40 Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums haben eine Eins vorm Komma, doch Julius Seitter (18) hat als einziger einen Durchschnitt von 1,0 erreicht. "Ich war schon immer gut, habe aber in der Mittelstufe nur das Nötigste gemacht. Ich hatte immer so einen Zweierschnitt", erzählt der Thurnauer.
In der Oberstufe allerdings habe er dann richtig Gas gegeben. "Da ging es ja um was", sagt Julius Seitter und freut sich über den Super-Abschluss.
Er hatte neben Deutsch und Mathematik noch Englisch als schriftliches Abiturfach, und mündlich ging er in Musik und Wirtschaft ins Rennen.
Doch so euphorisch Julius Seitter auch war, selbst mit einem Schnitt von 1,0 stehen einem nicht automatisch alle Türen offen. Denn die erste Bewerbung, die er zur Firma Kärcher losgeschickt hatte, kam sofort mit einer Absage zurück. Der 18-Jährige hat sich nicht entmutigen lassen.
Insgesamt vier weitere Bewerbungen hat er geschrieben - und schließlich sein Wunschziel erreicht. Julius Seitter wird ab September ein duales Studium absolvieren: Er wird bei Bosch in Stuttgart arbeiten und gleichzeitig "international business" studieren.
Großen Stress, eine Wohnung zu finden, hatte er nicht. Denn praktischerweise hat er Verwandte in Stuttgart. "Die haben eine Wohnung für mich, dann bin ich flexibel. Denn beim dualen Studium ist auch ein Auslandsaufenthalt dabei - einmal im europäischen Ausland, einmal an einem Bosch-Standort meiner Wahl."
Bis zum Studienbeginn bleibt Julius Seitter dual: er will noch ein bisschen jobben und entspannen. "Ich fahre ich mit Freunden nach Italien oder mache eine Tour durch Südfrankreich und Nordspanien, wo man sonst immer nur drüberfliegt."
Der Abiturjahrgang 2014 wird den Lehrern am Caspar-Vischer-Gymnasium lange in guter Erinnerung bleiben. Wie Schulleiterin Ulrike Endres bei der gestrigen Abschlussffeier in der Dr.-Stammberger-Halle erfreut feststellte, hätte 116 junge Männer und Frauen mit Erfolg die Abiturprüfungen hinter sich gebracht. Dabei war der Jahrgang ein ganz vorzüglicher. Bei einem Gesamtschnitt von 2,22 haben vierzig Schüler eine Eins vorm Komma erreicht.
14 Abiturienten erzielten sogar einen Durchschnitt von 1,5 und besser. Die Krönung setzte Julius Seitter allem auf. Der 18-Jährige aus Thurnau schaffte eine glatte 1,0 .
"Ihr habt was Tolles geleistet", gratulierte Kollegstufenbetreuerin Anke Emminger ihrem ersten Abschlussjahrgang von Herzen. Besonders freute sie sich über den gelungenen Abischerz mit der dazugehörigen Typisierungsaktion. "Das war ein voller Erfolg und wird positiv im Gedächtnis bleiben."
Schulleiterin Ulrike Endres verteilte neben den Zeugnissen auch Glückskekse. "Denn ein bisschen Glück gehört im Leben immer dazu. Aber ihr habt auch etwas für euer Glück getan. Man sagt nicht umsonst, das Glück ist mit dem Tüchtigen", sagte Endres. "Ihr seid ein Jahrgang, von dem vieles bleiben wird", so die Schulleiterin. So hätten die Schüler ein Mosaik angefertigt und realisiert und die beispielhafte Typisierungsaktion f organisiert. "Ihr habt bewiesen, dass ihr ein Herz habt."

Den "Führerschein" geschafft

"Ihr habt jetzt eueren Führerschein - das Abi. Aber Fahren müsst ihr selbst", meinte Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD). CSU-Landtagsabgeordneter Ludwig von Lerchenfeld ergänzte: "Ihr werdet gebraucht wir nie zuvor". Und Landrat Klaus Peter Söllner hoffte, dass die Abiturienten hinaus in die Welt gehen und den Weg wieder zurück nach Oberfranken finden werden. "Ihr habt die Gruppenphase jetzt überstanden, jetzt steht ihr mitten im Wettbewerb, und wahrscheinlich kommt ihr alle ins Endspiel."
Für den Elternbeirat beglückwünschte Heike Schweens die Abiturienten. "Nutzt die Gelegenheit und verbringt nicht zu viel Zeit in virtuellen Welten", gab sie ihnen mit auf den Weg.
Aus alten Unterstufenfotos hatten Katrin Brehm, Silva Ruppert und Natalie Moser einen kleinen Film mit Momenten zusammengestellt, die keiner der Abiturienten so schnell vergessen wird. "Mensch, was wir alles erlebt haben. Das werden wir sicher noch unseren Enkeln erzählen", so Katrin Brehm. "Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen", fügte Silva Ruppert hinzu und blickte auf die Seminararbeiten, auf P-Seminare, aus Fahrten und Ausflüge zurück.
Auch Natalie Moser hatte viele Erinnerungen parat. Die CVG Bigband und der Abichor umrahmten die Feier musikalisch.