidekörnern und Grashalmen schickt er in ein Speziallabor für Futtermittelanalyse in Sachsen. Dort werden ernährungsphysiologische Parameter wie Proteingehalt und Energiedichte gemessen. Schütz vermutet bereits jetzt, dass die Ganzpflanzensilage nicht den Energiegehalt von Mais erreicht, aber der Anbau einer zusätzlichen Option gibt ihm Sicherheit.

Ergebnisse des Projekts bis 30. November 

"Man kann relativ früh im Jahr schon einen Teil des Winterfutters sichern", so der Landwirt. Bis zum 30. November muss er seine Erkenntnisse schriftlich zusammenfassen und abgeben. Dann muss er auch seine Schlussfolgerungen ziehen. Was er bis dahin auf jeden Fall auch noch herausfinden will, ist, ob den Kühen das neue Pflanzengemisch überhaupt schmeckt.