"Jeder kann Triathlon!" So stand es auf dem Werbeflyer. Jeder? Triathlon - das ist doch was für die durchtrainierten Sportskanonen, die auf langen Beinen an mir vorbeizischen, wenn ich mich mal zu einem Waldlauf aufraffe. Typen, die ganz stylish im Profi-Outfit auf hauchdünnen Reifen über den Radweg preschen und im Freibad mit Düsenantrieb durchs Wasser pflügen. Und da soll ich mithalten? Mit einem kaputten Knie und nach einer Krebserkrankung war ich in den letzten Jahren mehr Ente als Rennsemmel.

Stunde der Wahrheit am 20. Juli

Aber was soll's? Man wächst an seinen Aufgaben: Herausforderung angenommen! Ich habe mich angemeldet zum Trainingsprojekt des ASV Triathlon Kulmbach in Zusammenarbeit mit dem ATS und dem Fitness-Studio Fit'n'Fun. In acht Wochen von Null auf Triathlon. Ich werde ausprobieren, ob das wirklich machbar ist. Am 20. Juli schlägt die Stunde der Wahrheit: Volkstriathlon in Kulmbach!

500 Meter Schwimmen, 17 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen - das hört sich nicht nach besonders viel an. Aber alles zusammen hintereinander weg, und das auf Zeit, ist deutlich mehr, als ich als Normalsterbliche mit Links nebenbei mache.

Die Kondition ist futsch

Ein paar kurze Wald- und Wiesenläufe haben mir das vor einigen Wochen deutlich vor Augen geführt. Kraft und Ausdauer? Nicht vorhanden.

Das war schon mal anders. Ich trainierte für den Halbmarathon, ging ergänzend zum Fitness-Training, zum Schwimmen, aufs Rad. Der Einbruch kam vor ein paar Jahren mit einer Krebserkrankung. Operation und Therapie haben mich mehr Kraft gekostet als ich zugeben wollte. Mit einigen körperlichen Einschränkungen habe ich mich arrangieren müssen. Beruf, Alltagsverpflichtungen - zusätzlich noch Sport?

Das wurde mir zuviel. Dazu kam ein kaputtes Knie, das mich nach erzwungenen Leistungen gnadenlos abstrafte. Immer wieder unternahm ich ein paar Anläufe, wieder zu trainieren. Halbherzig. Oft angestrengt. Manchmal ein bisschen frustriert.

Ich bin keine Couch-Sitzerin. Ich bin sehr aktiv, arbeite viel im Garten. Aber fit fühle ich mich trotzdem nicht. Das wird sich jetzt hoffentlich ändern. 14 Frauen und 14 Männer beteiligen sich am Triathlon-Projekt. Am Mittwochabend haben wir uns kennengelernt: ein bunter Haufen von Menschen aller Altersgruppen, vom Studenten bis zum Senior. Einer hat den Kurs geschenkt bekommen, der andere ihn verschenkt und sich gleich mitangemeldet. Drei haben sich vom Partner anstiften lassen, die meisten sich spontan entschlossen, einmal etwas Neues auszuprobieren. Als Gruppe, in der man sich gegenseitig motiviert.

Training soll Spaß machen

Spaß soll es machen, verspricht Bernd Roßberg vom ASV Triathlon, der die Idee für diese Aktion hatte und einen ganzen Trainerstab versammelt hat, damit wir unser Ziel erreichen. Drei Mal pro Woche werden wir trainieren: jeden Mittwochabend im Fitness-Studio, jeden Freitagabend im Freibad und auf einer Laufstrecke, jeden Sonntagvormittag auf dem Rad.

Feste Termine. Das ist gut. Die lässt man nicht so leicht ausfallen wie einen Morgenlauf bei miesem Wetter. Schwere Zeiten für den inneren Schweinehund, der in letzter Zeit gerne den Chef gespielt hat. Das wird ihm nächsten Mittwoch beim ersten Training im "Saal der Qualen" ohnehin vergehen. Funktionelle Tests, Koordinations- und Kraftausdauertraining stehen auf dem Plan.

Lektion eins: Den ganzen Körper trainieren

Laufen, radeln, schwimmen - reicht das noch nicht? Nein, sagt Stefan Schmidt vom Fit'n'Fun. "Das Funktionstraining unterstützt alle anderen Komponenten." Das ist Lektion eins am Vorbereitungsabend: Laufschuhe an und lossprinten, ist kein guter Einstieg ins Triathlon-Training. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Wir werden statt dessen mit gezielten Übungen die Rumpfmuskulatur und die gelenkstabilisierenden Muskeln kräftigen. Dazu kommt ein Kraftausdauer-Zirkel und ein Cross-fit-Training. Das klingt anstrengend. Ist aber wichtig, sagt Stefan. Als Physiotherapeut muss er es wissen: "Ein optimales Ganzkörpertraining sorgt dafür, dass man nicht so schnell müde wird."

Wenn das so ist, können wir von mir aus gleich anfangen. Schwere Beine und viel zu schnell aus der Puste - das sind nämlich genau die Probleme, die ich loswerden möchte.

Ich bin neugierig auf die nächsten Wochen. Wie es uns Triathlon-Lehrlingen ergeht, können alle Interessierten auf meinem Blog auf inFranken.de und auf meiner Facebook-Seite nachlesen.